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Salzburger Festspiele

20. Juli bis 30. August 2018

Salzburger Festspiele 2018 "Pique Dame" mit Mariss Jansons

Um Leidenschaft im doppelten Sinn geht es in Peter Tschaikowsys „Pique Dame“: die Liebe zu einer Frau und die letztlich fatale Leidenschaft zum Glücksspiel. Am Sonntag hatte die Oper Premiere in Salzburg – in einer Inszenierung von Hans Neuenfels und mit Mariss Jansons am Pult der Wiener Philharmoniker.

Szenenfoto "Pique Dame" 2018 - Tschaikowsky Oper - Salzburger Festspiele | Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Ruth Walz

Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Ruth Walz

 "Ich war einmal in Baden-Baden und habe 100 – damals noch – D-Mark gesetzt, sofort verloren und dann hab ich‘s gelassen. Es hat mich nicht interessiert." Ein Spieler sei er nicht, gesteht Regisseur Hans Neuenfels – und ist sich darin ganz einig mit Mariss Jansons, der dasselbe von sich behaupten kann. Und das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit, die Regisseur und Dirigent teilen: Einig sind sie sich auch in ihrer großen gegenseitigen Wertschätzung. Mit einem so wunderbaren Regisseur wie Neuenfels zusammenzuarbeiten – und das dann noch unter so erstklassigen Konditionen wie in Salzburg mit den Wiener Philharmonikern und wunderbaren Sängern – das sei ein Gefühl, als wäre man im Paradies, so Dirigent Mariss Jansons.

Mit einem so wunderbaren Regisseur zu arbeiten – das ist wie im Paradies.
Dirigent Mariss Jansons

Verrücktheit und zerstörerische Spielsucht

Arbeiten im Paradies gepaart mit Unempfindlichkeit gegen die Verlockungen des Glücksspiels – das sind wahrscheinlich nicht die schlechteste Voraussetzungen, um sich jenem Stoff zu nähern, den Tschaikowsky in seiner "Pique Dame" verarbeitet hat. In dieser Oper herrschen nämlich so gar nicht paradiesische Zustände. Stattdessen erwarten den Zuschauer: eine unmögliche Liebe, zerstörerische Spielsucht, Verrücktheit und am Ende: der Tod ausnahmslos aller Hauptfiguren.

Zwischen Edelcasino und Gruselschloss

Tschaikowsky schrieb die "Pique Dame" in einem Zustand tiefer Depression. Und fernab der Heimat: Nämlich in Florenz – geflüchtet vor der eigenen Ehefrau, die ihn wegen seiner Homosexualität erpresste. Ein gesellschaftlicher Außenseiter, der sich gut identifizieren kann mit der Hauptfigur jener Novelle von Alexander Puschkin, die als Grundlage des Librettos diente: Hermann, in seiner fiebrigen Leidenschaft gewissermaßen auch ein Liebender jenseits der Norm. Ein Außenseiter, den Neuenfels sinnfällig ins knallrote Pagenkostüm steckt, während auf der Bühne um ihn herum schwarz-weiß-graue Düsternis herrscht: ein Bühnenraum, der mit seinen vertäfelten, metallisch glänzenden Wänden wie eine Mischung aus Edelcasino und Gruselschloss aussieht.

Die Inszenierung in Bildern

Für Regisseur Neuenfels ist die Rolle des Hermann eine sehr moderne Figur, fast ein Rebell. "Wichtig finde ich vor allen Dingen, dass es ein Mensch ist, der mit der Normalität nicht zu Rande kommt. Aber es tut mir auch leid, dass diese enorme Potenz an Energie und Gefühl in eine falsche Richtung läuft – das ist das Problem." Das Problem ist das Glücksspiel, dem Herrmann noch mehr verfällt als seiner Herzensdame Lisa. Seine Gier zu gewinnen, die seine Leidenschaft in Verrücktheit kippen lässt – und erst zu ihrem, dann zu seinem unausweichlichen Ende führt: Selbstmord in zwei Fällen. 

Den Emotionen freien Lauf lassen

Für Dirigent Mariss Jansons ist diese Oper ein sehr dramatisches Werk, wo man seinen Emotionen absolut freien Lauf lassen müsse. In "Pique Dame" gäbe es absolut fantastische Themen und besonders das Liebesthema im zweiten Teil sei für ihn das schönste Thema, das Tschaikowsky überhaupt geschrieben hat.

Wir wissen alle, dass Tschaikowsky einer der besten Melodisten in der ganzen Musikgeschichte war.
Dirigent Mariss Jansons

Auch wenn also in Pique Dame letztlich alles den Bach hinuntergeht, begleitet von den Melodien Tschaikowskys dürfte aus dieser Salzburger Produktion eine – wenn auch nicht eine unbeschwert heitere – dennoch schmerzlich-süße musikalische Flussfahrt werden.

Infos zur Oper

Premiere am 5. August 2018 im Großen Festspielhaus Salzburg

Inszenierung: Hans Neuenfels
Musikalische Leitung: Mariss Jansons

Brandon Jovanovich: Hermann
Vladislav Sulimsky: Graf Tomski / Plutus
Igor Golovatenko: Fürst Jelezki
Evgenia Muraveva, Lisa
Oksana Volkova: Polina / Daphnis
Hanna Schwarz: Gräfin
Alexander Kravets: Tschekalinski

Wiener Philharmoniker
Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor

Weitere Informationen auf der Homepage der Salzburger Festspiele

Sendung: "Piazza" am 04. August 2018 ab 08:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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