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Was heute geschah - 23. November 1933 Kurt Weill wird sesshaft

Endlich hat Kurt Weill eine Bleibe gefunden - eine kleine Wohnung in Louveciennes, westlich von Paris. Er muss Ruhe in sein nomadenhaftes und zerrüttetes Leben bringen, denn im Jahr 1933 wurden in nur wenigen Monaten all seine Träume zerstört.

Kurt Weill | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Der Traum von der grossen Liebe

Seit September sind Lotte Lenya und Kurt Weill geschieden. Sicherlich bleiben sie befreundet. Weill gibt Lotte Lenya vor allem deshalb frei, weil er, als Jude, seinem "Tütilein Lenya" keine Komplikationen bereiten möchte. Trotzdem schmerzt es ihn.

Das Leben ist eine komische Einrichtung, heute vor sieben Jahren trafen wir uns vor dem Standesamt Charlottenburg und ich denke darüber nach, ob mir einstens wieder Liebe blüht!
Kurt Weill

Der Traum von der grossen Karriere als Komponist

Die Dreigroschenoper hatte ihn fast über Nacht berühmt gemacht. Die Nazis haben das Stück längst verboten. Inzwischen hat sogar der Verlag Universal Edition Verhandlungen begonnen, um sich aus dem Vertrag mit Weill herauszuwinden. Im März war die letzte öffentliche Aufführung eines Werkes von Weill in Deutschland.

Die Berichte über mich aus Deutschland sind schamlos und gemein. Sie lügen einfach einen Misserfolg zusammen.
Kurt Weill

Der Traum vom trauten Heim

In einer Nacht-und Nebelaktion flieht Weill aus seinem Potsdamer Häuschen nach Paris. Er lässt all sein Hab und Gut, ja sogar seine Schäferhunde, zurück.

Es wurmt mich, dass in dem schönen Haus nun bald diese Spießer wohnen!
Kurt Weill

Ende des Nomadentums

In Paris tingelt Weill von Hotel zu Hotel, von einem Unterschlupf bei Freunden zum nächsten. Er hatte geglaubt, hier vor den Nazis sicher zu sein, seine Werke aufführen zu können, Geld zu verdienen! Aber auch in Paris wächst die "Anti-Weill-Clique", die gegen ihn hetzt. "Ich denke manchmal, ob ich es wirklich nötig habe, mich in einen neuen Hexenkessel zu setzen und meine Nerven im Kampf gegen dieses Intriganten-Geschmeiß verbrauchen soll", so Weill. Das Ende seines Nomadentums in Paris sollte nur ein vorübergehendes Ende sein. Nazis stören auch hier Vorstellungen mit Weills Werken. Als ein rettendes Angebot aus den USA kommt, verlässt Kurt Weill Paris über London und emigriert 1935 in die USA.

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