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Salzburger Festspiele

21. Juli bis 30. August 2017

"Thaïs" bei den Salzburger Festspielen Opernabend mit Plácido Domingo

Liebe, Lust und Leidenschaft - die Kurtisane Thaïs führt ein lasterhaftes Leben. Der Mönch Athanaël will sie dazu bringen, sich zu bekehren - mit Erfolg. Doch als Thaïs ins Kloster geht, nimmt die Sache für Athanaël eine plötzliche Wende. Jules Massenets Oper "Thaïs" feierte Premiere bei den Salzburger Festspielen.

Plácido Domingo | Bildquelle: Dario Acosta

Bildquelle: Dario Acosta

"Méditation" - so der Titel eines Geigenstücks von Jules Massenet, das sich seit langer Zeit in Wunschkonzerten der Klassikszene als Evergreen tummelt! Kaum jemand kennt jedoch die Oper, aus der die Musik stammt: "Thaïs"! Ganz ähnlich wie die rund 40 Jahre ältere Oper "La Traviata" von Giuseppe Verdi hält dieses Werk des Jahres 1894 die Geschichte einer Kurtisane bereit.

Am Pult: Massenet-Experte Patrick Fournillier

Historische Vorbilder der Figur finden sich im ägyptischen und griechischen Kulturraum. Bei den Salzburger Festspielen wird "Thaïs" konzertant aufgeführt: Nicht-szenische Opernabende haben inzwischen Tradition in der Mozartstadt. Immer wieder ist das Münchner Rundfunkorchester beteiligt, und diesmal dirigiert der Massenet-Experte Patrick Fournillier. Er hat die Oper "Thaïs" schon sehr oft dirigiert.

Diese fantastische Geschichte können wir einzig von der Musik her wirklich verstehen.
Patrick Fournillier, Dirigent

Marina Rebeka | Bildquelle: Janis Deinats Marina Rebeka springt in Salzburg für Sonya Yoncheva als "Thaïs" ein. | Bildquelle: Janis Deinats In Salzburg dirigiert Patrick Fournillier die Oper "Thaïs" zum ersten Mal konzertant. Darin sieht Fournillier bei diesem Werk jedoch keinen Mangel: "Das Drama ist so geschlossen und die wundervolle Musik so verknüpft mit der Handlung, dass wir uns das Ganze auch gut ohne Bühnengeschehen, Kostüme, Licht und die ganze Aufführung vorstellen können." Text und Musik bilden für Fourniliier eine geschlossene Einheit. Massenet betrachtet er als Meister der Orchestrierung.

"Thaïs" mit Plácido Domingo und Marina Rebeka

Nach einer kurzfristigen Umbesetzung der Titelpartie dürfen sich Gesangsfans auf eine Wiederbegegnung mit der lettischen Sopranistin Marina Rebeka freuen. Ihr Partner ist der schon seit Ende der 1960-er Jahre umjubelte Plácido Domingo. Und wie nicht anders zu erwarten, ist der einstige Tenor mal wieder "tiefer gelegt" in einer Baritonpartie unterwegs.

Ich liebe Plácido Domingo wegen seines Charismas und seiner Kraft, mit der er die Emotionen an das Publikum weitergibt.
Patrick Fournillier

Konzertante Opern in Salzburg

Es ist nicht das erste Mal, dass es bei den diesjährigen Salzburger Festspielen eine konzertante Opernaufführung mit dem Münchner Rundfunkorchester gibt: Giacomo Puccinis "Manon Lescaut" mit Anna Netrebko ist schon vorausgegangen, über drei Abende hinweg. Interessant ist zudem, dass momentan neben "Thaïs" noch eine andere französische Oper im Großen Festspielhaus gezeigt wird: Auch kam es zur Salzburger Erstaufführung von Charles Gounods "Faust" in einer szenischen Neuproduktion, Piotr Beczala sang die Titelrolle.

Entstehung von "Thaïs"

Die Oper "Thaïs" hat Massenet auf ein Libretto von Louis Gallet komponiert, nach dem gleichnamigen Roman von Anatole France. Rund zweieinhalb Stunden Musik sind dabei herausgekommen, am 16. März 1894 wurde das Werk an der Pariser Opéra aus der Taufe gehoben. Die Uraufführung verlief entmutigend, die Presse war miserabel, vor allem wegen des Sujets, das als unmoralisch empfunden wurde. Doch in der Folgezeit entwickelte sich "Thaïs" zu einem regelrechten Zugstück: 1931 erlebte sie in Paris ihre 500. Aufführung!

Méditation - Ohrwurm und Schlüsselszene

Jules Massenet | Bildquelle: picture-alliance/dpa Jules Massenet (1842-1912) schrieb für seine Oper "Thaïs" die berühmte Méditation für Solo-Violine und Orchester. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Ähnlich wie "Tannhäuser", "Parsifal" oder später auch "Salome" lebt "Thaïs" vom Konflikt zwischen Sinnlichkeit und Askese, zwischen Eros und Religiosität. Der sinnenfrohen Welt der Spätantike wird die spirituelle Bewegung des Frühchristentums gegenüber gestellt - personifiziert durch die Venuspriesterin und Kurtisane Thaïs einerseits, durch den Mönch Athanaël andererseits. Das Ungewöhnliche dieser Konstellation zeigt sich erst im Handlungsverlauf: Thaïs und Athanaël verändern sich unter dem gegenseitigen Einfluss, machen dabei eine gegenläufige Entwicklung durch. Am Ende sind sie genauso weit voneinander entfernt wie am Anfang. Während sich Athanaël immer leidenschaftlicher zur Kurtisane hingezogen fühlt, was ihn mit seinen Gelübden in Konflikt bringt und nicht mehr zur Ruhe kommen lässt, entsagt Thaïs allem irdischen Verlangen und führt als Nonne ein gottgefälliges Leben. Wie sich ihre Wandlung vollzieht, spiegelt musikalisch ein orchestrales Intermezzo: die zu Beginn erwähnte "Méditation". Patrick Fournillier bezeichnet sie als "eine der wunderbarsten Melodien der Musikgeschichte". Und er möchte sie dem Publikum in der ursprünglichen Form bieten: "Der Chor hat dabei die Lippen geschlossen", so Fournillier. "Und das schafft, wie ich hoffe, eine wunderbare Atmosphäre."

Premiere von "Thaïs" live auf BR-KLASSIK

Dienstag, 16. August 2016, 21.00 Uhr
Großes Festspielhaus, Salzburg

Jules Massenet: "Thaïs"
Comédie lyrique in drei Akten
In französischer Sprache

Thaïs - Marina Rebeka
Athanaël - Plácido Domingo
Nicias - Benjamin Bernheim
Philharmonia Chor Wien
Münchner Rundfunkorchester
Leitung: Patrick Fournillier

Im Anschluss an die Übertragung kann das Konzert on demand auf BR-KLASSIK nachgehört werden.

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