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Bayreuther Festspiele

25. Juli - 25. August 2021

Katharina Wagner "Tristan ist für mich wahnsinnig aktuell"

Mit der Premiere des neuen "Tristan" beginnen am Samstag die Bayreuther Festspiele. Regie führt Festspiel-Chefin Katharina Wagner. Was die Ur-Enkelin des Komponisten an dem Liebesdrama besonders reizt, hat sie BR-KLASSIK verraten.

Katharina Wagner | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Katharina Wagner im Gespräch

Zum neuen "Tristan" in Bayreuth

BR-KLASSIK: Katharina Wagner, was fasziniert Sie an Richard Wagners Oper "Tristan und Isolde" am meisten?

Wagner: Sehr schwierige Frage. In erster Linie die Musik. Und es gibt durchaus auch eine innere Handlung. Ich glaube, das Spannende für den Regisseur ist, Bilder auf der Bühne für diese innere Handlung, diesen inneren Spannungsbogen, zu finden.

BR-KLASSIK: Christian Thielemann, der Dirigent des neuen Bayreuther "Tristan" erzählte BR-KLASSIK, dass Sie zunächst gar nicht so viel mit dem "Tristan" anfangen konnten, dann aber enthusiastisch darauf eingestiegen sind. Wie kam das?

Wagner: Ich glaube, das war eine Altersfrage. Christian kennt mich ja seit ich zwei Jahre alt bin. Wahrscheinlich hatte ich das gesagt, als ich vier oder sechs war. Und daran erinnert er sich wahrscheinlich. Ich nehme an, das Stück bedarf eines gewissen Alters, eines gewissen Verständnisses. Und das war dann irgendwann da. Das hab ich ihm auch erzählt. Das war in der "Meistersinger"-Zeit, dass ich sagte: Ich glaube, jetzt bin ich auch bereit, den "Tristan" zu machen. Wann ich das genau zu ihm gesagt habe, weiß ich gar nicht, aber das ist bestimmt schon einige Jahre her.

BR-KLASSIK: Was kann denn der "Tristan" Ihrer Ansicht nach heute sagen. Was ist aktuell daran?

Wagner: Lebenssituationen, in denen sich Menschen befinden, sind ja grundsätzlich eine Aktualität. Und letztlich befinden sich Tristan und Isolde eigentlich von Anfang an in einer gewissen ausweglosen Situation. Ich hoffe nicht, dass es allen Menschen so geht, aber dass man in schwierigen Situationen steckt, ist durchaus etwas, was man nachvollziehen kann. Und das ist für mich wahnsinnig aktuell.

BR-KLASSIK: Wäre das für Sie auch der Plot der Oper? Wollen Sie die Oper auch auf diese Weise erzählen?

Wagner: Was heißt 'wollen'? Das ist ja schon mal vom Stück vorgegeben. Ich denke schon, dass uns an der Erzählung wichtig war, dass man auch auf diese Sache eingeht. Letztlich sind beide in einer Situation, die für sie unangenehm ist. Interessant daran ist, dass wir versucht haben zu erzählen, dass durch eigenes Handeln die Situation in gewisser Weise auch beeinflusst werden kann.

BR-KLASSIK: Wo würden Sie die Kulminationspunkte der Oper sehen?

Richard Wagner | Bildquelle: Archiv des Bayerischen Rundfunks Richard Wagners Oper "Tristan und Isolde" wurde 1865 uraufgeführt. | Bildquelle: Archiv des Bayerischen Rundfunks Wagner: Sicherlich schon mal mit der ganzen Trankangelegenheit im ersten Akt. Es ist ein Liebestrank? Ist ein Todestrank? Trinkt man ihn, trinkt man ihn nicht? Ist er überhaupt relevant für das Fortbestehen der Geschichte, wenn Sie so wollen? Und dann natürlich in gewisser Weise auch die Figur Marke, die ja im Leben von Tristan und Isolde eine massive Rolle spielt - und bei uns sogar markant eingreift. Ich glaube, dass wir die Figur sehr stark gedeutet haben, indem Marke tatsächlich auch aktiv in das Geschehen eingreift.

BR-KLASSIK: Welche Rolle spielt der "Tristan" in Ihrer eigenen Entwicklung als Regisseurin?

Wagner: Wir haben uns sehr lange darauf vorbereitet. Ich glaube, es ich ein Stück, wo man Bilder finden muss, die einen mitnehmen - und wo man wenig äußeres Geschehen hat, wenig Konkretes.

BR-KLASSIK: Schwerer als in den "Meistersingern" wahrscheinlich.

Wagner: Anders. Man kann die Stücke gar nicht miteinander vergleichen. Die "Meistersinger" haben sehr viel Konkretes. Es ist sehr schön, auch mal mit dem Nicht-Konkreten umgehen zu können.

BR-KLASSIK: Welche Kenntnisse - beispielsweise philosophischer Art - setzt das Verstehen Ihrer "Tristan"-Inszenierung voraus?

Wagner: Ich hoffe, dass man keine Kenntnisse haben muss, um die Inszenierung zu verstehen. Das ist sowieso immer so eine Frage: Muss man eine Inszenierung verstehen? Man nimmt sie wahr und empfindet sie hoffentlich. Es gibt da ja auch keinen Beipackzettel, wo man sagt: So gehört es sich. Man hofft immer als Regisseur, dass man Bilder gefunden hat, die die Leute bewegen. Und das ist hoffentlich gelungen.

BR-KLASSIK: Und sich auch durch sich selbst eigentlich vermittelt - ohne dass man etwas wissen muss über den philosophischen Hintergrund, den es ja beim "Tristan" auch gibt?

Wagner: Richtig, den gibt es. Den haben wir auch nicht außer Acht gelassen. Aber ich glaube, man braucht ihn nicht. Ich hoffe sehr, dass man ihn nicht braucht, um diese Inszenierung empfinden zu können. Das ist der andere Punkt. Natürlich gibt es viel philosophischen Hintergrund - auch zu dieser Inszenierung. Es ist schön, wenn man den sieht. Aber ich hoffe, die Inszenierung vermittelt sich auch ohne den Hintergrund.

"Tristan und Isolde" - Bayreuther Festspiele 2015

Eröffnungspremiere: 25. Juli, 16:00 Uhr
Weitere Aufführungen: 2./7./13./18./23. August, 16:00 Uhr

Musikalische Leitung: Christian Thielemann
Regie: Katharina Wagner

BR-KLASSIK überträgt die Premiere "Tristan und Isolde" am 25. Juli live. Und schon ab 15.05 Uhr sendet BR-KLASSIK zum Auftakt Interviews und Reportagen live vom Grünen Hügel.

Und am 7. August überträgt BR-KLASSIK "Tristan und Isolde" als Video-Livestream auf br-klassik.de.

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