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Salzburger Festspiele

20. Juli bis 31. August 2019

Bilanz Salzburger Festspiele 2019 Zwischen Gesamtkunstwerk und Dilettantismus

Hoch und heiß ging es her diesen Festspielsommer an der Salzach. Debatten um den Auftritt des Tenor-Baritons Plácido Domingo. Die vom Publikum umbuhte Absage Anna Netrebkos in einer konzertanten Oper. All das beschäftigte und bewegte reales Publikum wie Wichtigtuer mit Liebe zum Boulevard.

Masken vor dem Festspielhaus | Bildquelle: Luigi Caputo

Bildquelle: Luigi Caputo

Auch in künstlerischen Fragen gab es – durchaus konstruktiven – Streit unter den Festspielgästen, war nun Mozarts "Idomeneo" in der allumarmenden Sicht von Peter Sellars und Teodor Currentzis eher Kitsch oder doch feines Musiktheater mit utopischem (Rest)Leuchten? Tatsächlich dirigierte Currentzis am Pult des Freiburger Barockorchesters fulminant akzentuiert, ohne Sperenzchen oder Eitelkeiten, wie man es sonst gelegentlich bei ihm erlebt. Und Sellars traf mit seiner radikalen Kritik an der Vermüllung unserer Welt ins Schwarze.

Verlagerung ins Hier und Jetzt

Größtmöglicher Kontrast dazu war Andreas Kriegenburgs bieder-dilettantische Inszenierung von Verdis eher selten gespieltem "Simon Boccanegra", eine völlig belanglose Verheutigung mit Handys, Tablets sowie grenzwertiger Nicht-Personenführung, immerhin jedoch mit einem gut disponierten Valery Gergiev am Pult der Wiener Philharmoniker. Heutig, nicht nur als Behauptung, wurde Luigi Cherubinis "Médée" in der Sicht von Simon Stone, wobei die Verlagerung des mythischen Stoffs ins Salzburg des Hier und Jetzt letztlich nicht aufging, weil der Wille zur Aktualisierung zu sehr im Vordergrund stand und den Mythos überlagerte. Zudem stand mit Thomas Hengelbrock ein überforderter Dirigent im Graben, die Wiener Philharmoniker folgten ihm nur begrenzt und hörbar unwillig.

Die Felsenreitschule als Hort des Neuen

Christopher Maltman (Œdipe) | Bildquelle: Monika Rittershaus / Salzburger Festepiele Enescus "Oedipe" bei den Salzburger Festspielen 2019 | Bildquelle: Monika Rittershaus / Salzburger Festepiele Als uneingeschränkt erfolgreich erwiesen sich hingegen Händels "Alcina" mit Cecilia Bartoli (eine Übernahme von den Pfingstfestspielen) und Richard Strauss' "Salome" mit Asmik Grigorian – ein Gesamtkunstwerk. Romeo Castellucci schuf einen düster-intensiven Bilderreigen in der teilweise zugemauerten Felsenreitschule. Die Produktion hatte letztes Jahr Premiere und auch heuer erwies sich die Felsenreitschule als Hort des Neuen, Ungewohnten, Ergreifenden. Gesamtkunstwerker Achim Freyer inszenierte dort nämlich George Enescus "Oedipe" als sinnliches Spektakel mit Masken, Ritualen, Farbräuschen – Ingo Metzmacher lieferte aus dem Graben dazu Kunstvolles, Erregendes, die Wiener Philharmoniker musizierten auf der Sesselkante, Christopher Maltman in der Titelpartie führte ein durchgängig erstklassiges Ensemble an.

Leichte Seite des Mythos

Der überall und immer gern gebuchte Barrie Kosky zeichnete mit Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt" für den leichteren Beitrag zum heurigen Grundthema Mythos verantwortlich. Herausgekommen ist eine schrille Revue mit toller Choreographie (Otto Pichler), leider eher kalter Revueästhetik samt Glitzerpimmeln, sehr launigem, jedoch eher unfranzösischem Gesamtklang (Enrique Mazzola mit den Wiener Philharmonikern) – beim Publikum war es allerdings vermutlich die beliebteste Produktion.

Fazit: Ein guter aber nicht herausragender Sommer. Ein bisschen Luft nach oben bleibt.

Sendung: "Leporello" am 28. August 2019 ab 16.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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