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Pianist Alexandre Kantorow Debüt bei Salzburger Festspielen

Er gewann 2019 den Tschaikowsky-Wettbewerb, nun tritt der französische Pianist Alexandre Kantorow erstmals bei den Salzburger Festspielen auf. Mit dem Geiger Renaud Capuçon wird er am 10. August alle Violinsonaten von Johannes Brahms aufführen.

Der Pianist Alexandre Kantorow | Bildquelle: Sasha Gusov

Bildquelle: Sasha Gusov

BR-KLASSIK: Alexandre Kantorow, Sie spielen bei den Salzburger Festspielen gemeinsam mit dem Geiger Renaud Capuçon alle drei Violinsonaten von Johannes Brahms. Was lernt man dabei über Brahms?

Alexandre Kantorow: Diese Reise zeigt die unterschiedlichen Facetten seines Charakters. Brahms hat die Sonaten ja nicht als Zyklus geschrieben, sie entstanden aber alle in der zweiten Hälfte seines Lebens. Die 1. Sonate ist sehr meditativ, nach innen gerichtet. Die drei Sätze der 2. Sonate sind quasi drei Lieder, sehr hell, sehr spaßig, wie zum Tanzen geeignet. Und in der 3. Sonate wird’s episch – und kämpferisch, wie ein großer wilder Streit samt Drama, auch ein bisschen Sarkasmus, man meint, das 1. Klavierkonzert scheint nicht weit weg. Also am Ende kann man vielleicht Seele und Innenleben von Brahms ein bisschen besser kennenlernen.

BR-KLASSIK: Man könnte meinen, Brahms erfüllt mit seiner Musik sehr stark das Klischee der Deutschen: Sehr ernst zu sein, wenig spaßig, sehr dramatisch, sehr wuchtig. Wie empfinden Sie seine Musik?

Alexandre Kantorow: Brahms ist wie andere Künstler auch in erster Linie ein Mensch, der sich im Laufe seines Lebens veränderte, der unterschiedliche Ideen und Inspirationsmomente hatte. Und klar, Brahms kann schon schwer sein, streng, vermeintlich verkopft. Aber er war auch fasziniert von den traditionellen Tänzen, hat populäre Melodien immer wieder einfließen lassen und kann so zärtlich und himmlisch leicht sein. Also letztendlich ist es doch die ganze menschliche Bandbreite.

Festspielzeit auf BR-KLASSIK

Am 1. September 2023 ab 18:05 Uhr sendet BR-KLASSIK den Konzertmitschnitt mit Renaud Capuçon und Alexandre Kantorow im Radio.

BR-KLASSIK: Im August spielen Sie bei Ihren Konzerten vor allem Stücke deutscher Komponisten: Brahms, Liszt, Schubert, Beethoven. Ist da etwas, das Sie sehr reizt an deutschem Repertoire? Oder ist es Zufall?

Der Pianist Alexandre Kantorow | Bildquelle: Sasha Gusov Das deutsche Klassik-Repertoire ist sehr zentral für den französischen Pianisten Alexandre Kantorow. | Bildquelle: Sasha Gusov Alexandre Kantorow: Das deutsche Repertoire ist schon sehr zentral – aber auch Teil des Klischees, wonach russische oder generell östliche Musik für Melodie steht, französische eher für Harmonie, und die deutsche beides verbindet. Also ist sie natürlich ein wichtiger Baustein im Vokabular der Klassischen Musik und ich liebe sie sehr. Aber ich bin immer auf der Suche nach Abwechslung, vor Salzburg spiele ich unter anderem das 1. Klavierkonzert von Rachmaninow. Es kann gar nicht genug Repertoire geben…

BR-KLASSIK: Das Konzert mit Renaud Capuçon am 10. August wird Ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen sein. Sind Sie schon nervös?

Alexandre Kantorow: Nein, nervös nicht. Das kommt erst am Tag des Konzerts. Ich bin natürlich aufgeregt, selbst Teil dieses unglaublichen Festivals sein zu dürfen. Bisher hatte ich nur ab und zu eine Produktion gesehen. Aber das ist wirklich eine Ehre, hier zu spielen. 

Ich bin aufgeregt, selbst Teil dieses unglaublichen Festivals sein zu dürfen.
Pianist Alexandre Kantorow über sein Debüt bei den Salzburger Festspielen

BR-KLASSIK: 2019 haben Sie den Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau gewonnen, das hat Ihrer Karriere einen absoluten Schub gegeben. Würden Sie heute unter den derzeitigen politischen Bedingungen noch hinfahren zu diesem Wettbewerb?

Alexandre Kantorow: Naja, bedauerlicherweise nicht. Der Tschaikowsky-Wettbewerb ist nun einmal staatlich, und die Situation heute ist natürlich ganz anders als damals. Unabhängig von der langen, großen Tradition dieses Wettbewerbs kann ich heute natürlich nicht mehr teilnehmen, logisch. Aber ich hoffe sehr, dass wir ihn wieder so erleben können, wie wir ihn in Erinnerung haben. Bis dahin müssen wir warten und kämpfen.

Das Interview führte Falk Häfner für BR-KLASSIK.

Sendung: "Leporello" am 9. August 2023 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK
"Festspielzeit" am 1. September 2023 ab 18:05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (1)

Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Donnerstag, 10.August, 02:44 Uhr

K. W.

Alles subjektiv?

"Die drei Sätze der 2. Sonate sind quasi drei Lieder, sehr hell, sehr spaßig"

Das kann ja wohl nicht sein Ernst sein. Ich habe die zweite Violinsonate immer als die melancholischste der drei empfunden. Spaßig? Gut, dass ich keine Karten habe...

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