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"Rheingold" im Leinwandformat Ins Kino mit Kosky

Am Royal Opera House in London hatte unlängst Barrie Koskys von der Kritik als "kühn" gefeierte Inszenierung von Wagners "Rheingold" Premiere. Jetzt kommt sie ins Kino. Weltweit 800 Kinos übertragen die Wagneroper am 20. September live – auch in Bayern!

Royal Opera House | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER | Günter Gräfenhain

Bildquelle: picture alliance / imageBROKER | Günter Gräfenhain

Erda, die Göttin der Erde, sieht von Anfang an nicht gut aus. Eine alte Frau, ausgemergelt, nackt, zerknittert. Sie schleicht während der gesamten Inszenierung mahnend über die Bühne. Und wird weiter ausgesaugt. Lustiger wird es, als die drei Rheintöchter kokett ihre Köpfe aus Astlöchern eines riesigen Baumstamms stecken. Der Baumstamm, die Welt-Esche, die Göttervater Wotan einst zu Fall brachte, dominiert die Bühne. Wenn die drei Nixen dann den Zwerg Alberich, der sie lüstern begafft, verspotten, ihn ausziehen und in ein Netzkleid stecken, hängt auch schon mal kurz ein männliches Gemächt heraus.

Ich war plötzlich besessen vom Rheingold!
Barry Kosky über seine Erstbegegnung mit der Oper

Regisseur Barrie Kosky schätzt die augenzwinkernde Inszenierung. Er erklärte im Vorfeld der Premiere in London, dass er diesen Moment, in dem die Rheintöchter Alberich gegenüber dann ausplaudern, dass sie einen Schatz, das Rheingold hüten, für eine der dümmsten Wendungen in der Operngeschichte hält. Und danach bricht der erbitterte Kampf um das Rheingold aus. Das Rheingold, das – auch aus der Erde gewonnen – Energie und Macht bedeutet.

"Rheingold" im Kino

Gibt es ein Kino in Ihrer Nähe, das die Oper überträgt? Finden Sie es hier raus!

Der Intendant der Komischen Oper Berlin hat sein Haus auf das Thema "Diversity" eingeschworen | Bildquelle: © Doris Spiekermann-Klaas TSP Regisseur Barrie Kosky | Bildquelle: © Doris Spiekermann-Klaas TSP Regisseur Kosky, in Australien aufgewachsen, war als Teenager in Melbourne zum ersten Mal im "Rheingold" sah. Danach sei alles anders gewesen. "Ich war plötzlich besessen vom Rheingold!"

Bis er es erstmals selbst inszeniert hat, hat es dann eine Weile gedauert. Vor über zehn Jahren inszenierte Kosky den kompletten vier-teiligen Ring-Zyklus, inklusive "Rheingold", in Hannover. Rückblickend beschreibt er seine Arbeit dort als totalen Reinfall. Als dann aber das Royal Opera House in London fragte, ob er dort den gesamten "Ring" über den Zeitraum von vier Jahren inszenieren wolle, sagte Kosky doch zu. Zum Glück! Frisch, zeitgemäß und nicht überfrachtet komme die Produktion rüber, schrieben die Londoner Zeitungen nach der Premiere.

Kosky wird den ganzen "Ring" inszenieren

Passend für ein Stück über Macht, Gier und Einfluss werden Göttervater Wotan und seine Sippe als Aristokraten-Clique im Tweed-Dress mit Reitstiefeln und Poloschlägern gezeigt. Der Poloschläger wird später sogar zum Mordwerkzeug. Die beiden Riesen Fasolt und Fafner, die für Wotan Walhalla gebaut haben und als Preis dessen Schwägerin Freia fordern, kommen als tätowierte Gangsterbosse mit Goldkettchen, Sonnenbrillen und Knarren im Hosenbund daher. Wotans Bruder Loge, ist ein verschmitzter Typ, der viel lacht, und die Platte mit den Partyhäppchen leerfuttert.

Für die Inszenierungen der anderen drei Teile, der Walküre, Siegfried und Götterdämmerung in den kommenden drei Jahren verspricht Barrie Kosky noch Steigerungen. Wenn man mit Wagners Ring Erfolg haben möchte, lege man nie im ersten Teil schon alle Karten auf den Tisch!

Sendung: "Allegro" am 20. September ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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