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Was heute geschah - 4. Februar 1937 Kurt Weill kauft sich ein Coupé

Kurt Weill, deutscher Komponist jüdischer Abstammung, emigriert 1935 in die USA. Er versucht, in Hollywood Fuß zu fassen - doch erst einmal fehlt ihm der passende fahrende Untersatz.

Kurt Weill kauft sich ein Oldsmobile Coupe | Bildquelle: General Motors

Bildquelle: General Motors

Oldsmobile Coupé aus den 1930er Jahren

Hollywood, 4. Februar 1937

Kurt Weill ist frisch verheiratet. Aber statt in die Flitterwochen zu fahren, reist er allein nach Hollywood. Vielleicht nimmt man es mit der Hochzeitsreise nicht mehr so genau, wenn man ein zweites Mal dieselbe Frau heiratet: in Weills Fall die Schauspielerin und Sängerin Lotte Lenya.
Der Komponist hat einen Filmmusikauftrag im Visier und heftet sich an die Fersen der entsprechenden Bosse. Bis spät in die Nacht besucht er Aufnahmen in einem der Tonstudios.

Ich habe viel gelernt, der Umgang in diesem Studio ist wunderbar, lustig, sachlich, aber mit viel Whisky.
Kurt Weill

Lotte Lenya und Kurt Weill | Bildquelle: imago/United Archives International Lotte Lenya und Kurt Weill | Bildquelle: imago/United Archives International Hollywood selbst hat es ihm dagegen nicht so sehr angetan: Die Stadt scheint ein Dorf zu sein, ständig trifft er Bekannte und es fehlt ihm die Anonymität. Landschaftlich hingegen fühlt er sich mit den Bergen im Hintergrund an Salzburg erinnert. Aber wie kommt man nur in diese herrliche Landschaft? Kurt Weill war schon immer ein Autofan. In Berlin fuhr er einen Mercedes. In New York steht ein Buick. Ein Auto ist für Kurt Weill wie ein Freund. Er gibt jedem Auto den Spitznamen "Max": Das klingt solide, geerdet, stabil, zuverlässig!

Kurt Weill klappert sämtliche Händler Hollywoods ab. Er liebäugelt mit einem Ford, einem Neuwagen. Die Finanzierung in Form von Ratenzahlung schreckt ihn allerdings ab. Da er aber bisher in Hollywood noch keinen Cent verdient hat, entscheidet er sich für einen billigeren Gebrauchtwagen. Er lässt sich die Motorhauben öffnen und unternimmt Probefahrten. Er legt Wert auf einen exzellenten äußeren Zustand und eine schnurrende Maschine. Der Markt ist erdrückend! Endlich fällt die Wahl auf ein 1934er Oldsmobile, ein Zweisitzer-Coupé in Jägergrün. Stolz berichtet er an seine Frau Lotte Lenya:

Ich habe einen Max gekauft, einen primi!

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