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30 Jahre Oberstdorfer Musiksommer Meisterkurse mit Bergblick

Internationaler Künstlertreff und traumhafte Kulisse: Der Oberstdorfer Musiksommer hat längst einen festen Platz im Allgäuer Kulturprogramm. Warum das Klassikfestival vor allem für Nachwuchsmusiker so attraktiv ist.

Musikerinnen und Musiker in der Natur | Bildquelle: Oberstdorfer Musiksommer

Bildquelle: Oberstdorfer Musiksommer

Wo sonst die Schülerinnen und Schüler des Gertrud-von–le-Fort-Gymnasiums durch die Gänge toben, erklingt im August Musik aus allen Fluren. 90 Nachwuchsmusikerinnen und -musiker aus 15 Nationen sind zum Musiksommer nach Oberstdorf gekommen. Einige von ihnen gehen noch zur Schule, andere studieren bereits. Alle nehmen an den begehrten Meisterkursen in den Fächern Klavier, Violine, Viola, Violoncello, Flöte, Klarinette, Harfe und Gesang teil.

Meisterkurse sind das Herzstück des Oberstdorfer Musiksommers

Der Geiger Johann Stölzer beim Meisterkurs mit Maria-Elisabeth Lott | Bildquelle: Oberstdorfer Musiksommer Die Professorin Maria-Elisabeth Lott unterrichtet den Violinstudenten Johann Stölzer beim Oberstdorfer Musiksommer. | Bildquelle: Oberstdorfer Musiksommer Johann Stötzer ist einer von ihnen. Der 21-Jährige spielt Geige und ist extra aus Lübeck angereist, um mit einer der besten deutschen Geigerinnen zu arbeiten: Maria-Elisabeth Lott. Für den Meisterkurs bei der Professorin der Hochschule Detmold hat Johann Stötzer die Frühlingssonate von Beethoven vorbereitet. Stück für Stück gehen beide das Werk durch. Zum besseren Verständnis greift die Profi-Musikerin immer wieder selbst zur Geige und macht deutlich, wie zum Beispiel ein subito piano gespielt werden kann. "Soll das Vibrato haben? Nein? Dann braucht es mehr Bogen", erklärt sie Johann Stötzer, der die Stelle beim nächsten Durchgang sofort anders spielt. Maria-Elisabeth Lott nickt anerkennend.

Für Eckhard Fischer, Leiter des Oberstdorfer Musiksommers, sind die Meisterkurse das Herzstück des Klassikfestivals. "Wir strahlen hier international aus", sagt er. Unter anderem bis nach Australien: Aus Melbourne kommt der am weitesten angereiste Nachwuchsmusiker. Der jüngste ist gerade mal 13 Jahre alt.

30 Jahre Musiksommer im Allgäu: Mit der Bergbahn zum Konzert

Konzert mit Bergblick beim Oberstdorfer Musiksommer | Bildquelle: Oberstdorfer Musiksommer Konzert mit Bergkulisse: Der Oberstdorfer Musiksommer verbindet Musik und Natur. | Bildquelle: Oberstdorfer Musiksommer Auch die 18 Konzerte, die im Rahmen des Musiksommer stattfinden, haben internationales Niveau – und ein besonderes Flair. Zwei der Konzerte finden in diesem Jahr hoch oben in den Bergen statt: auf den Gipfeln von Fellhorn und Kanzelwand. Es sei jedes Mal ein echtes Highlight, sagt Sandra Ricken, Leiterin des Festivalbüros. "Da werden die Konzertbesucher mit der Bergbahn auf den Berg gefahren und haben da ein absolut unvergleichliches Erlebnis – egal, ob schönes Wetter oder schlechtes Wetter ist."

Das Klassikfestival in Oberstdorf wurde vor 30 Jahren von dem renommierten Cellisten Peter Buck und seiner Kollegin Ulrike Loesch beim Wandern ins Leben gerufen. Ihre Idee: Musik und Naturerlebnis verbinden. Heute ist der Oberstdorfer Musiksommer fester Bestandteil des Allgäuer Kulturprogramms und läuft noch bis zum 13. August 2023.

Der Oberstdorfer Musiksommer auf BR-KLASSIK

"Festspielzeit" am 11. August 2023 ab 18:05 Uhr: Konzert mit Lewin Kneisel und Daniel Streicher, Mitschnitt vom 31. Juli 2023

"Festspielzeit" am 17. August 2023 ab 18:05 Uhr: Konzert mit Martin Helmchen, Antje Weithaas und Marie-Elisabeth Hecker, Mitschnitt vom 8. August 2023

"Festspielzeit" am 25. August 2023 ab 18:05 Uhr: Konzert mit Lionel Martin und Demian Martin, Mitschnitt vom 11. August 2023

Intensiver Unterricht und Entspannung in der Natur

Teilnehmende der Meisterkurse beim Oberstdorfer Musiksommer | Bildquelle: Oberstdorfer Musiksommer 90 Nachwuchsmusikerinnen und -musiker aus 15 Nationen treffen sich für die Meisterkurse beim Oberstdorfer Musiksommer. | Bildquelle: Oberstdorfer Musiksommer Der 45-minütige Unterricht bei Maria-Elisabeth Lott geht schnell vorbei. Für Johann Stötzer ist der Meisterkurs ein erster Realitätscheck für die neu einstudierte Sonate: "Ich weiß jetzt, dass es nicht reicht, einfach nur eine Idee zu haben, sondern die so zum Ende zu bringen, dass es wirklich überzeugend ist", so sein Fazit.

Was kaum bekannt ist: Die Meisterkurse im Oberstdorfer Gymnasium sind öffentlich und können kostenfrei besucht werden. Zwei ältere Damen nutzen diese Möglichkeit und wandern von Unterrichtsraum zu Unterrichtsraum. Sie sind faszinierend, wie schnell die jungen Musikerinnen und Musiker die Anregungen der Professoren und Professorinnen umsetzen.

Insgesamt vier Mal wird Johann Stötzer mit Maria-Elisabeth Lott arbeiten und zusätzlich etwa sechs Stunden pro Tag üben. Zeit, die Umgebung von Oberstdorf zu genießen, bleibt ihm trotzdem. Einen Ausflug hinauf zum Freibergsee hat der 21-Jährige schon gemacht und die Stille genossen: "Ich habe dann innerlich weiter geübt und versucht, Dinge auswendig zu lernen. Das alles war getragen von der Atmosphäre im Wald." Damit hat der junge Geiger genau das erlebt, was die Intention der Gründer des Musiksommers war. Denn die Verbindung von Musik und Natur macht das Klassik-Festival in Oberstdorf zu etwas Einzigartigem.

Sendung: "Leporello" am 7. August 2023 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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