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Pianistin und Komponistin Caroline de Belleville wird geboren

Landshut, 24. Januar 1806. Caroline de Belleville wird geboren. Carolines Vater, der die Nähe zu den Reichen und Schönen sucht, hat ehrgeizige Pläne für seine Tochter: Sie soll eine glänzende und in ganz Europa gefeierte Pianistin werden.

Pianistin und Komponistin Caroline de Belleville  | Bildquelle: Wikimedia (Porträtsammlung Friedrich Nicolas Manskopf der Universitätsbibliothek der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main)

Bildquelle: Wikimedia (Porträtsammlung Friedrich Nicolas Manskopf der Universitätsbibliothek der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main)

De Belleville – ein Adelstitel? Unklar, jedenfalls schmückt man sich im Hause de Belleville gern mit der Nähe zu den Reichen und Schönen. Die Mutter von Caroline ist Sprössling einer Mannheimer Musikerfamilie, die im Gefolge des Hofstaats von Kurfürst Carl Theodor nach München gezogen ist. Der Vater von Caroline de Belleville, ein Franzose aus Rouen, folgt den Napoleonischen Truppen als Kriegssekretär nach Bayern. Doch nach der Geburt seiner Tochter kommt er seinem Dienst nur unregelmäßig nach. Viel zu sehr beschäftigt ihn diese Mission: Er will aus seiner Tochter Caroline eine glänzende Pianistin machen, europaweit bekannt.

Früh übt sich

Carolines Vater arrangiert ersten Klavierunterricht bei einem Domorganisten in Augsburg, und dann, als die Tochter zehn Jahre alt ist, gibt sie ihr erstes Konzert in München. Ein Erfolg, und deswegen heißt die nächste Station – klarer Fall – Wien. Der Vater begleitet die Reise seiner Tochter zunächst, gibt sie dann aber vier Jahre lang in die Obhut des Klavierlehrers Carl Czerny. Und Caroline begeistert das Wiener Publikum, lernt sogar Beethoven kennen. Aber nach vier Jahren heißt es dann wieder: Weiter geht’s – über die österreichischen Grenzen hinaus bekannt werden, in Adelshäusern vorstellig werden, Geld verdienen.

Caroline – das "unausstehliches Wesen"?

Ganz Europa bereisen Vater und Tochter. Ihren Mann, den Geiger Antonio James Oury, lernt Caroline in London kennen. Und ihr Publikum? Die einen applaudieren, die anderen sprechen von einer Pianistin mit Trendbewusstsein, die weiß, was im Konzertsaal ankommt, aber darüber hinaus nicht viel Fantasie aufbringt.

Ob es eine erfüllende Mission gewesen ist, die der Vater mit Caroline de Belleville durchgeführt hat? Carolines Zeitgenossin Clara Schumann spricht jedenfalls über sie als "unausstehliches Wesen", Caroline könne sie vor Neid nicht ansehen. Und allen Menschen, einschließlich ihrem Mann, begegne sie mit verachtungsvollem Blicke. Es scheint eine anstrengende Mission gewesen zu sein. Caroline de Belleville stirbt am 23. Juli 1880 in einer Diakonissenanstalt für alte alleinstehende Menschen in München.

Was heute geschah

Unsere Reihe "Was heute geschah" zu bemerkenswerten Ereignissen der Musikgeschichte können Sie auch um 7:40 Uhr, um 13:30 Uhr und um 16:40 Uhr auf BR-KLASSIK im Radio hören. Weitere Folgen zum Nachhören finden Sie hier.

Sendung: "Allegro" am 24. Januar 2023 ab 06:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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