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John Williams Die besten Soundtrackes des großen Zeremonienmeisters

"Der weiße Hai", "Star Wars" und "Indiana Jones". Kaum ein Komponist hat so legendäre Soundtracks vorzuweisen wie John Williams, der 50 Mal für den Oscar nominiert wurde. Wir lassen seine Karriere Revue passieren - und die Filme, die mit seiner Musik groß geworden sind.

Filmkomponist John Williams - Heldengalerie | Bildquelle: © Collage BR / Nadja Pfeiffer

Bildquelle: © Collage BR / Nadja Pfeiffer

1948 kommt ein 16-jähriger New Yorker, der sich Johnny Williams nennt, zum ersten Mal nach Los Angeles, um dort Privatunterricht bei dem italienischen Komponisten Mario Castelnuovo-Tedesco zu nehmen. Für ein Klavierstudium kehrt er nochmals nach New York zurück, um dann - gut zehn Jahre später - in der kalifornischen Traumfabrik Arbeit als Pianist zu finden. "Als ich anfing, in den Studios zu spielen, hatte ich keine Ahnung, dass ich eines Tages selbst Filmmusik komponieren würde", erinnert sich John Williams. "Es war kein Plan, sondern kam vielmehr dadurch, dass ich von diversen Kollegen gebeten wurde, ihre Musik zu orchestrieren."

Die ersten Filmmusik-Projekte

Schnell kommt Williams in Kontakt mit den ganz Großen des Business. Wie er heute sagt, ohne sich dessen damals bewusst gewesen zu sein: Er assistiert unter anderem Henry Mancini bei dessen Musiken zu "Peter Gunn“ und "Mr. Lucky“ und spielt später den Klavierpart in Elmer Bernsteins Oscar-prämierter Musik zu "Wer die Nachtigall stört". Als Pianist ging es von einem Projekt zum nächsten, erzählt Williams. "Ich war sicherlich nicht der größte Pianist in Los Angeles; allerdings einigermaßen gut im Blattspiel, worum es hauptsächlich ging. Man stellte mir eine dreizeilige Orchestrierungsskizze hin und ich war in der Lage, sie zu reduzieren und zu spielen. Was ich nicht lesen konnte, füllte ich mit Improvisation. Und das reichte offenbar, um zu diesen Aufnahmen eingeladen zu werden."
Seine erste offizielle Filmmusik war 1958 diejenige zu einem B-Movie mit dem Titel "Daddy-O"- ein Roadmovie mit viel Rhythmus und quietschenden Reifen.

Die ersten Oscars

Ab 1967 war John Williams sechs Mal für den Oscar nominiert. 1972 (in diesem Jahr wurde er dreimal nominiert) hieß es dann zum ersten Mal "And the Winner is: John Williams". Und zwar für seine Orchestrierung des Musicals "Anatevka" ("Fiddler on the Roof"). Vier Jahre später folgte dann der erste Oscar für eine Originalkomposition von John Williams, nämlich zu Steven Spielbergs "Der weiße Hai". Dieser Film, der nicht zuletzt dank der kongenialen Musik so mancher US-amerikanischen Familie die Badeferien vermieste, bedeutete für Williams den Durchbruch.

Die Weltraumoper

1977 war es Regisseur George Lucas, an dessen Seite Williams Filmmusikgeschichte schrieb. "Star Wars“ hieß das neue Unternehmen. Und die besondere Leistung von Williams bestand aus heutiger Sicht darin, diesem durch und durch futuristisch angelegten Sujet und seinen Figuren eine Musik auf den Leib geschrieben zu haben, die von Anfang bis Ende mit klassischem Orchester auskommt - während der musikalische Trend der Filmindustrie damals ganz in Richtung Popmusik ging. "Ich hatte den Eindruck, dass dieser Film ganz offensichtlich nach einem breiten orchestralen Pinselstrich verlangte", erklärt John Williams. Und dass die Musik so groß orchestriert wurde, ist der Idee des damaligen musikalischen Direktors von Fox, Lionel Newman, zu verdanken. Der schlug nämlich vor, den Soundtrack mit dem London Symphony Orchestra aufzunehmen. So entstand eine der legendärsten Filmscores aller Zeiten.

Ich hätte nie gedacht, dass die Eröffnungssequenz diese Wirkung haben würde: Für mich schien es einfach die passende Musik zu diesem Film zu sein.
John Williams

Für die Partitur zum ersten aller "Star Wars“-Filme erhält Williams seinen dritten Oscar. Und es ist nicht zuletzt sein Soundtrack, der dazu beitrug, dass "Star Wars" zur Weltraumoper wurde - und für viele sogar zur (Ersatz-)Religion.

Historische Helden und Ausserirdische

Der Zeremonienmeister des großsymphonischen Hollywood-Kinos kann allerdings auch gänzlich anders: intimer und nach innen gekehrt, auf den seelischen Kern der Handlung konzentriert. Der vielleicht schlagendste Beweis hierfür ist sein Thema zu Steven Spielbergs großem Beitrag zur Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit: "Schindlers Liste“ aus dem Jahr 1993. Angeblich soll Williams zunächst zögerlich reagiert haben. Mit den Worten: "Steven, für diesen Film benötigst Du einen besseren Komponisten als mich." Und Spielberg soll bloß geantwortet haben: "Ich weiß, aber die sind alle tot."
Mit seiner Musik zu "Schindlers Liste“ erhält John Williams - nach "E.T. - Der Außerirdische“ (1983) - seinen insgesamt fünften Oscar. Und es folgen Jahr für Jahr weitere Nominierungen. Mit insgesamt 50 hält er den Weltrekord unter den lebenden Künstlern - nur Walt Disney brachte es auf noch ein paar mehr. Und als wäre dies noch nicht genug, wurde Williams zusätzlich sechs Mal für den Emmy, 24 Mal für den Golden Globe und 59 Mal für den Grammy nominiert (Stand 2017).

Ohne Ende Qualität und Produktivität

"Superman" (1978), "Indiana Jones" (1989), "Kevin allein zu Haus" (1990), "Jurassic Park" (1993), "Der Soldat James Ryan" (1998), "Die Asche meiner Mutter" (1999), "Harry Potter" (2001)... Nicht nur die Qualität der Scores von John Williams, sondern auch seine Produktivität ist schier unfassbar. Denn wenn unser Jubilar auch inzwischen die Stafette in Sachen "Star Wars“ weitergereicht hat an jüngere Kollegen: Ans Aufhören denkt er offenbar noch lange nicht:
"Es gehört zu meinem Charakter oder meiner Persönlichkeit, dass ich niemals absolut zufrieden bin, sondern immer zu zehn Prozent unsicher darüber, ob ich das Richtige gefunden habe oder das Beste. Deshalb habe ich auch immer vier oder fünf Alternativen. Und hoffe, dass die richtige dabei ist."

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