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Bayreuther Festspiele

25. Juli - 28. August 2019

Bayreuther Festspiele - Ring 2020 Die Wunschkandidaten von BR-KLASSIK

Am 24. Juli wurden die Namen der "Ring"-Macher 2020 bekanntgegeben: Die Inszenierung übernimmt der junge österreichische Regisseur Valentin Schwarz. Der finnische Dirigent Pietari Inkinen wird den Zyklus leiten. Ungeachtet zahlreicher Spekulationen im Vorfeld der Bekanntgabe stellten drei BR-KLASSIK-Autoren ihre Wunsch-Konstellationen für Wagners Mammut-Tetralogie vor.

Richard Wagner - Wer inszeniert in Bayreuth? | Bildquelle: dpa/Heritage-Images // Montage: BR

Bildquelle: dpa/Heritage-Images // Montage: BR

Wunsch-Regie: Quentin Tarantino

Quentin Tarantino | Bildquelle: picture-alliance/dpa Bildquelle: picture-alliance/dpa Mein Traumregisseur für den Ring wäre schon seit Jahren Quentin Tarantino! Eine ideale Besetzung, denn er ist Spezialist sowohl für Splatter als auch für hintersinniges, dialogstarkes, bildgewaltiges Kino, sowohl für Blut und Gewalt als auch für große Emotionen und intimes Kammerspiel, sowohl für unwiderstehliche Coolness als auch knallharte Brutalität. Also alles dramaturgische Bestandteile, die den Ring ausmachen! Außerdem liebt Tarantino bekanntlich Musik. Sie ist immer ein ganz entscheidender Motor seiner Filme, wenn nicht gar der Nukleus, aus dem heraus er einen Film entwickelt. In "Django Unchained" heißt die weibliche Hauptrolle "Broomhilda". Also da fehlt zur Wunschmaid des Göttervaters echt nicht viel! Oscar-Preisträger Christoph Waltz, selbst Opernregisseur, hat Tarantino übrigens schon mit ins "Rheingold" genommen. Und der hat angeblich gleich Parallelen zu seiner Arbeit entdeckt. Waltz ist meiner Meinung: Auch Tarantinos Werke haben etwas von einem "Gesamtkunstwerk", ganz wie die vom großen Richard. Waltz behauptet, wenn Tarantino Opern inszenieren sollte, müsste er sich sein eigenes Bayreuth schaffen. Das glaube ich wiederum nicht. Wenn Tarantino in das vorhandene Bayreuth kommt und dort alle Möglichkeiten kriegt, ist Großes drin. Jahrelang bereitet er sich auf seine Filme vor, für die er auch regelmäßig das gleiche Schauspielerensemble besetzt: Mehr Werkstatt-Gedanke geht doch gar nicht, oder?

Wunsch-Dirigent: Antonio Pappano

Der perfekte Dirigent an Tarantinos Seite wäre Antonio Pappano. Er ist offen für neue Regie-Wege, ebenfalls muttersprachlich englisch und ein Kino-Freund. Nehme ich mal an, zumindest ist er selbst bei Opern-Übertragungen des Royal Opera House Covent Garden ja oft im Kino zu sehen. Außerdem wird es höchste Zeit, dass dieser große Sängerdirigent über dreißig Jahre nach seiner Zeit als Barenboim-Assistent in Bayreuth und über zwanzig Jahre nach seinem Debüt dort im Graben ("Lohengrin") auf den Grünen Hügel zurückkehrt. Pappano und Tarantino: So wird der nächste Bayreuth-Ring eine runde Sache!

Maximilian Maier

... moderiert die Eröffnungspremiere live auf br-klassik.de/concert und verfasst die Kritiken zu den Wiederaufnahmen von "Parsifal" und "Lohengrin".

