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Bayreuther Festspiele

25. Juli - 28. August 2018

Bayreuther Festspiele ohne roten Teppich Keine Feierlichkeiten nach Amoklauf

Nach dem Amoklauf von München wollen die Bayreuther Festspiele ein Zeichen der Solidarität setzen: die Premierenvorstellung des "Parsifal" widmen sie den Opfern und deren Angehörigen. Außerdem wird die Eröffnung der Festspiele in diesem Jahr ohne roten Teppich und den traditionellen Staatsempfang stattfinden.

Königsportal ohne roten Teppich  | Bildquelle: BR_Studio Franken/Kristina Kreutzer

Bildquelle: BR_Studio Franken/Kristina Kreutzer

Der Amoklauf von München überschattet auch Deutschlands berühmtestes Opernfestival. Zum Gedenken an die Opfer der Bluttat vom vergangenen Freitag werden die Bayreuther Festspiele in diesem Jahr ohne Staatsempfang und roten Teppich eröffnet. "Alles andere würden wir als geschmacklos und völlig unpassend empfinden", sagt Festspielsprecher Peter Emmerich. Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer betont, der Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen gebiete dies.

Den Angehörigen und Hinterbliebenen gehört unser tiefes Mitgefühl.
Festspielleitung der Bayreuther Festspiele

Eröffnung mit "Parsifal" findet statt

Die geplante Aufführung der neuen "Parsifal"-Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg soll aber wie geplant stattfinden. Das Werk enthalte eine "Friedens- und Versöhnungsbotschaft", so Emmerich. Außerdem widmen die Bayreuther Festspiele die Premierenvorstellung den Opfern des Amoklaufs und deren Angehörigen. "Die Mitwirkenden der Bayreuther Festspiele trauern um alle Menschen, die am 22. Juli in München auf so tragische Weise ums Leben kamen", heißt es auf der Internetseite der Bayreuther Festspiele. "Den Angehörigen und Hinterbliebenen gehört unser tiefes Mitgefühl."

Sicherheit hat oberste Priorität

Sicherheitsleute stehen an einem Zaun in Bayreuth | Bildquelle: dpa/Britta Schultejans Bildquelle: dpa/Britta Schultejans Aus Sorge vor einem Terroranschlag wurden die Sicherheitsvorschriften auf dem Grünen Hügel verschärft. Unter anderem wurde das komplette Festspielhaus eingezäunt. Auch die Besucher müssen sich auf einiges einstellen. So bittet die Festspielleitung darum, dass Besucher mehr Zeit für ihre Ankunft im Festspielhaus einplanen, da erweiterte Kontrollmaßnahmen durch die Polizei möglich seien. Außerdem sollten die persönlichen Ausweisdokumente mitgebracht werden. Spitze, sperrige oder scharfe Gegenstände jeder Art sowie größere Taschen, Rucksäcke, Sitzkissen und Getränkeflaschen dürfen nicht ins Festspielhaus mitgenommen werden.

Premiere mit Spannung erwartet

Die Eröffnung der Bayreuther Festspiele mit Wagners "Parsifal", die BR-KLASSIK im Videostream und im Radio überträgt, steht seit Wochen im Fokus der Medien. Ende Juni sorgte der plötzliche Abgang des "Parsifal"-Dirigenten Andris Nelsons für Schlagzeilen. Für Klaus Florian Vogt, der die Titelpartie des Parsifal singen wird, war dies ein Schock: "Das ist eine Katastrophe natürlich. Das ist ja klar. Ich hab mich besonders auch auf diese Arbeit gefreut mit Andris Nelsons", so Vogt. Nun müssten sich alle auf etwas Neues einstellen, fügt der Startenor hinzu. Eine Woche dauerte die Suche nach einem neuen Premiere-Dirigenten. Dann kam statt des 37-jährigen Letten Andris Nelsons der 73-jährige Dresdner Hartmut Haenchen. Nur 12 Tage Proben blieben dem Einspringer bis zur Generalprobe. "In der Kürze der Zeit bedarf das dann doch erheblicher Probenarbeit, um das auf den Punkt zu bringen, wo ich es gerne hätte", so Haenchen. Dabei wolle er das, was Nelsons erarbeitet hat, keineswegs beurteilen, so Haenchen. Er kenne natürlich ein paar Wagner-Aufnahmen von Nelsons und die würden sich deutlich von seiner Auffassung unterscheiden. Nach den Proben mit Orchester und Solisten scheint Haenchen nun kurz vor der Premiere zuversichtlich.

Ich denke, ich bin jetzt an einem Punkt, wo meine Handschrift zumindest zu erkennen ist.
Hartmut Haenchen, Einspringer-Dirigent

Inszenierung von Laufenberg - angeblich islamkritisch

Ebenfalls mit Spannung erwartet wird, wie die Inszenierung des "Parsifals" von Uwe Eric Laufenberg beim Premierenpublikum ankommt. Laufenberg lässt den Parsifal nicht im Mittelalter, sondern im hier und heute spielen. Die Gralsritter sind christliche Mönche in einer Kirche im Nahen Osten, inmitten von kriegerischen Auseinandersetzungen. Laufenberg will in Wagners Bühnenweih-Festspiel die Konflikte und die Utopie der Religionen ergründen. "Wenn die Religionen sich auf die guten Quellen, aus denen sie ja hervorgegangen sind, besinnen würden, dann könnte es gar keine Kriege geben", so Laufenberg, "aber anscheinend ist es für die Menschen im Moment Utopie. Vielleicht wird die Menschheit irgendwann soweit kommen - das war ja mit der Atombombe schon so -, dass es entweder die totale Vernichtung dieses Planeten gibt oder vielleicht doch die Lösung, dass kriegerische Auseinandersetzung nie zu irgendwas Gutem führen können." Im Vorfeld der Premiere kursierte das Gerücht, Laufenbergs Inszenierung sei islamkritisch.

"Parsifal" live im Radio und in BR-KLASSIK-CONCERT

Montag, 25. Juli 2016, 15.57 Uhr
in Surround über Satellit und im digitalen Kabel live aus dem Bayreuther Festspielhaus

Leitung: Hartmut Haenchen
Regie: Uwe Eric Laufenberg
Amfortas: Ryan McKinny
Titurel: Karl-Heinz Lehner
Gurnemanz: Georg Zeppenfeld
Parsifal: Klaus Florian Vogt
Klingsor: Gerd Grochowski
Kundry: Elena Pankratova
und andere

Zur Inszenierung der Oper "Parsifal" [bayreutherfestspiele.de]

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