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Jazzalbum des Monats Olivier Le Goas "Sunland"

Der französische Schlagzeuger und Komponist Olivier Le Goas ist seit 35 Jahren aktiv in der internationalen Jazzszene. In seinen Bands spielten schon Größen wie Kenny Wheeler, John Abercrombie, John Escreet und Kevin Hays. Auf seinem neuen Album setzt er mit einem neuen, virtuosen Klaviertrio seine avancierten Rhythmuskonzepte mitreißend um.

Olivier Le Goas "Sunland" | Bildquelle: Challenge Records

Bildquelle: Challenge Records

Der CD-Tipp zum Anhören

Schon vom ersten Ton des ersten Stücks an klingt die Musik wie ein Weckruf: voller Elan und Energie, leuchtend und flirrend. Sie erinnert in der Machart an Minimal Music. Im nächsten Moment setzt eine hübsche Melodie ein. Ansprechend, eingängig und dabei eingebettet in einen sehr komplexen Kontext. Es ist ein rhythmisches Gewebe, das nach einem geradeaus pulsierenden "Vorwärts" klingt. Es basiert aber auf einem 15/16tel-Takt mit leichter Unschärfe.

Umwerfende Finesse

So etwas analysiert man nicht unbedingt gleich auf Anhieb. Aber Olivier Le Goas meint es gut mit seinem Publikum und gewährt im Booklet-Text seiner neuen CD "Sunland" Einblicke in seine Vorgehensweise beim Komponieren. Das tut der französische Schlagzeuger übrigens am Piano. Aber fürs Spielen dieses Instruments hat er sich den estnischen Pianisten Kristjan Randalu ins Studio geholt. Mit ihm und dem jungen Schweizer Bassisten Lukas Traxel hat Olivier Le Goas sein neuntes Album als Bandleader aufgenommen. Zu einigen der zwölf Stücke darauf ließ er sich von klassischen Kompositionen inspirieren – von Antonio Vivaldis Konzert für zwei Violinen in a-moll zum Beispiel. Daraus wird eine Art "Vivaldi abstrakt" und eine Startrampe für Musik, die unwahrscheinlich pusht mit der umwerfenden Finesse ihrer Konstruktion.

Poesie und rhythmische Vexierspiele

Deren praktische Umsetzung schaffen wirklich nur hochgradige Virtuosen wie etwa Kristjan Randalu, der auf seinen eigenen Alben nicht selten einen zeitgenössischen Jazz spielt, der an klassische Musik anknüpft. Er ist genau der Richtige als kongeniales Gegenüber von Schlagzeuger und Komponist Olivier Le Goas mit seiner über den Dingen stehenden Präzision und dem Gefühl, das er in alle seine Töne zu legen vermag. Denn auch das poetische Moment ist gefragt auf dem Album "Sunland", obwohl das besondere Faszinosum der Einspielung sicher in den metrischen Vexierspielen liegt, die Olivier Le Goas in seinen Kompositionen aufgesetzt hat und mit seinem hochenergetischen Spiel befüllt. Er klingt dabei wie aus der Traditionslinie des 1997 verstorbenen Jahrhundert-Drummers Tony Williams kommend, der mit Miles Davis und seiner eigenen Band "Lifetime" Jazzgeschichte geschrieben hat. Wie er stellt auch Olivier Le Goas sein raumgreifendes Spiel in den Dienst einer tiefgreifenden Durchdringung aller musikalischen Ebenen. Wirklich spannend ist das und höchst geeignet zum Hören mit gespitzten Ohren.       

INFOS ZUR CD

Olivier Le Goas: "Sunland"
Kristjan Randalu (Piano)
Lukas Traxel (Bass)
Olivier Le Goas (Schlagzeug)

Label: Challenge Records
VÖ: 22. März 2024

Sendung: "Leporello" am 20. März 2023 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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