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Instrument des Jahres 2024 "Tuba spielen ist wie Yoga"

Dunkler Sound, glänzendes Messing und wuchtige neun Kilo schwer: Die Tuba wurde zum Instrument des Jahres 2024 gekürt. Tubist Sven Vinzelberg erzählt, warum der Bass unter den Blechblasinstrumenten es ihm besonders angetan hat.

Eine Bass-Tuba liegt auf dem Parkettboden der Bühne im Musikinstrumentenmuseum, nachdem die Tuba als Instrument des Jahres 2024 vorgestellt worden ist. | Bildquelle: picture alliance/dpa | Soeren Stache

Bildquelle: picture alliance/dpa | Soeren Stache

Ursprünglich wurde das tiefe Blechblasinstrument für Militärkapellen entwickelt, für einen kernigen Sound beim Marschieren. Dabei bringt die Tuba neun Kilo auf die Waage! Mehr als ein Wanderrucksack mit Brotzeit und Thermoskanne. Ziemlich schnell hat sich die Tuba in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen festen Platz im Orchester ergattert. Und in Bayern gehört der auf Hochglanz polierte Messingschlauch sowieso zum Lifestyle wie der blau-weiße Himmel und das Bier. Meint auch der Tubist Sven Vinzelberg. "Ich komm vom Land, in jedem Dorf gibt's eine Blaskapelle. Und jeder Tubist, den ich kenne, ist auch in der Blaskapelle groß geworden."

Schwerer Brummer

Sven Vinzelberg spielt eine F-Tuba, sozusagen eine Standard-Tuba. Blitzblank poliert ist das Messing und überhaupt glänzt das Instrument wie überdimensionierter Weihnachtsbaumschmuck. "Vor größeren Auftritten, wenn es mir wichtig ist, poliere ich sie auch mal, meistens mit Wasser und Staubtüchern." Gespielt wird normalerweise im Sitzen, es sei denn, man hat einen Auftritt bei einem Dorffest. Dann hängt die Tuba an einer Leine, damit einem der schwere Brummer nicht auf die Füße plumpst. "Wir haben daheim immer an Palmsonntag eine Prozession begleitet", erzählt der Tubist, "und da ging es den Berg hoch zur Kirche. Jede Pause braucht man einfach, um Luft zu holen."

Alle Muskeln arbeiten mit

Auch im Sitzen braucht man für die Tuba viel Luft, aber ein extra Kardioprogramm absolviert Sven Vinzelberg trotzdem nicht. Er achtet auf eine kerzengerade Körperhaltung, während sich seine Tuba gemütlich auf den Schoß schmiegt. "Die Tuba gibt ja durch ihre Bauart die Sitzhaltung vor. Es kommt daauf an, dass die Muskeln richtig arbeiten. Die Bauchmuskeln, das Zwerchfell, die Flanken, die Rückenmuskulatur, die Hals-, Rachen- und Kiefermuskulatur, alles spielt da mit. Von der Haarspitze bis zu den kleinen Zehen ist fast alles beteiligt."

Kuriose Fakten über die Tuba

Die Tuba ist das Instrument des Jahres 2024. Tiefenentspannt sorgt sie in Bläserensembles und Orchestern für satten, dunklen Sound. Fünf kuriose Fakten über den Bass unter den Blechbläsern.

Tuba | Bildquelle: picture alliance / Shotshop | Markus Hoetzel Die Tuba ist das Instrument des Jahres 2024. | Bildquelle: picture alliance / Shotshop | Markus Hoetzel Das Anspielen eines Tones kann man im Grunde in nur fünf Minuten lernen, dafür bildet man zwischen Zwerchfell und Lippen mittels Körperspannung eine Luftsäule. Und dann muss man nur noch die Lippen zum Vibrieren bringen. "Die Tuba ist eigentlich nur ein großer 'Verstärker'", erklärt Sven Vinzelberg. Bis es dann nicht mehr wie eine Vuvuzela scheppert, sondern nach Musik klingt und Melodien aus der Tuba kommen, braucht es geduldige Nachbarn, eine schallisolierte Kabine oder ein Haus in der Einsamkeit. Sven Vinzelberg hat zu Beginn seines Studiums acht bis neun Stunden täglich gebübt, erzählt er. "Aber je mehr sich die Technik festigt, mit desto weniger Übeaufwand kommt man zurecht." Inzwischen sind es immerhin noch drei bis vier Stunden pro Tag.

Immer schön locker bleiben

Richtig komplex wird es auf der Tuba, wenn man die tiefen Register ohne Gewackel aus der Röhre holen will. "Je tiefer man kommt, desto größer wird der Spielraum. Man weiß nicht so recht, wo das Zentrum des Tones ist. Und das ist Übungssache, das rauszufinden und auch zu stabilisieren." Genau diese tiefen, sonoren, warmen Klänge sind es, die Sven Vinzelberg an der Tuba liebt. "Mich erdet das persönlich immer, ich fühl mich da wohl, auch technisch. Das allerwichtigste ist eigentlich, dass man nicht verkrampft. Tuba spielen ist wie Yoga."

Das Projekt "Instrument des Jahres"

Seit 2008 wird durch die Landesmusikrät:innen der teilnehmenden Bundesländer jedes Jahr ein Instrument des Jahres gekürt und zwölf Monate in den Fokus gestellt. Im Jahr 2024 ist es die Tuba. Das Ziel ist es, Neugier für das Instrument zu wecken und und auf die vielen Facetten der Tuba aufmerksam zu machen.

Ein bisschen fragt man sich da schon, wie Haydn, Mozart und Beethoven ohne Tuba überhaupt komponieren konnten. Für Sven Vinzelberg ist jedenfalls klar: So richtig würdevoll klingt ein Orchester erst, wenn eine Tuba dabei ist. "Wie Faust gesagt hat: 'Das ist das, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält'. So empfinde ich das immer."

 Sendung: "Leporello" am 11. Januar 2024 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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