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Die Highlights im Opernjahr 2019 Es lebe die Couragiertheit!

Auch im Jahr 2019 gilt für die alte Dame namens Oper: Jedem Regisseur, jedem Dirigenten, jedem Sänger ermöglicht und eröffnet sie neue Antworten. Alles hängt vom Interpretierenden und seiner Fantasie ab. Zu Beginn des Jahres blättert unser Opernredakteur Volkmar Fischer in den Spielplänen der interessantesten Häuser.

Treppe in der Oper mit der Zahl 2019 | Bildquelle: unsplash / Montage BR/Nadja Pfeiffer

Bildquelle: unsplash / Montage BR/Nadja Pfeiffer

Highlights des Opernjahres 2019

Es lebe die Couragiertheit!

Aus Landshut stammt er: der Regisseur Tobias Kratzer. 2019 wird er so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie noch nie, debütiert er doch beim neuen "Tannhäuser" in Bayreuth – gemeinsam mit "Mr. Mariinsky", Valery Gergiev, im Nebenjob Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Der wiederum seine Bärenkondition noch unterstreicht durch eine im Handumdrehen folgende Neuproduktion von Verdis "Simon Boccanegra" bei den Salzburger Festspielen. Aber zurück zu Kratzer: In Sachen Wagner hat der 39-jährige schon eine vieldiskutierte Karlsruher "Götterdämmerung" vorzuweisen, und noch vor dem Grünen Hügel nimmt er die Oper Frankfurt in Angriff: für eine neue "Forza del destino" Giuseppe Verdis. Lauter erste Adressen in seinem Terminkalender – die Deutsche Oper Berlin ist ebenfalls dabei. Dort inszeniert Kratzer den selten gespielten Einakter "Der Zwerg" von Alexander Zemlinsky.

Barockoper boomt

Dass er sich nicht nur auf durchdachte Regiekonzepte versteht, sondern auch auf spannungsgeladene Personenführung, hat Tobias Kratzer auch schon an der Komischen Oper Berlin gezeigt: mit Rameaus "Zoroastre". Apropos Barock: Im Neuen Jahr setzt sich der ungebrochene Alte-Musik-Boom fort, wenngleich auf den Bühnen (anders als auf dem Tonträgermarkt) Vivaldi leider bei weitem nicht so präsent ist wie der Dauerbrenner Händel.

Kosky, Kupfer und Konwitschny

Opernregisseur Barrie Kosky | Bildquelle: picture-alliance/dpa Inszeniert Händel in München: Barrie Kosky | Bildquelle: picture-alliance/dpa Franco Fagioli lässt sich von seinem Countertenor-Kollegen Max Emanuel Cencic in Szene setzen, der die Regie übernimmt für "Serse" bei den Karlsruher Händel-Festspielen. Fagioli steht auch im Mittelpunkt der Münchner Festspielpremiere von "Agrippina", inszeniert von Barrie Kosky. Damit endet eine gefühlt riesige Händel-Verschnaufpause an der Bayerischen Staatsoper, die in den 1990er Jahren durch den Komponisten einen gewaltigen Vitaminstoß erhalten hatte. Getreu der Maxime "Neue Besen kehren gut, aber die alten kennen die Winkel besser!", setzt die Komische Oper augenzwinkernd auf den 83-jährigen Regisseur Harry Kupfer: bei einer Händel-Rarität mit dem Titel "Poros". Ebenfalls an eine alte Wirkungsstätte, nach Halle, findet Peter Konwitschny zurück – mit Publikumsliebling "Julius Cäsar". Claus Guth platziert einen Doppelschlag mit "Rodelinda" in Frankfurt und "Orlando" in Wien. Und an der Pariser Opéra durchleuchtet der stets querdenkende Kreativkopf Romeo Castellucci szenisch ein kaum bekanntes Oratorium von Alessandro Scarlatti: "Il primo omicidio".

Anna Netrebko debütiert in Bayreuth

Anna Netrebko ist den Verdi-Fans nach der "Troubadour"-Leonora noch die andere Leonora schuldig: Die russische Diva nimmt es in London erstmals mit der "Macht des Schicksals" auf – was prompt auch einen anderen Kassenmagneten auf den Plan ruft: Jonas Kaufmann. Bei den Bayreuther Festspielen soll die Starsopranistin nach einiger Verzögerung nun doch noch debütieren: als Elsa in der "Lohengrin"-Produktion von letztem Sommer. Allerdings singt sie nur zwei Vorstellungen, in den anderen gibt Krassimira Stoyanova die Elsa.

Highlights an den Staatstheatern Nürnberg und Augsburg

Dirigentin Joana Mallwitz | Bildquelle: © Nikolaj Lund Nimmt sich in Nürnberg den "Lohengrin" vor: Joana Mallwitz | Bildquelle: © Nikolaj Lund Wer in der Frankenmetropole Nürnberg wohnt, kann die neue Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz auf ihre Affinität zu Wagner prüfen, denn "Lohengrin" nimmt auch die junge Dirigentin ins Visier. Das Bühnengeschehen inszeniert David Hermann. Der Regie führende Nürnberger Intendant Jens-Daniel Herzog greift zur momentan populärsten, weil inhaltlich ewig jungen Mozart-Oper: "Così fan tutte". An Ostern wird Herzog fremdgehen: Er lässt Wagners "Meistersinger" aufziehen. Genau, die bekannten Nürnberger Handwerker, aber eben nicht an der Pegnitz, sondern an der Salzach. Musikalisch wird diese Inszenierung ein Heimspiel für Christian Thielemann bei den Salzburger Osterfestspielen. Eine andere Mozartstadt, nämlich Augsburg, bittet Operngänger weiterhin in das Ausweichquartier des Theaters, den "martini-Park": Kredenzt wird ein Cocktail aus Konventionellem wie Donizettis "Pasquale" und Innovativem wie der europäischen Erstaufführung eines Musiktheaterstücks über John F. Kennedy. Es lebe die Couragiertheit der Intendanten, beherzt auf die vielfältigen Angebote der Opernkomponisten einzugehen und damit die Batterien des alltagsgeplagten Zeitgenossen kreativ wieder aufzuladen!

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