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Kritik – "Defekt" bei der Münchener Biennale Nicht lustig

Nach rund zwei Wochen geht die Münchener Biennale am Sonntag zuende. Die letzte Musiktheaterpremiere versprach viel. Letztlich war "Defekt" jedoch eine Enttäuschung.

Szenenbild "Defekt" von Mithatcan Öcal bei der Münchener Biennale | Bildquelle: © Judith Buss

Bildquelle: © Judith Buss

Gibt es etwas Schlimmeres als den Weltuntergang? Vielleicht schon. Zum Beispiel in einem Raumschiff zu sitzen, mit dem man der Apokalypse theoretisch entkommen kann, das aber praktisch einen technischen Defekt hat und nicht vom Fleck kommt. Das wäre doppelt ärgerlich. In dieser misslichen Lage befindet sich die Crew in dem Musiktheater mit dem Titel "Defekt".

Ein Stück mit vielen witzigen Ideen ...

Die Crew ist vor allem damit beschäftigt, sich gegenseitig verantwortlich zu machen für das Malheur. Und natürlich probiert man auch allerhand aus, um das Vehikel doch noch in Gang zu setzen, bis hin zum natürlich erfolglosen Anruf bei der technischen Hotline des Raumschiff-Herstellers - es hebt niemand mehr ab.

Die Weltraumgroteske in wer weiß wie naher Zukunft, die sich die Künstlerin Cylix ausgedacht hat, besitzt fraglos Witz und Charme. Und auch die Regie von Roscha A. Säidow mit dem Bühnenbild und den Kostümen von Paula Wellmann unterstützt den Text mit allerhand absurden Aktionen und Ideen.

... aber die Musik überzeugt nicht

Warum die Weltraumoper dennoch nicht wirklich vom Fleck kommt, liegt an der Musik. Der türkische Komponist Mithatcan Öcal hat eine Musik ersonnen, die ungefähr 100 Jahre zu spät kommt. Sie klingt nach Strawinsky und Richard Strauss und manchmal sogar nach Wagner - man traut seinen Ohren nicht. So wird der Witz des Textes immer wieder von einer spätromantischen Klangsoße schlichtweg erstickt. Kaum jemand lacht oder schmunzelt im Publikum. Witzig gemeint sind vermutlich die vielen Walzer, die aber letztlich auch deplatziert wirken.

Mitschnitt

Einen Mitschnitt von der Premiere der Oper "Defekt" hören Sie am 2. Juli ab 20:05 Uhr auf BR-KLASSIK.

Die ariosen Gesangsparts werden von den vier Sängerinnen und Sängern zwar ganz hervorragend interpretiert. Und auch das von Mario Hartmuth dirigierte Staatsorchester Kassel agiert ohne Fehl und Tadel. Ändern kann das aber dennoch nichts an dem Eindruck eines musikalischen Anachronismus', der eben so gar nicht komisch wirkt, weil er auch nicht komisch gemeint ist. Hier finden Text und Musik einfach nicht zueinander - was sehr schade ist. Es hätte mehr aus dieser Weltuntergangsgroteske werden können.

Sendung: "Allegro" am 10. Juni ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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