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Salzburger Festspiele 2018 "Passion, Leidenschaft, Ekstase"

Macht ist und bleibt das zentrale Thema der Salzburger Festspiele, auch in der zweiten Saison von Markus Hinterhäuser. Doch diesmal blickt der Intendant tiefer - auf die subtilen, zwischenmenschlichen Macht-Mechanismen.

Salzburger Altstadt mit Blick auf die Burg | Bildquelle: picture alliance / Franz Pritz / picturedesk.com

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Kollegengespräch: Fridemann Leipold berichtet von der Pressekonferenz in Salzburg

Entspannte Stimmung am Mittwoch im Salzburger Haus für Mozart: Ermutigt durch den Erfolg vom vergangenen Sommer, setzt Intendant Markus Hinterhäuser seine spannende Programmatik auch in seiner zweiten Saison fort. Unter dem Motto "Passion, Leidenschaft, Ekstase" soll es 2018 ebenfalls um Machtfragen gehen - diesmal werden allerdings die subtileren, zwischenmenschlichen Macht-Mechanismen ausgelotet.

"Salome" ohne einen Tropfen Blut - mit Castellucci

Regisseur Romeo Castellucci | Bildquelle: picture-alliance/dpa Romeo Castellucci inszeniert "Salome" in Salzburg - ohne einen Tropfen Blut. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Paradebeispiel dafür ist natürlich die "Salome" von Richard Strauss, die der Bühnenmagier Romeo Castellucci "ohne einen Tropfen Blut" in seine hochartifizielle Bildsprache übersetzen wird; Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker, Asmik Grigorian, die Marie aus dem letzten "Wozzeck", gestaltet die Titelpartie. Als "Triumph des Rausches über die Vernunft" bezeichnet Hinterhäuser Hans Werner Henzes Antiken-Tragödie "Die Bassariden", die 1966 in Salzburg ihre Uraufführung erlebte. Mit der Neuinszenierung debütiert Krzysztof Warlikowski in Salzburg, Kent Nagano kehrt damit als Dirigent zurück.

Monteverdi - in unkonventioneller Neudeutung

Um die Verquickung von Macht und Erotik geht es auch in "L'incoronazione di Poppea" von Claudio Monteverdi, die - etwas überraschend nach der halbszenischen Aufführung durch John Eliot Gardiner im Monteverdi-Jahr 2017 - durch den belgischen Opern-Debütanten Jan Lauwers und seine Needcompany sicher eine unkonventionelle Neudeutung erfahren wird. Für das authentische Klangbild sorgen William Christie und sein Ensemble Les Arts Florissants; Sonya Yoncheva und Kate Lindsay verkörpern das skrupellose Paar Poppea und Nero.

"Pique Dame" mit Jansons und Neuenfels statt "Aida"

"Aida" bei den Salzburger Festspielen | Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Monika Rittershaus Anna Netrebko 2017 in der Rolle der "Aida" - bei den Festspielen 2018 doch nicht mehr im Programm. | Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Monika Rittershaus Es war ein offenes Geheimnis, dass die erfolgreiche Salzburger "Aida"-Produktion 2018 wieder aufgenommen werden sollte. Zwar war klar, dass Anna Netrebko aus Termingründen nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Aber nach der kurzfristigen Absage von Riccardo Muti, der aus Altersgründen in Salzburg künftig keine Opernproduktion mehr leiten möchte, standen die Salzburger Festspiele vor einem echten Problem: Innerhalb von nur zwei Wochen musste eine weitere Produktion aus dem Boden gestampft werden.

Ich finde die Kombination Jansons und Neuenfels so schön wie apart.
Markus Hinterhäuser, Intendant

Mariss Jansons ist der Mann der Stunde, der von der Arbeit an Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mszenk" in Salzburg derart angetan war, dass er spontan zusagte, im nächsten Sommer Peter Tschaikowskys "Pique Dame" zu übernehmen. Dass für dieses Stück über tödliche Spielsucht Regie-Altmeister Hans Neuenfels gewonnen werden konnte, der wegen seiner unflätigen "Fledermaus"-Inszenierung mit 17 Jahren Salzburg-Bann belegt wurde, ist ein Coup.

