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Sonntag, 18.02.2018

12:05 bis 13:00 Uhr

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Adriano Maria Fazio - Invisible: Cellokonzerte | Bildquelle: Brilliant

Bildquelle: Brilliant

Aus dem Studio Franken: Tafel-Confect

Am Mikrofon: Sven Knappe

Musik vom Mittelalter bis Mozart, frisch zubereitet und mundgerecht serviert. Dazu Kostproben aus der CD der Woche. Und für die Wissenshungrigen ein Stichwort aus dem Alte-Musik-Lexikon. Das Tafel-Confect ist der Treffpunkt der Originalklang-Szene – übrigens schon seit 1952.

Stravaganza - Extravaganz
Spleen, Verdrehtheit, Überspanntheit - dies alles steckt in dem klangvollen italienischen Wort „Stravaganza“. Während die deutsche Übersetzung eher wie Wissenschaftssprache für Nervenärzte anmutet, hält man die italienische „Stravaganza“ allein schon wegen der Sprachmelodie für eine Eigenschaft, mit der sich jeder Weltmann gerne schmückt. Eine Prise Extravaganz hebt den Dichter vom Autor ab, den Klangkünstler vom Tonsetzer und den Staatsmann oder die Staatsfrau vom Politiker. Besonders in einer Epoche, die man später nicht ohne Grund als „barock“ (schief, merkwürdig) umschrieben hat, galt Extravaganz als Tugend. Antonio Vivaldi widmete einen ganzen Zyklus von zwölf Konzerten der Extravaganz, Giovanni Maria Trabaci arbeitete mit „Consonanze Stravaganti“ (extravaganten Zusammenklängen) und Händels Emilia seufzt über ihren „Amante stravagante“, ihren sonderbaren Geliebten.
Im Barock entstand schließlich auch eine Gattung, die geradezu für Extravaganzen gemacht ist: die Oper. Wo sonst wirft sich das Publikum überspannten Diven zu Füßen? Und wo sonst sorgen die Verrücktheiten der Protagonisten für solch eine knisternde Spannung, wie etwa in Domenico Cimarosas Oper „Le stravaganze del conte“?

Antonio Vivaldi: Violinkonzert D-Dur, RV 204 (op. 4 Nr. 11), aus: La Stravaganza, op. 4 (Federico Guglielmo, Barockvioline; L'Arte dell'Arco)
Best.nr./Label: 95043 / Brilliant Classics
Giovanni Maria Trabaci: "Consonanze stravaganti" (l'Amoroso: Guido Balestracci)
Best.nr./Label: SY 98161 / Symphonia
Georg Friedrich Händel: "Flavio, Re de' Langobardi", Arie der Emilia aus dem 1. Akt (Simone Kermes, Sopran; Lautten-Compagney Berlin: Wolfgang Katschner)
Best.nr./Label: 0016422 BC / BERLIN Classics
Nicola Porpora: Cellokonzert G-Dur (Adriano Maria Fazio; Capella Neapolitana)
Best.nr./Label: o. A. / Brilliant
Salvatore Sciarrino: Studie Nr. 2 über "Sonata in Re minore" von Domenico Scarlatti (Quartetto Prometeo)
Best.nr./Label: 88843004962 / o.a.
Flaminio Corradi: "Baci cari e graditi" (vivante)
Best.nr./Label: 88875102932 / Harmonia Mundi
Domenico Cimarosa: "Le stravaganze del conte", Ouvertüre (Nicolaus Esterházy Sinfonia: Alessandro Amoretti)
Best.nr./Label: 8.225181 / Marco Polo
Jean-Baptiste Lully: "Amadis de Gaule", Chaconne (Capriccio Stravagante Orchestra: Skip Sempé)
Best.nr./Label: Alpha 016 / ALPHA
12.20 CD-Tipp *
Die Tafel-Confect-Kostprobe
12.40 Das Stichwort * "Offertorium"
Heinrich Ignaz Franz Biber: Requiem A-Dur, Offertorium (Anne Grimm, Sopran; Kai Wessel, Countertenor; Els Bongers, Simon Davies, Tenor; René Steur, Kees-Jan de Koning, Bass; Amsterdam Baroque Choir and Orchestra: Ton Koopman)
Best.nr./Label: 4509-91725-2 / ERATO
* Als Podcast verfügbar

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