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Peter Tschaikowsky Symphonie Nr. 4

Tschaikowsky versucht in dem Werk, die Gefühle zu beschreiben, die ihn beim Komponieren bewegen. Diese Gefühle sind zwar nicht immer klar, glücklich war er aber nicht, als die 4. Symphonie entstanden ist. Uta Sailer stellt zusammen mit dem Chefdirigenten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks Mariss Jansons, die Symphonie Nr. 4 f-moll, op.36 vor.

Peter Tschaikowsky | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Das starke Stück

Tschaikowsky - Symphonie Nr. 4

"Die 4. Symphonie ist meinem Wesen entsprungen und mit echter Inspiration vom Beginn bis zum Ende geschrieben. Mit Liebe und glühender Begeisterung. Es ist darin kein Strich, der nicht meinen aufrichtigsten Gefühlen entstammt." Das hat Peter Tschaikowsky seiner Vertrauten Nadeshda von Meck geschrieben. Ihr ist die Symphonie auch gewidmet. Schicksalsklänge einer empfindsamen Seele. Klang gewordener Schmerz eines Menschen, der wegen seiner Homosexualität sein Leben lang mit Depressionen zu kämpfen hatte, mit der Gesellschaft haderte und mit dem eigenen Unglück: Peter Iljitsch Tschaikowsky. Im Mai 1877 begann er die Arbeit an seiner Vierten Symphonie.

Kurz vor der Entstehung der Vierten Symphonie hatte Tschaikowsky geheiratet, um nach außen den Anschein eines normalen Lebens zu geben. Doch diese Selbstverleugnung führte ihn in eine tiefe Krise, bis hin zum Selbstmordversuch. Die Vierte Symphonie als Reflex seiner düsteren Innenwelt zu deuten, ist kein beliebiger, musikwissenschaftlicher Deutungsversuch. Tschaikowsky selbst hatte auf Wunsch seiner Mäzenin und Vertrauten Nadeschda von Meck zu jedem der vier Sätze eine Erklärung abgegeben.

Unmissverständliche Aussagen

Für den zweiten Satz etwa: "Der zweite Satz drückt das schwermütige Gefühl aus, das mich am Abend überkommt, wenn ich müde von der Arbeit alleine da sitze ... vielerlei jagt durch den Sinn glückliche Augenblicke, aber auch solche der Niedergeschlagenheit. Es ist traurig und auch wieder süß, sich in der Vergangenheit zu verlieren!"

Das Wissen um die Hintergründe der Symphonie verändert das Hören und es gebiert allen Vorurteilen gegenüber Tschaikowskys scheinbarer Sentimentalität Einhalt. Seine melodische Erfindungskraft, seine Kunst farbenreicher Instrumentierung und sein Sinn für musikalische Leichtigkeit stehen immer im Dienst des Ausdrucks. Auch im beschwingt anmutenden dritten Scherzo-Satz, der von den Streichern fast vollständig im Pizzicato gespielt wird.

Mariss Jansons über Tschaikowskys Klang

"Tschaikowsky muss nicht sentimental klingen, nicht melancholisch, zu süß, man muss nicht zuviel genießen schöne Melodien; wenn man das übertreibt Musik verliert das echte Gefühl; diese seelische, dramatische Leidmoment; das ist glaube ich ein wichtiger Schlüssel für die Interpretation von Tschaikowsky." (Mariss Jansons)

Dann zeigt sich der vierte Satz mit seinem furios anmutenden Ende in neuem Licht. Ein Satz, in dem der Komponist die Freude anderer Menschen schildert und seinen Versuch, an ihrer Freude teil zu haben.

Musik-Info

Peter Tschaikowsky: Symphonie Nr. 4 f-Moll op. 36

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Leitung: Mariss Jansons
Label: Sony BMG

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