Wunsch-Regie: Markus und Markus

Bayreuth muss den Anschluss an die Performance-Kunst schaffen! Das Performance-Kollektiv Markus und Markus steht für postdramatisches und dokumentarisches Theater. Sie recherchieren intensiv, stellen sich die Frage nach den Bedingungen und der Notwendigkeit von Theater, verwandeln politische und gesellschaftliche Themen in große, spektakuläre Gesamtkunstwerke, bezaubern und machen nachdenklich. Mit alledem kommen Markus und Markus dem Kunstideal Wagners bemerkenswert nahe. Und mit dem "Ring" kennen Sie sich aus – sie haben nämlich die ganze Tetralogie bereits bei einem Festival der Berliner Sophiensaele live performt, in Echtzeit auf einer Modelleisenbahn. Eine liebevolle Umsetzung von Wagners Bildern traf hier bereits 2014, lange bevor die sogenannten "Reichsbürger" öffentlich wahrgenommen wurden, auf zermürbende gesellschaftliche Realität, mit dem Prolog des Mannes der sich als amtierender deutscher Reichskanzler bezeichnet. Was schon seit Jahrzehnten im Sprechtheater Gang und Gäbe ist, nämlich interdisziplinär und postdramatisch arbeitende Performancekünstler an die großen Stoffe zu lassen, sollte endlich auch in der Oper ankommen – und welche Bühne wäre besser dafür geeignet, da Vorreiter zu sein, als die Werkstatt Bayreuth?

Wunsch-Dirigentin: Joana Mallwitz

Dirigentin Joana Mallwitz | Bildquelle: © Nikolaj Lund Bildquelle: © Nikolaj Lund Sie steht für eine neue Generation im Dirigat, die über die Kultur der "Angst-Maestros" längst hinaus ist und dennoch große Orchester souverän im Griff hat. Sie interessiert sich für die Politik und Psychologie in Wagners Musik, und hat bereits mehrfach bewiesen, dass sie Wagner einfach kann. Joana Mallwitzs Meistersinger hatten Drive, ihr Lohengrin Struktur und nichts passiert bei ihr nur um des bloßen Effekts willen. Mit ihr wird sich das Publikum nicht von der Musik bekifft im Wagner-Rausch verlieren, sondern eine Analyse erleben, wie sie sich gerade beim Ring lohnt – ohne freilich dabei den Reiz, Liebe und den Zauber des Musikdramas vermissen zu müssen. Darum gehört die Generalmusikdirektorin aus Nürnberg in den mystischen Abgrund nach Bayreuth!

Antonia Goldhammer

... begleitet Sie durch die einstündigen Pausen bei den Radio-Liveübertragungen von "Tannhäuser", "Lohengrin" und "Tristan und Isolde". Verfasst die Kritik zur Wiederaufnahme der "Meistersinger von Nürnberg".

Wunsch-Regie: Katie Mitchell

Am Regiepult würde ich mir natürlich eine Frau wünschen – wie wär’s mit der britischen Regisseurin Katie Mitchell, die in Salzburg einen bildmächtigen Nono inszeniert hat und der mit George Benjamins "Written on Skin" ein echter Theatercoup gelungen ist? Die multimedial aufgestellte Künstlerin würde an Castorfs filmische Ästhetik anknüpfen, nur subtiler und raffinierter als der legendäre Berliner Volksbühnen-Chef. Ein englisches Dream-Team also, das die Herkulesaufgabe mit Präzision und Leidenschaft bewältigen würde – zusammen mit ihm:

Wunsch-Dirigent: Sir Simon Rattle

Dirigent Sir Simon Rattle | Bildquelle: BR/Astrid Ackermann Bildquelle: BR/Astrid Ackermann Für die musikalische Leitung wäre der Wagner-erfahrene Sir Simon Rattle ein idealer Kandidat, dessen Debüt auf dem Grünen Hügel längst fällig ist: Nicht nur, dass Rattle vor zehn Jahren mit den Berliner Philharmonikern bereits einen fulminanten "Ring" bei den Salzburger Osterfestspielen sowie beim Festival von Aix-en-Provence gestemmt hat. Auch sein bis zur "Walküre" gediehener "Ring" mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist ein grandioses Versprechen!

Fridemann Leipold

... verfasst 2019 die Kritik der Wiederaufnahme des "Lohengrin".

Wer den "Ring des Nibelungen" 2020 tatsächlich stämmen wird, erfahren Sie am 24. Juli ab 16:05 Uhr im Musikmagazin "Leporello" – und natärlich hier auf br-klassik.de.

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Mittwoch, 24.Juli, 12:06 Uhr

Wagnerianer 2019

Mein Wunschregisseur

Ich wüsste keinen Namen zu nennen. Aber wir wäre es, wenn man mal wieder einen Opernregisseur engagiert, der etwas vom Metier versteht? Das wäre mal eine echte Sensation.

Kritik – Castorfs Ring 2017

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