"Zauberflöte", Kafka und Bizet

Verdi "I due Foscari" konzertant, Salzburger Festspiele 2017 | Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli Plácido Domingo singt auch 2018 wieder bei den Salzburger Festspielen. | Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli Und schließlich passt für Hinterhäuser selbst Mozarts "Zauberflöte", scheinbar ein Fremdkörper, als Mikrokosmos der verhandelten Menschheitsfragen nahtlos in sein Konzept. Und Mozart ist für Salzburg ja immer ein "must". Die amerikanische Opernregisseurin Lydia Steier inszeniert, der für seinen Münchner "Figaro" hochgelobte Constantinos Carydis dirigiert - und noch überraschender: Der Bariton Matthias Goerne singt den Sarastro. Der 100. Geburtstag von Gottfried von Einem, einst Mitglied des Festspiel-Direktoriums, wird mit einer konzertanten Aufführung seiner Kafka-Oper "Der Prozess" gewürdigt - und zu Ehren von Plácido Domingo haben die Salzburger Festspiele Georges Bizets "Les Pêcheurs de perles", ebenfalls konzertant, ins Programm genommen.

Auftakt mit Pendereckis "Lukaspassion"

Hochambitioniert startet die "Ouverture spirituelle" mit Krzysztof Pendereckis epochaler "Lukaspassion". Penderecki feiert 2018 seinen 85. Geburtstag. Der Chor des Bayerischen Rundfunks steuert Passionsmusik von Franz Liszt bei und wirkt in Mahlers "Auferstehungssymphonie" unter Andris Nelsons mit. Neugierige Festspielbesucher können "Zeit mit Galina Ustwolskaja" und "Zeit mit Beat Furrer" verbringen. Aus dem wie immer glamourösen Konzertprogramm mit Pultstars wie Muti, Blomstedt, Rattle oder Barenboim ragt ein kompletter Beethoven-Zyklus mit dem Querdenker Teodor Currentzis und seinen musicAeterna-Ensembles heraus - und man kann den künftigen Chef der Berliner Philharmoniker Kirill Petrenko mit seinem neuen Orchester in zwei verschiedenen Programmen erleben.

Stimmiges spartenübergreifendes Konzept

Intendant Markus Hinterhäuser | Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Franz Neumayr Markus Hinterhäuser leitet 2018 die Salzburger Festspiele in seiner zweiten Saison als Intendant. | Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Franz Neumayr Das Bestechende an Hinterhäusers Konzept ist die stimmige Bündelung von Events über die Sparten hinweg - Beliebigkeit ist sicher das Letzte, was man ihm vorwerfen kann. So schlagen die antiken Opernsujets eine Brücke zum Schauspiel-Programm von Bettina Hering, das Kleists blutrünstige "Penthesilea" mit Sandra Hüller und Jens Harzer ebenso bietet wie das Schlachtengemälde "Die Perser" des Aischylos in der Aktualisierung des preisgekrönten Münchner "Räuber"-Regisseurs Ulrich Rasche. Und Frank Castorf dramatisiert mit einem Teil seines ehemaligen Volksbühnen-Ensembles wieder mal einen großen Roman, "Hunger" von Knut Hamsun. Hinterhäusers Programm hat Anspruch und Profil, ohne die Leute zu vergraulen - da sei schon der aufgefrischte "Jedermann" mit Publikumsliebling Tobias Moretti vor.

Salzburger Festspiele 2018

20. Juli - 30. August 2018
Das komplette Programm finden Sie hier.

Sendung: Leporello am Mittwoch, 8. November, ab 16.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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