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Regisseur Kirill Serebrennikow Neue Vorwürfe wegen Unterschlagung

Anfang Juli wurde die Uraufführung von Kirill Serebrennikows Ballett über den legendären Tänzer Rudolf Nurejew im Moskauer Bolschoi-Theater kurz vor der Premiere abgesagt. Nun steht der Regisseur abermals in den Schlagzeilen: wegen angeblicher Veruntreuung staatlicher Gelder. Auch seine geplante Inszenierung von "Hänsel und Gretel" in Stuttgart könnte nun platzen.

Der russische Kultregisseur Kirill Serebrennikow | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Bereits im Mai dieses Jahres durchsuchten Ermittler das Gogol-Theater, dem Kirill Serebrennikow als Künstlerischer Leiter vorsteht, sowie die Wohnung des Regisseurs. Die Behörden gingen dem Verdacht nach, die von Serebrennikow gegründete Firma "Studio 7" habe zwischen 2010 und 2014 staatliche Gelder in Höhe von 200 Millionen Rubel - knapp drei Millionen Euro - zweckentfremdet. Der Vorwurf: Die Inszenierung von Shakespeares "Sommernachtstraum", für die Serebrennikow öffentliche Fördergelder genutzt hatte, sei nie auf die Bühne gekommen. Der umstrittene Regisseur Serebrennikow beteuert hingegen, die Inszenierung sei 15 Mal in Moskau gespielt und dann als Gastspiel in Paris und Riga gezeigt worden.

Aus für "Hänsel und Gretel"?

Am 9. August präsentierten die Ermittler in Moskau bei der Verhandlung über eine Haftbeschwerde des ehemaligen Generaldirektors von Serebrennikows Firma nun wohl neue Vorwürfe: Ex-Chefbuchhalterin Nina Masljajewa habe angegeben, "Studio 7" sei einzig aus dem Grund ins Leben gerufen worden, um Gelder zu veruntreuen. Serebrennikow gelte nach wie vor nur als Zeuge. Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" hat der international renommierte Theatermacher aber angegeben, dass er seinen Pass habe abgeben müssen und somit nicht reisen könne. Geplant war, dass Serebrennikow für die Oper Stuttgart im September Humperdincks "Hänsel und Gretel" auf die Bühne bringt.

Abgesetzte Weltpremiere

Serebrennikow steht nun schon seit längerem in den Schlagzeilen. Bereits am 11. Juli hätte die Premiere seines Werk über den Tänzer Rudolf Nurejew am Bolschoi-Theater stattfinden sollen. Trotz einer erfolgreichen Generalprobe verkündete Generaldirektor Wladimir Urin kurzfristig die Absage der Premiere, da das Stück noch nicht fertig gewesen sei. Viele sahen darin eine fadenscheinige Begründung und vermuteten, dass wohl in der angeblichen "Homosexuellen-Propaganda" der wahre Grund für die Absetzung liegt. Im Ballett über Nurejew, der nach einem ausschweifenden und exzentrischen Leben mit nur 54 Jahren an Aids starb, sollte auch Seiten seines Lebens zeigen, die in Russland als anstößig gelten: seine Emigration in den Westen und seine Homosexualität.

Schon vor einigen Jahren geriet Regisseur Serebrennikow mit den Behörden in Konflikt: Als er einen Film über Peter Tschaikowsky plante, verlor er die staatliche Filmförderung, weil er die Homosexualität des Komponisten thematisieren wollte.

Sendung: Leporello am 9. August 2017, 16.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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