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Was heute geschah - 27. Juni 1932 Anna Moffo wird geboren

Sie machte nicht nur als Sängerin Furore, sondern galt auch als eine der schönsten Frauen auf der Opernbühne - die Sopranistin Anna Moffo. Nach ihrem kometenhaften Aufstieg versagte der Diva bereits nach nur wenigen Jahren die Stimme. Der Absturz folgte.

Anna Moffo als Gilda | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die Schöne

Zum ersten Mal präsentierte sich Anna Moffo 1954 der Öffentlichkeit, als sie mit 22 Jahren bei einem Gesangswettbewerb des Philadelphia Orchestra teilnahm. Dessen damaliger Chefdirigent Eugene Ormandy traf Vorsichtsmaßnahmen, um sich seine Unvoreingenommenheit zu bewahren.

Ich dachte, es sei unvorstellbar, dass jemand, der so schön ist, so gut singen soll. Also schloss ich die Augen, und sie gewann allein dank ihrer Leistung.
Eugene Ormandy, Chefdirigent des Philadelphia Orchestra

Dass die Sopranistin nicht nur singen konnte, sondern auch die Bratsche und das Klavier beherrschte, hatte sie schon vorher bewiesen: Ihr Studium am Curtis Institute bestand sie in allen drei Fächern mit Auszeichnung. So nebenbei promovierte sie in Literaturgeschichte und spielte in der italienischen Damen-Hockey-Nationalmannschaft.

Kometenhafter Aufstieg

Und dann folgte das, was man einen kometenhaften Aufstieg nennt: Operndebüt in Spoleto als Norina in Donizettis "Don Pasquale", USA-Debüt in Chicago als Mimì in der "Bohème", Nanetta in Verdis "Falstaff" an der Scala und in Salzburg. Schließlich der Ritterschlag: 1959 verpflichtete sie Sir Rudolf Bing an die New Yorker Met – als Traviata. Man könnte sagen, sie "machte Furore" – wenn dieses Wort nicht viel zu klein wäre für den besinnungslosen Taumel, den sie auslöste.

Schneller Abstieg

17 Spielzeiten gehörte sie der Met an und begann bald, über die Grenzen ihres kostbaren lyrischen Soprans hinauszusingen. Anna Moffos Stimme schwand innerhalb weniger Jahre. Ihre Besitzerin ließ sich in Filmen und Galas verschleißen, quälte sich und ihr Publikum mit demütigenden Comebacks. Schon 1968 war sie während einer "Traviata"-Aufführung in Berlin zusammengebrochen. 1972 pfiff man sie in Rom als Lucia, eine ihrer Paraderollen, gnadenlos aus. Die Regenbogenpresse legte nach und trug zur endgültigen Vernichtung bei. Zu dieser Zeit hatte sich bei ihren wahren Fans die Erinnerung an eine Ausnahmestimme schon für ewig im Gedächtnis eingebrannt. Anna Moffo starb mit 73 Jahren am 9. März 2006.

Anna Moffo als Violetta in Verdis "Traviata"

Was heute geschah

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