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BR-KLASSIK feiert Beethovens 250. Geburtstag

Wie Igor Levits Klavierpodcast "32 x Beethoven" entsteht Am Flügel auf Reisen

Der große Charme beim Radio- und Podcast-Machen: Anders als bei einer Fernsehproduktion ist der Aufwand überschaubar. Trotzdem ist die Produktion von "32 x Beethoven" eine Herausforderung. Schließlich ist Igor Levit ständig auf Reisen. BR-KLASSIK-Redakteur Bernhard Neuhoff hat die Reihe initiiert – und erzählt, was alles dazu gehört, um Beethovens Welt in einem "Klavierpodcast" lebendig zu machen.

Igor Levit am Klavier | Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Trailer: 32 x Beethoven

Igor Levits Klavierpodcast

Seine Twitter-Begeisterung ist legendär: Igor Levit liebt den Kurznachrichtendienst. Und da er ein ausgesprochen politischer Mensch ist, setzt er manchmal wenige Minuten vor Konzertbeginn noch einen meinungsstarken Tweet ab. So beginnt die Geschichte von "32 x Beethoven", wie es sich für Levit gehört: auf Twitter.

Kontaktaufnahme via Twitter

Dort folgen wir uns seit Jahren gegenseitig. Im April 2018 frage ich ihn per Direktnachricht, ob er Lust auf einen Beethoven-Podcast hätte. Schließlich gibt es keinen anderen Künstler der jungen Generation, der diese Musik so verinnerlicht hat und sie so lebendig und perspektivenreich erklären kann. Vor allem, wenn er dabei am Klavier sitzt, seine Gedanken spontan mit Klangbeispielen illustrieren kann und einen inspirierenden Gesprächspartner hat, dem er vertraut.

Gemeinsame Arbeit mit Produzent Anselm Cybinski

Der ist mit Levits Freund, dem Autor und Festival-Intendanten Anselm Cybinski, schnell gefunden. Die beiden kennen sich, seit Cybinski, damals Executive Producer bei der Sony, Levits erste CD produzierte. Zu hören darauf: die späten Sonaten von Ludwig van Beethoven. Damals hatte es Cybinski einige Gespräche gekostet, um das Management des Plattenlabels von diesem jungen, noch unbekannten Pianisten zu überzeugen. Heute schmückt sich das Label mit seinem Klavierstar, der den kompletten Sonaten-Zyklus im Beethoven-Jahr in den renommiertesten Sälen und bei den wichtigsten Festivals spielt – von der Elbphilharmonie bis zu den Salzburger Festspielen.

Mittlerweile hat Cybinski, der ursprünglich Geiger ist, die Sony längst verlassen. Nach einer Zwischenstation im Management des Münchner Kammerorchesters ist er heute Intendant des Festivals Niedersächsische Musiktage. Befreundet sind die beiden noch immer – und das Gespräch über Beethovens Musik ist nie abgerissen in all den Jahren.

In vielen Gesprächen konkretisiert sich die Podcast-Idee. Jetzt geht es um Termine, Räume, Instrumente. Alle Beteiligten zur gleichen Zeit in den gleichen Raum vor einen Flügel zu bekommen – das ist nicht kleinste Herausforderung bei diesem Projekt. Schließlich ist Igor Levit fast ständig auf Konzertreise.

Erste Aufnahme-Session in Düsseldorf

Die erste Aufnahme-Sitzung findet Anfang November 2019 in Düsseldorf statt. Am Ende einer wochenlangen Tournee mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra kommt Levit an einem Samstag-Morgen um halb 10, noch etwas müde vom gestrigen Konzertabend, in den kleinen Saal der Düsseldorfer Tonhalle. Der Flügel ist frisch gestimmt, der Toningenieur hat die Mikrophone bereits aufgebaut. Je eines für die beiden Gesprächspartner, zwei weitere für den Flügel.

Ein riesiges Glasfenster gibt den Blick auf das Rheinufer frei. Langsam sieht man die Lastkähne vorüber schippern, während sich Levit am Flügel warm spielt. Und das nicht etwa mit Beethoven, den wird er später aus dem Ärmel schütteln, sondern mit dem höllisch schweren Klavierkonzert von Ferruccio Busoni – einfach, weil ihn das Stück gerade fasziniert und er uns unbedingt etwas von seiner Begeisterung mitteilen möchte.

Nähe und Unmittelbarkeit

Nach ein paar einleitenden Absprachen geht es dann los: Für jede Sonate gibt es eine Ideensammlung, die Cybinski auf einem Din-A-4-Blatt komprimiert hat. Ein kurzer Blick darauf, dann springen die beiden ins Wasser. Wohin sie der Ideenstrom tragen wird, ist nie ganz vorhersehbar – das macht die Gespräche so lebendig, so inspiriert und spontan. Eine Situation, wie man sie sich als Redakteur erträumt: Es gibt Nähe und Unmittelbarkeit, es gibt die größtmögliche Spontanität und Offenheit, verbunden mit maximaler inhaltlicher Konzentration auf ein Thema. Und es gibt so viel zu entdecken in dieser wunderbaren Musik!

Making-of ... "32 x Beethoven" | Bildquelle: bernhard Neuhoff Anselm Cybinski und Igor Levit | Bildquelle: bernhard Neuhoff Die nächste Aufnahme-Session Mitte Dezember bringt noch mehr Intimität: Diesmal treffen wir uns bei Levit zuhause. In seiner Berliner Wohnung steht ein ganz besonderer Flügel, ein wunderschön klingendes Instrument: Auf ihm hatte einst der große Beethoven-Interpret Edwin Fischer gespielt. Der Toningenieur hat seinen Laptop nebenan auf dem Küchentisch aufgestellt. Diesmal ist auch ein VJ dabei, der zwei Kameras aufgebaut hat. Es gibt Kaffee und Kekse – und dann tauchen wir ein in Opus 10. Drei Sonaten, die Beethovens schier unendliche Möglichkeiten demonstrieren. Ich sitze auf dem Parkett wenige Meter vom Flügel entfernt – und bekomme aus nächster Nähe mit, wie sich die Gesprächspartner die Ideen zuspielen und die Hände über die Tastatur fliegen. Die Reise geht weiter – ich freue mich drauf!

Podcast "32 x Beethoven"

Den Podcast "32 x Beethoven" finden Sie hier, in der ARD Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt – von Spotify bis Apple Podcast. Außerdem im Radio auf BR-KLASSIK immer dienstags um 19:05 Uhr. Im Anschluss daran die gesamte Sonate in der Einspielung von Igor Levit. Eine Kurzfassung hören Sie immer dienstags um 16:15 im Musikmagazin Leporello.

32 x Beethoven in BR-KLASSIK

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