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Bayreuther Festspiele

25. Juli - 28. August 2018

Kritik - "Tristan und Isolde" bei den Bayreuther Festspielen Wagner in der Folterkammer

Bereits 2015 erstellte Regisseurin Katharina Wagner eine düstere und provokative Inszenierung der Dreiecksbeziehung um den Ritter Tristan und seine Geliebte Isolde, die Gattin des Königs. Dass die Festspielchefin den beiden Protagonisten den Liebestod verwehrt - das sorgt beim vierten Mal noch für Empörung beim Publikum.

Szenenfoto Tristan und Isolde" 2018  - Wagner Oper - Bayreuther Festspiele - Stephen Gould (Tristan) und Petra Lang (Isolde) | Bildquelle: © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bildquelle: © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Die Kritik anhören

Dass der Wagnervorhang während der musikalischen Vorspiele geschlossen bleibt und sich nur öffnet, wo Wagner das in der Partitur vorschreibt, kommt all jenen Besuchern entgegen, denen ausinszenierte Vorspiele und Ouvertüren ein Dorn im Auge sind. Der amtierende Musikchef auf dem Grünen Hügel, Christian Thielemann, dirigierte "Tristan" von Beginn an mit einer Mischung aus Subtilität, akribischer Eleganz und großer Dynamik.

An das klaustrophobische und düstere Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann und Matthias Lippert hat sich das Publikum inzwischen mehr oder weniger gewöhnt. Es beginnt als Labyrinth aus Treppen und Gerüsten, das dem Liebespaar keinen Freiraum gibt, und wandelt sich zu einer filmreifen Kammer des Schreckens mit schwarzen Wänden, Eisengittern und Folterinstrumenten. Die Protagonisten sind ihrer Hoffnungslosigkeit überlassen. Doch dass Katharina Wagner in ihrer Inszenierung Isolde den Liebestod verwehrt, sorgt immer noch für Empörung: Am Ende ergoss sich ein kurzer, aber heftiger Buh-Orkan über das Regieteam.

Durch und durch unromantische Sicht auf das Liebesdrama

Szenenfoto Tristan und Isolde" 2018  - Wagner Oper - Bayreuther Festspiele - | Bildquelle: © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath Bildquelle: © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath Marke zerrt Isolde am Schluss wie eine wiedergewonnene Beute weg von Tristan. Vielleicht passt aber gerade diese Brutalität des eifersüchtigen Königs zur völlig unromantischen Sicht der Regisseurin. In dieser Welt voller Käfige, Folter, Beschränkung und Inhumanität kann das Liebespaar keine Möglichkeit finden, obwohl die Beziehung so radikal ist, dass Todes- und Liebestrank (wie erstmals bei Wieland Wagner) nicht mehr erforderlich sind. Mit Absicht verschütten die beiden den Trank und zerreißen als gesellschaftliche Provokation den Hochzeitsschleier. Im berühmten Liebesduett des zweiten Aufzugs blicken Tristan und Isolde tief in sich hinein. Sie stehen isoliert und mit dem Rücken zum Publikum und sehen während dieser Reise ins Innere einen schemenhaften Film über sich selbst.

Mangelndes Textverständnis

Musikalisch ist dieser Tristan von außerordentlicher Qualität, wenngleich das Textverständnis bei allen Protagonisten über den gesamten Abend ein großes Problem ist. Petra Lang ist als Isolde sicherlich eine der derzeit besten Besetzungen dieser Partie. Dennoch: Ihren schlanken, in allen Registern souverän geführten Sopran schleift sie manchmal an und in den Höhen ist dieser immer wieder etwas scharf. Und obwohl sie mit hingebungsvoller Intensität, voller Zorn und Widerstandsgeist im ersten Akt, in liebevoller Weichheit im zweiten und dritten Akt spielt - stimmlich wären an manchen Stellen noch etwas mehr Farbschattierungen schön gewesen. Ihr zur Seite steht der nicht minder souveräne Stephen Gould als Tristan mit phänomenalen Kraftreserven, der auch in den lyrisch-leisen Passagen beglückend präsent war. Er wird ab dem kommenden Jahr der neue Bayreuther "Tannhäuser".

René Pape gestaltete mit seinem wuchtigen, dunkelsatten und ausdrucksvoll herben Bass den betrogenen König Marke. Er lässt cool und irgendwie auch gleichförmig alle Verzweiflung darüber hörbar werden, dass die Liebespassion von Tristan und Isolde nicht der Erlösung durch königliche Güte möglich ist. Iain Paterson profilierte seinen Kurwenal mit dunkler Fülle und kantiger Kraft als kernigen, skrupellos treuen Gefolgsmann. Christa Mayer verleiht der Brangäne nicht nur singend, sondern auch spielend eine Vielzahl warmer Farben.

Die Musik hat das letzte Wort

Christian Thielemann erzählt mit seinen ausgezeichneten Musikern und Sängern das Drama von Liebe und Tod in allen tonmalerischen Einzelheiten, inklusive Seegang und Zaubertrank, Vasallenverrat und Verlust der Ritterehre.

Am Ende schafft es Thielmann, entgegen Wagners Vorschriften, der Musik das letzte Wort einzuräumen. Sie endet nicht mit, sondern erst ein paar Sekunden nach Schließen des Vorhangs. Für all das gab es frenetischen Applaus!

Weitere Informationen

Richard Wagner - "Tristan und Isolde"
Bayreuther Festspiele
Wiederaufnahme: 27. Juli 2018

Tristan: Stephen Gould
Marke: René Pape
Isolde: Petra Lang
Kurwenal: Iain Paterson
Melot: Raimund Nolte
Brangäne: Christa Mayer
Ein Hirt: Tansel Akzeybek
Ein Steuermann: Kai Stiefermann
Junger Seemann: Tansel Akzeybek

Musikalische Leitung: Christian Thielemann
Regie: Katharina Wagner
Bühne: Frank Philipp Schlößmann und Matthias Lippert

Eine Live-Mitschnitt sendet BR-KLASSIK am 11. August ab 18:05 Uhr.

Sendung: "Piazza" am 28. Juli 2018 ab 6:05 Uhr in BR-KLASSIK

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