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Paris - 8. Februar 1824 Franz Liszt lässt die Saiten reissen

Der kleine "Leitz", "Litz" oder auch "Liltz" ist ein Geheimtipp. Sogar so geheim, dass keiner weiß, wie man den Namen "Franz Liszt" richtig schreibt und ausspricht. Das ändert sich schlagartig mit dem Tag, an dem es der Nachwuchspianist bei einem Konzert richtig krachen lässt.

Franz Liszt um 1840 | Bildquelle: picture alliance/Heritage Images

Bildquelle: picture alliance/Heritage Images

Liszt unter Vertrag bei Érard

Franz Liszt gibt eine Soiree beim Klavierfabrikanten Sébastien Érard. Den hat Vater Adam gerade als Sponsor für seinen hochbegabten Sohn gewinnen können: Der Vertrag sieht vor, dass Liszt fortan ausschließlich auf Érard-Flügeln spielt. Kein schlechter Handel für den Neuankömmling in Paris, der so gerne am dortigen Konservatorium studiert hätte, aber leider abgelehnt wurde.

Ein Instrument mit neuester Technologie und dem Tonumfang von sieben Oktaven steht Franz Liszt also zur Verfügung, als er das h-Moll Klavierkonzert von Johann Nepomuk Hummel spielt. Allerdings hält der Flügel nicht einmal 20 Minuten der Wucht stand, mit der Liszt die Tasten malträtiert. Zuerst verzerrt sich nur die Stimmung, wie die "Allgemeine musikalische Zeitung" schreibt.

Man war genöthigt, abzubrechen, um die, um einen halben Ton gesunkenen Saiten bestmöglich hinauf zu stimmen….
Allgemeine musikalische Zeitung

Akrobatische Spielweise

Der junge Mann spannt mit seiner akrobatischen Spielweise nicht nur das Publikum auf die Folter, sondern überspannt obendrein die Möglichkeiten des Instruments. "Man musste mitten im Stück die zerrissenen Saiten ersetzen. Mag wohl dieser Unsinn, dem Umfang des Pianofortes keine Schranken zu lassen, von den Klavierspielern herrühren, die dadurch neue Effekte zu erhalten glauben. Oder etwa von den Klaviermachern, die dadurch ihren Instrumenten einen Vorzug und Käufer verschaffen möchte?"

Jedenfalls schadet der technische Defekt weder dem Ruf des jungen Franz Liszt noch dem des Klavierfabrikanten. Im Gegenteil: Ein hymnischer Artikel in der Presse über das "Wunder Liszt" jagt den nächsten, der fremdländische Name Liszt ist bald in aller Munde und Érards Klaviere finden reißenden Absatz.

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