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5. März 1905 - "La fanciulla del West" Giacomo Puccini bettelt um einen komischen Opernstoff

Torre del Lago, 5. März 1905 – Giacomo Puccini hat die großen tragischen Themen satt. "Manon Lescaut", "La Bohème", "Tosca" oder "Madame Butterfly": immer nur Schmerz, immer nur unglückliche Liebe, immer nur Tote, nichts zum Amüsieren. Das soll seiner Meinung nach endlich ein Ende haben.

Der Komponist Giacomo Puccini | Bildquelle: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Bildquelle: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Puccini bombardiert seinen Librettisten Giuseppe Giacosa: "Was meinst du zu einer opera buffa? Wenn man einen guten Stoff finden könnte? Einen, der wirklich zum Lachen ist? Denk nach und such in deinen Erinnerungen." Entweder eine komische Oper oder keine Oper, vor dieser Entscheidung stehend sieht sich Puccini. Zum ersten Mal zeigt er Interesse an der "leichteren Gattung." So liebäugelt er auch mit der Idee eines neuen "Wilhelm Tell", allerdings fürchtet er den Vergleich mit seinem Kollegen Gioacchino Rossini und dass er sich mit einer Neuauflage dieses Stoffes für immer zum Ziel für Blitz und Donnerschlag aller italienischen Kritiker mache. Der "Tell" wird also wieder verworfen. Die Lust am Lustigen nicht.

Es ist schwieriger ist, etwas Komisches zu finden als etwas Ernstes. Das habe ich schon gewusst.
Giacomo Puccini

Die Geschichte von Don Pablo de Segovia landet auf seinem Tisch. Puccini studiert die alte Chronik der Stadt Lucca – aber zum Lachen findet er das alles nicht. Puccini taucht ein in literarische Werke mit hohem Niveau. Er verschlingt die Bücher von Maxim Gorki, doch auch der zählt nicht unbedingt zu jenen Literaten, die zum Schmunzeln verleiten.

Inspirationen in der Neuen Welt

Der Komponist Giacomo Puccini, seine Ehefrau Elvira und sein Sohn Antonio in ihrem Haus in Torre del Lago | Bildquelle: picture alliance/Leemage Bildquelle: picture alliance/Leemage Schließlich reist Giacomo Puccini nach New York, immer noch auf eine witzige Grundlage für ein Libretto hoffend. Er rennt nahezu jeden Abend ins Theater, doch fündig wird er nicht wirklich: "Auch hier gibt es nichts Passendes. Gute Ansätze, nichts Geschlossenes, alles ein Wirrwarr, teilweise schlechter Geschmack und alte Späße", muss er feststellen. Aber immerhin beeindruckt ihn ein Stück von David Belasco, das der als Bühnenshow inszeniert, mit einem Orchester aus 22 Wind- und Schneemaschinen. Und schließlich findet er in einem Schauspiel von Belasco seinen neuen Opernstoff. Doch zum Lachen ist die Handlung, die im Wilden Westen spielt, leider nicht wirklich. Eher wieder was Tragisches: "Girl of the Golden West" – "La fanciulla del West" – uraufgeführt in New York 1910 mit Emmy Destinn und Enrico Caruso in den Hauptrollen.

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Puccinis "La fanciulla del West" an der Bayerischen Staatsoper

Am Samstag, 16. März 2019, überträgt BR-KLASSIK ab 17:30 Uhr die Premiere von Puccinis Western-Oper in der Neuinszenierung von Andreas Dresen live aus der Bayerischen Staatsoper.

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