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Zum Valentinstag Liebeserklärungen in der Oper

Zu Hause bei Kerzenschein, beim Spaziergang im Englischen Garten oder beim ZOOM-Meeting im Home Office? Ort und Zeit von Liebesbekundungen wollen wohl überlegt sein. Holen Sie sich doch zum Valentinstag mal Anregungen in der Oper - meint Michael Atzinger.

Anna Netrebko und Rolando Villazon 2005 bei den Salzburger Festspielen in "La Traviata". | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Schmetterlinge im Bauch, zitternde Knie, Herzklopfen, Zwischenstation auf Wolke sieben. Und die Frage: Wie sag ich's ihr? Oder ihm? "Ich liebe dich" - drei magische Worte, die uns so schwer über die Lippen kommen. Frauen sagen sie in einer neuen Beziehung statistisch gesehen nach einem halben Jahr, Männer nach drei Wochen. Noch schneller geht's in der Oper. Der Dichter Rodolfo in Puccinis "Bohème" knetet bereits nach ein paar Minuten das eiskalte Händchen seiner hübschen Nachbarin Mimì. Erst braucht sie Licht für ihre Kerze, dann verliert sie ihren Wohnungsschlüssel. Und der Zugwind bläst die Flamme aus. Ich glaube ja nicht an Zufälle...

Nutze den Augenblick!

Was lernen wir von Mimì und Rodolfo? Nutze den Augenblick! Fass dir ein Herz! Und wenn du mündlich nicht so gut drauf bist, dann schreib einen Brief. Kann allerdings schiefgehen: "Wie soll ich beginnen? Was soll ich Ihnen schreiben? Wie soll ich's Ihnen sagen? Ich bin so müde und kann doch nicht schlafen. Sie werden mich nicht verstehen. Ich habe mich verliebt in Sie. Mein Gott, was schreib' ich da?!", singt Tatjana in Peter Tschaikowskys "Eugen Onegin". Eine ganze Nacht sitzt sie über ihrem Liebesbrief. Und sie wird sich lange schämen, dass sie diesem arroganten Schnösel Eugen Onegin ihr Herz ausgeschüttet hat.

Kostspielige Eroberungen

Michael Atzinger | Bildquelle: BR/Silke von Walkhoff BR-KLASSIK-Moderator Michael Atzinger | Bildquelle: BR/Silke von Walkhoff Wenn eine Frau erobert werden soll, geht Schmuck eigentlich immer – wie in Gounods "Faust" oder in Hindemiths "Cardillac". Männer sind in der Regel weniger kostspielig: In Pietro Mascagnis "Amico Fritz" weiß Suzel, wie sie den Titelhelden, einen eingefleischten Junggesellen, zu einem Liebesgeständnis bringen kann: mit einem Korb Kirschen. Suzel meint es ehrlich mit ihrem Fritz. Das kann man von Dalila nicht behaupten: Ihr Liebesschwur im zweiten Akt ist so schön wie falsch. Und nur Werkzeug ihrer Rache, da Samson sie einst verlassen hat. Als er ihr sein "Je t‘aime" entgegen singt, hat sie schon die Schere in der Hand, um ihm seinen verdienten Kurzhaarschnitt zu verpassen und ihn so seiner Macht zu berauben.

Bindungsangst in der Oper

"Wo ich Herr bin, wirst du Herrin sein und wirst gebieten, wo ich der Gebieter bin." Mit diesen rätselhaften Zeilen Hugo von Hofmannsthals beginnt die Liebesgeschichte von Arabella, der Tochter des verarmten Rittmeisters, und dem vermögenden Mandryka. Und man fragt sich die ganze Zeit, ob da nicht eher das Geld als die Liebe die Brautleute "auf Zeit und Ewigkeit" zusammenhält? "Wir wohnen Wort an Wort. Sag mir Dein liebstes, Freund. Meines heißt Du." So dichtete Rose Ausländer – und so sollte es im Idealfall sein. Don José wäre so gern glücklich mit seiner Carmen. Aber ihr ist das zu eng. Dabei ist Bindungsangst doch eher Männersache.

Fürs Poesiealbum

Ich weiß noch, wie mich als Elf-, Zwölfjährigen die Anfragen meiner Klassenkameradinnen, doch was in ihr Poesiealbum zu schreiben, gnadenlos überforderten. In meiner Not griff ich öfter zu einem Liebesbekenntnis, das sich in keiner Oper findet, mit dem aber alles gesagt war und das in seiner rührenden Schlichtheit dennoch nicht eines gewissen poetischen Zaubers entbehrte: "In meinem Zimmer rußt der Ofen, in meinem Herzen ruhst nur du."

Sendung: "Allegro" am 14. Februar 2022 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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