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Starke Stücke Vivaldi - Die Vier Jahreszeiten

Über die Eigenschaften der Jahreszeiten hat sich Antonio Vivaldi seine eigenen, musikalischen Gedanken gemacht und sie in vier Violinkonzerten zusammengefasst. Sylvia Schreiber stellt "Die Vier Jahreszeiten" von Vivaldi zusammen mir der niederländischen Geigerin Janine Jansen vor.

Antonio Vivaldi | Bildquelle: Wikimedia Commons (Anonymes Bildnis)

Bildquelle: Wikimedia Commons (Anonymes Bildnis)

Das starke Stück zum Anhören

Es zieht kaum ein Sommer ins Land, ohne dass er eine Neuaufnahme von Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" mit sich bringt. Nur wenige große Geiger machen einen Bogen um diese Konzertsammlung, aber auch andere Instrumentalisten machen vor den Jahreszeiten nicht Halt. Die Vielfalt der Vivaldis reicht von Bearbeitungen für Klavier über Mundharmonika bis zu Saxophon Quartett und Zither. Diese Konzerte lösen nach wie vor einen Sturm der Begeisterung aus, egal ob man im ersten, zweiten oder dritten Frühling steckt.

Es stört mich nicht, dass die Vier Jahreszeiten schon oft aufgenommen wurden.
Janine Jansen

Auch die niederländische Geigerin Janine Jansen machte den "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi ihre Aufwartung, gemeinsam mit einer Stradivari aus dem Jahr 1727. Dennoch ist diese Aufnahme nicht der historischen Aufführungspraxis verpflichtet. "Es stört mich nicht, dass dieses Werk schon so oft aufgenommen wurde", sagt die Künstlerin. "Dann könnte man ja auch das Beethoven-Konzert nicht mehr spielen oder aufnehmen. Und letztlich ist doch jede Interpretation einzigartig."

Janine Jansen | Bildquelle: Harald Hoffmann Bildquelle: Harald Hoffmann Für gewöhnlich hört man statt der Orgel ein Cembalo. Aber die Musiker rund um Janine Jansen experimentierten in "ihren" Jahreszeiten, und zwar nicht nur was die Besetzung des basso continuo angeht, die zwischen Cembalo, Orgel und Theorbe wechselt. Experiment bedeutet bei dieser Aufnahme vor allem eine Schlankheitskur, sozusagen eine Frühlingsdiät, denn es spielen nur acht Musiker. "Das ergibt einen sehr transparenten Klang", erklärt Janine Jansen. "Man ist auf diese Weise viel flexibler - in der Dynamik, der Klangfarbe und auch im Timing. Wir haben viel experimentiert und sind mit dieser kleinen Besetzung außerordentlich glücklich."

Typische Naturschilderungen

1725 veröffentlichte Vivaldi eine Sammlung aus zwölf Violinkonzerten, zusammengefasst unter der Opus-Zahl 8 zu der auch die Jahreszeiten gehören - Harmonie und Intervention befinden sich innerhalb dieser Konzerte im Wettstreit. Vivaldi schrieb seine Jahreszeiten nach Sonetten, die er wahrscheinlich selbst verfasst hat: Sonette, in denen sich der Komponist einen Reim machte auf haarkleine Details typischer Naturerscheinungen in Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Vivaldi nutzte also Programmatik als Gestaltungsmittel für die vier Violinkonzerte aus dem op.8. Zur Barockzeit waren konkrete Inhalte eigentlich der Oper vorbehalten gewesen und im Konzert eine Neuheit!

Süsses Gemurmel eines Bächleins hört man, Blitz und Donner, schlafende Hirten, surrende Fliegen, säuselnden Wind, fliehendes Wild - der Fantasie sind dank der Musik keine Grenzen gesetzt. Insbesondere im Sommer wechseln sich Presto und Adagio, Piano und Forte ohne Vorwarnung ab, wie im wirklichen Leben.

Antonio Vivaldi hat die Konzerte dem böhmischen Grafen Wenzeslav von Morzin gewidmet. Bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts waren sie ein internationaler Hit. Doch dann fielen diese vier Konzerte aus dem Opus 8, wie überhaupt das ganze Oeuvre Vivaldis, in einen bleiernen Dornröschenschlaf aus dem es erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts langsam, aber mit Vehemenz erwachte. Heutzutage sind die "Vier Jahreszeiten" aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Warum, ist für Janine Jansen klar: "Weil das ein gutes Stück ist!"

Musik-Info

Antonio Vivaldi: Die vier Jahreszeiten (Le quattro stagioni). Konzerte für Violine, Streicher und Cembalo, op.8

Janine Jansen, Violine
Candida Thompson, Violine
Henk Rubingh, Violine
Julian Rachlin, Viola
Maarten Jansen, Violoncello
Stacey Watton, Kontrabass
Elizabeth Kenny, Theorbe
Jan Jansen, Truhenorgel
Jan Jansen, Cembalo

Label: Decca

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