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Mauro Giuliani Gitarrenkonzert Nr. 1

Die Gitarre ist ein noch recht junges Instrument: ihre erste Blütezeit erlebte sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Aus diesen "Anfangstagen" stammt das Gitarrenkonzert op. 30 von Mauro Giuliani. Es zählt zu den absoluten Highlights und reißt das Publikum stets zu Begeisterungsstürmen hin.

Das starke Stück

Giuliani - Gitarrenkonzert

Aus Bari in Italien stammend, hatte er sich zwei Jahre zuvor nach Wien aufgemacht, dem damaligen Musikzentrum Europas. Hier fand Giuliani den richtigen Nährboden für seine stupende Virtuosität. Er bewegte sich schnell im gleichen gesellschaftlichen Umfeld wie Hummel, Moscheles oder Diabelli.

"Am 3ten dieses Monats gab Mauro Giuliani, vielleicht der erste aller Gitarre-Spieler, welche bisher existieren, im Redoutensaal eine Akademie mit verdientem Beyfalle. Man muss diesen Künstler durchaus selbst gehört haben, um sich einen Begriff von seiner ungemeinen Fertigkeit und seinem präcisen, geschmackvollen Vortrage machen zu können." (Allgemeine musikalische Zeitung im Mai 1808)

Neue technische Möglichkeiten ausgenutzt

Das Instrument Gitarre hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts seine maßgebliche Umgestaltung zum Vorläufer der heutigen Gitarre gerade erst hinter sich. Mauro Giuliani gehörte zu den Gitarristen, die die neuen technischen Möglichkeiten am wirkungsvollsten inszenierten: Akkordbrechungen, schnelle Läufe, rasante Doppelgriffe in Terzen oder Oktaven, Triller und latente Mehrstimmigkeit. Im Konzert Nr. 1 werden die speziellen Fähigkeiten der Gitarre im besten Licht gezeigt. Die Musik seiner Heimat prägte Giuliani natürlich sehr stark. Italien war zu dieser Zeit - wieder einmal - der Oper verfallen, Giulianis Held Gioachino Rossini. Andererseits gab es aber auch noch die "großen" Klassiker, in deren Wirkungskreis sich Mauro Giuliani in Wien ganz direkt befand.

Formale Struktur aufgelockert

Der typische charmant-virtuose Stil von Giuliani zieht sich durch alle drei Sätze des Konzerts: Das größte Gewicht hat der erste, Allegro maestoso. Giuliani hat hier gleich zwei Solo-Kadenzen untergebracht. Dadurch wird die formale Struktur aufgelockert und das Stück kurzweilig gestaltet. Die Polonaise-Allegretto schließt als Gegenpol das Konzert mit federndem Polacca-Rhythmus ab. Beide umrahmen den langsamen mittleren Satz. Ein ganz besonderer Zauber scheint über diesem Andantino zu liegen, einem anmutigen Siciliano, in dem klassischer Stil und mediterrane Leichtigkeit miteinander vereint werden.

Gute Balance zwischen Orchester und Solist

Bei Gitarrenkonzerten ist die geringe Lautstärke des Soloinstruments fast immer ein Thema. Zu Giulianis Zeiten waren die Orchesterklänge zwar noch nicht so massiv wie heute und die Säle eher kleiner. Aber auch die Schreibweise trägt viel dazu bei, den Klang der Gitarre nicht zu sehr mit anderen Instrumenten zu überdecken. Die gute Balance zwischen Orchester und Solist, die intuitive, zugängliche Musikalität und nicht zuletzt genau die richtige Mischung aus technischer Bravour und musikalischer Finesse, machen das Giuliani-Konzert bis heute zu einem der gelungensten und meistgespielten Gitarrenkonzerte.

Musik-Info

Mauro Giuliani: Konzert für Gitarre und Orchester Nr. 1 A-Dur, op. 30

Alvaro Pierri, Gitarre
Ensemble Amati
Leitung: Raymond Dessaints
Label: Analekta

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