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Bayreuther Festspiele

25. Juli - 28. August 2017

Bayreuther Festspiele - Interview Katharina Wagner "Inszenierungen müssen nicht trendy sein"

Am 26. Juli 2017 steht "Tristan und Isolde" wieder auf dem Programm der Bayreuther Festspiele. Katharina Wagner hatte das Stück 2015 erstmals in Bayreuth inszeniert. Nun kommt es wieder auf die Bühne - mit kleinen Veränderungen. Wie sich Inszenierungen entwickeln, und dass es nicht immer um eine krampfhafte Aktualisierung gehen muss, verrät Katharina Wagner im Gespräch mit Michael Schmidt.

Katharina Wagner, Chefin der Bayreuther Festspiele | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

BR-KLASSIK: Katharina Wagner, im letzten Jahr haben Sie Ihre Inszenierung von "Tristan und Isolde" weiterentwickelt und etwa die aktiv handelnde Figur des König Marke noch stärker pointiert. Gibt es auch für die dritte Auflage ihrer Tristan-Inszenierung Weiterentwicklungen?

Katharina Wagner: Durchaus. Wir haben beispielsweise einen neuen König Marke: René Pape. Und es ist ja grundsätzlich so, dass Sie, wenn Sie einen anderen Sänger haben, auch das ganz Grundkonzept noch einmal erklären. Und natürlich bewegen sich Menschen auch unterschiedlich. Dadurch entsteht schon Spannung. Und es ist auch so, dass Stephen Gould und Petra Lang in der Zwischenzeit schon sehr oft woanders "Tristan und Isolde" miteinander gesungen haben. Die Vertrautheit zwischen den beiden hat sich intensiviert. Das tut der Sache sehr gut.

BR-KLASSIK: Als Ihre "Tristan"-Inszenierung 2015 herauskam, erzählten Sie mir, dass Ihnen die Zeichnung der Hauptfiguren zwar wichtig sei, dass es Ihnen aber auch sehr auf die Versinnbildlichung von Stimmungen ankommt - wie dem Gefühl der Ausweglosigkeit. Hat sich da jetzt im dritten Jahr Ihrer Inszenierung etwas verändert?

Katharina Wagner: Ich glaube, dass sind immer noch die Kernpunkte: die Ausweglosigkeit, in der sich beide von Anfang an befinden, und auch die Angelegenheit mit dem Trank, der ja eigentlich nur ein moralisches Hilfsmittel ist, wenn Sie so wollen. Es ist eine wirklich bewusste Entscheidung, zu sagen, wir kippen diesen Trank weg und stehen die Zeit, die wir noch auf Erden haben, zueinander. Denn es ist klar, dass das ganze in einer ausweglosen Situation endet.

Es müssen nicht immer Aktualisierungen sein.
Katharina Wagner

BR-KLASSIK: Seit der legendären Inszenierung des "Rings" von Patrice Chéreau im Jahr 1976 gab es immer wieder Regie-Highlights in Bayreuth - wie etwa die "Parsifal"-Deutung Christoph Schlingensiefs, die von Stefan Herheim, oder der "Lohengrin" von Hans Neuenfels. Andere Vorhaben, wie das "Ring"-Engagement des Filmavantgardisten Lars von Trier oder das "Parsifal"-Engagement des Kunstextremisten Jonathan Meese, konnten nicht realisiert werden. Heuer eröffnen die Festspiele mit den "Meistersingern", in Szene gesetzt von dem Regie-Provokateur Barrie Kosky. Seit einiger Zeit gibt es aber auch eine andere Tendenz: weg von den zum Teil extremen Neudeutungen des Regietheaters hin zu eher konservativeren Lesarten oder sogar zur Wiederauflage alter Inszenierungen. Wie stehen Sie zu dieser Tendenz?

Katharina Wagner: In Bayreuth haben Sie nur eine ausgewählte Anzahl von Werken. Und ich glaube, dass es hier wichtig ist, einen Regisseur zu finden, von dem man überzeugt ist, dass er das Werk umsetzen kann. Er muss zu dem Werk etwas zu sagen haben - unabhängig von jeder Tendenz. Das ist der entscheidende Punkt. Es geht hier nicht darum, dass man sagt: "oh, man ist jetzt trendy" und deswegen nimmt man Herrn XYZ oder Frau XYZ. Ich bin davon überzeugt: Wenn ich mich mit einem Kollegen unterhalte, gibt es dann etwas, was ihn an dem Stück interessiert? Findet er oder sie etwas, was das Stück in einer gewissen Weise neu interpretiert oder eine neue Sichtweise offenlegt? Das sind für mich die Prämissen und nicht der Trend im Allgemeinen.

BR-KLASSIK: Das heißt, es geht um eine Aktualisierung unabhängig von irgendewelchen Moden, oder?

Katharina Wagner: Es muss auch keine Aktualisierung sein. Es können auch spannende Bildwelten sein. Ein kurzer Ausblick auf 2018: Neo Rauch wird den neuen "Lohengrin" inszenieren. Ich bin völlig begeistert, weil wir da einfach einer anderen Bildwelt begegnen, die uns entführt. Das hat nicht zwangsläufig mit einer Aktualisierung zu tun, sondern mit einer Sichtweise, einer Erzählweise und auch mit einem ästhetischen Blickwinkel auf ein Stück, das man so eben noch nicht gesehen hat. Aber ich würde nicht sagen, dass es eine krampfhafte Aktualisierung ist.

Ein Regisseur muss etwas zum Werk zu sagen haben.
Katharina Wagner

BR-KLASSIK: Aber es muss auch nicht konservativ sein?

Katharina Wagner: Nein, gar nicht. Wie gesagt: Man wird in eine Bildwelt entführt, die man so selten sieht. Und das finde ich spannend. Das nimmt einen mit, zieht einen rein und hat nicht zwangsläufig etwas mit krampfhafter Aktualisierung zu tun. Das ist ja immer das Problem, dass dieser Begriff des Regietheaters inzwischen so vielfältig benutzt wird, aber nie definiert.

BR-KLASSIK: Was ist das eigentlich?

Katharina Wagner: Genau. Es ist ein grundsätzliches Ding. Jeder redet immer über das Regietheater, aber letztlich, wenn Sie die unterschiedlichen Stilrichtungen anschauen, ist dieser Begriff wahnsinnig vielfältig. Nein, ich glaube, es ist wichtig, dass man auch etwas Sinnliches bekommt. Etwas, das einen einfach mitzieht.

BR-KLASSIK: Können Sie noch etwas zu Ihren Plänen für die Regie-Besetzungen in den nächsten Jahren sagen? Neo Rauch haben Sie schon angesprochen.

Katharina Wagner: Genau, Neo Rauch kommt mit Yuval Sharon, ein Superteam. Neo Rauch macht auch die Kostüme mit Rosa Loy. Es hat eine ganz eigene Bildsprache, was natürlich auch zum Hintergrund des Engagements so eines starken Malers passt. Und dann haben wir 2019 für "Tannhäuser" Tobias Kratzer, der auch eine sehr eigene, eine sehr konzeptionelle Bildsprache hat. Das wird spannend.

Das Gespräch führte Michael Schmidt für BR-KLASSIK.

Sendung: Live-Übertragung "Tristan und Isolde" mit Pausenzeichen, 26. Juli 2017 ab 15.57 Uhr auf BR-KLASSIK.

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