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Wien - 8. März 1839 Beethovens hochstapelnder Grossneffe wird geboren

Auf seinen Namen wäre er am liebsten überhaupt nicht angesprochen worden. Er war ihm viel zu auffällig: Ludwig Johann van Beethoven. Der Großneffe des Komponisten wurde von der Polizei gesucht - mit Haftbefehl wegen Betrug und Unterschlagung.

Central Station New York um 1895 | Bildquelle: picture alliance / akg-images

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Beethovens Grossneffe setzt sich auf seiner Flucht nach Amerika ab

"Baron von Beethoven"

Ludwig Johann Beethoven ist ein Sohn des missratenen Neffen Karl. Bei der Taufe hat man ihm die Vornamen der beiden Großonkel gegeben: Ludwig nach dem Komponisten und Johann nach dessen Bruder, dem Apotheker. Nach seiner Hochzeit haben die Verwandten seiner Frau dem Paar ein aufwändiges Leben finanziert. Und als sie Ende 1868 nach München ziehen, machen sie weiter, so wie sie es von Wien gewöhnt sind - feudal und ohne Einkommen. "Baron von Beethoven" nennt er sich jetzt. Er wohnt in der Stadt und auf dem Land, pumpt die Crème de la Crème an und zahlt nichts zurück. Sogar der König geht ihm auf den Leim und spendiert ihm über 1.000 Gulden aus der Kabinettskasse. Nach drei Jahren ist das Spiel zu Ende.

Flucht in die Neue Welt

Der Haftbefehl kann gegen die beiden allerdings nicht vollstreckt werden. Denn das Paar hat sich - Schlimmes befürchtend - bereits ein Jahr vor ihrer Verurteilung per Schiff nach Amerika abgesetzt, wo es mehr und auch bessere Möglichkeiten hat als in der Alten Welt. Maria van Beethoven geht als Pianistin auf große Konzertreise, Ludwig ist ihr Impresario. Und dann macht er tatsächlich selber ein Geschäft auf. Dort hat er festgestellt, dass es eine Sache, die in Europa ganz selbstverständlich ist, in der Neuen Welt nicht gibt: Männer in schmucker Uniform, die vor Bahnhöfen und Hotels ihre Dienste anbieten. Sie erledigen Botengänge, befördern Koffer und bringen schönen Damen die Blumen der Kavaliere in die Wohnung. Ludwig Johann van Beethoven zieht schließlich ein Dienstmann-Unternehmen nach dem anderen auf: erst in Chicago, dann in anderen Städten. Die Firma floriert, und der Familie geht es gut.

Aus Johann Ludwig van Beethoven wird Louis van Hoven

Bloß diesen verräterischen Namen, den hat Ludwig Johann van Beethoven vor der Geschäftsgründung schnell noch abgelegt. Oben auf dem Briefpapier prangt jetzt sein neuer Name: "Louis van Hoven". Stünde da "Beethoven", hat er in einem Brief nach Hause erklärt, dann wäre er "im günstigsten Falle aus dem Beantworten lästiger Fragen niemals herausgekommen". Von ungünstigeren Fällen, zum Beispiel einem Münchner Haftbefehl, spricht er nicht.

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