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Montag, 19.04.2021

12:05 bis 14:00 Uhr

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"Landschaft mit Wildbach und tanzenden Bauern" - Giuseppe Zais 1709-1784.  | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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BR Franken Mittagsmusik

Mit Susanne Kruse

Bis Mitte 2022 gab es die Sendung "Mittagsmusik" auf BR-KLASSIK. Hier könnnen Sie weiterhin in den Archiven der Sendung schmökern.

Das Thema der Woche der Mittagsmusik führt uns dieses Mal aufs Land - ins überwiegend frühlingshafte und sommerliche ländliche Ambiente verschiedener Regionen der Welt, eingefangen von Komponisten von der Barockzeit bis zur Moderne des 20. Jahrhunderts. Jeden Tag stellen wir Ihnen Musik vor, die von den Stimmungen und Ansichten des Landlebens inspiriert ist. Manchmal ist sie ausgelassen, manchmal beschaulich, immer aber idyllisch und pittoresk und vielfach folkloristisch im Tonfall. "Alla Rustica" heißt dabei unser Motto, was aus dem Italienischen übersetzt so viel wie auf ländliche, dörfliche oder bäuerische Art bedeutet. "Alla Rustica" ist auch der Beiname eines Concertos von Antonio Vivaldi, das unsere Reihe von musikalischen Landpartien eröffnet.

Das musikalische "alla Rustica"

Die italienische Wortprägung "alla Rustica" steht für das Ländlich-Gediegene, für das Bäuerlich-Bodenständige, für das Dörflich-Ursprüngliche. "Alla Rustica" ist dabei auch ein beliebter Name für italienische Restaurants, die entsprechende Gerichte anbieten: Pizza alla Rustica, Penne alla Rustica, Maccaroni Rustica. Was diesen Gerichten die "rustikale" Geschmacksnote verleihen soll, sind spezielle Zutaten: Zwiebeln, Oliven und Knoblauch, Pepperoni und Pfifferlinge, deftige Gewürze. Auch die Musik "alla Rustica" verdankt ihren Charakter und ihre Farbe zumeist besonderen Zutaten, das heißt, sie hat Elemente, die nicht von vornherein zum Standardvokabular der Kunstmusik gehören. Sie kommen aus der Volksmusik, aus der Folklore.

Nach Italien, aufs Land - Teil I

Dies gilt auch für das "Alla-Rustica"-Concerto von Vivaldi, ein Streicherkonzert in G-Dur mit gelegentlicher Beteiligung von zwei Oboen, entstanden wohl in den 1720er Jahren. In seinem beschwingten letzten Satz ist das kurze, dreisätzige Concerto insofern folkloristisch gefärbt, als das G-Dur mit einem exotischen Cis (das nicht zur G-Dur-Tonleiter gehört) "gewürzt" ist. Während der zweite Satz geradezu statisch anmutet und dabei gewissermaßen die flimmernde Luft eines heißen Sommertages auf den Feldern beschwört, ist der erste Satz ein wirbelndes Presto in der rasanten Gangart einer volkstümlichen Tarantella. In unserer Aufnahme mit der Academia Montis Regalis unter der Leitung von Alessandro de Marchi wird das Concerto von einer Quasi-Improvisation "alla Rustica" eröffnet. Es sind ostinat wiederholte "leere" Quinten, die sogenannten "Bordun-Bässe", charakteristisch für den Klang von Dudelsack und Drehleier.

Nach Italien, aufs Land - Teil II

Auch mit unserem zweiten Beispiel bleiben wir in Italien und bei seiner "Alten Musik" - nun aber im modernen Klanggewand des frühen 20. Jahrhunderts. Zwischen 1917 und 1931 bearbeitete Ottorino Respighi eine Reihe von Tänzen und Weisen für Laute aus der Zeit der Renaissance und des Frühbarocks. Der Meister der neuen italienischen "Musica puramente strumentale" jenseits von Oper und Belcanto nannte sie "Antiche Danze ed Arie" und fasste sie in drei Suiten zusammen, untertitelt jeweils mit "Trascrizione libera per Orchestra (Freie Bearbeitungen für Orchester). Die erste Suite schließt mit einem Satz, der wie die Musik zu einem Fest auf dem Land anmutet. Zwei Tänze - Passamezzo und Mascherada - klingen dabei auf, wobei Respighi den Verlauf im Wechsel von Holzbläsern, Streichern und Tutti gewissermaßen choreographisch inszeniert. Musik, die sowohl Ausgelassenheit als auch Behaglichkeit ausstrahlt.

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