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Sonntag, 07.01.2024

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Mal mehr, mal weniger erfolgreich: die Weinjahrgänge | Bildquelle: colourbox.com

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BR-KLASSIK - Musik der Welt

Welt, Musik und Essen

Features, Reportagen und Interviews. Ein internationales Autoren-Team präsentiert Musik rund um den Globus, vom Porträt bis zum  Konzertmitschnitt.

Passen Musik und Essen eigentlich zusammen, stört das Essen, das Geklapper der Messer und Gabeln, die Gespräche, der Wein die Musiker nicht? Wird Musik beim Essen zur Nebensache degradiert? Oder entsteht gar ein Gesamtkunstwerk, wenn Geschmackssinn und Gehör gleichzeitig kunstvoll aktiviert werden? Musik und Speiserei: Das sogenannte Tafelkonfekt mit feiner Kammermusik wurde einst an den fürstlichen Höfen Europas gespielt, während im Wirtshaus die Schrammelmusik aufspielte. Interessant dabei: Im asiatischen Raum, in Indochina waren die Fideln - Streichinstrumente, die es in jedem Land gibt - nur was fürs einfache Volk, bei Hofe zeitweise verpönt, nicht zugelassen im fürstlichen Speisezimmer. Im Europa des 18.Jahrhunderts dagegen kam auch die Zigeunergeige en vogue. Der russische Graf von Orlovsky holte 1774 Zigeunermusik an seinen Hof nach Sankt Petersburg und machte sie damit mit einem Schlag berühmt. Plötzlich kamen lange bunte Röcke und Gypsy-Lifestyle in Mode, man aß und trank - und sang und kleidete sich dabei "alla tzigane". Russland lag im Gypsyfieber, und das tut es bis heute. Übrigens: Während wir in feiner Abendgarderobe in die Oper gehen, und höchstens in der Pause im Foyer ein Gläschen trinken, wurde früher in englischen Opernhäusern der Barockzeit heftig gegessen im Parkett. Und nicht nur damals. Meine Großmutter erzählte noch, wie ihr in der Oper in Leipzig in den dreißiger Jahren einst ein Butterbrotpapier vom Balkon aufs Abendkleid geschwebt kam. So lange also ist das Essen in der Oper gar nicht her... und es kommt ja längst wieder in Mode.
Wiederholung vom 14. Januar 2015

Konzert, Ritual und Speiserei
Von und mit Friederike Haupt

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