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10. Oktober 1948 - Bernsteins "La bonne cuisine" wird uraufgeführt Ochsenschwanz mit Bernstein

Unkonventionelle Songs mit ironischem Blick auf die Kunstliedtradition und einem Gruß an die Neue Sachlichkeit bietet Leonard Bernstein in "La bonne cuisine". Und hinter jedem Lied hat er ein köstliches Rezept versteckt.

Leonard Bernstein mit Kochlöffel | Bildquelle: picture-alliance/dpa - Montage BR

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Plumpudding, Queue de bœuf, Tavouk Gueunksis und Civet à toute vitesse – die Delikatessen sind international: Sie reichen vom traditionellen Weihnachtskloß aus England, einem Ochsenschwanzgericht und einer türkischen Süßspeise aus Hühnerbrust, Milch und Zucker bis zum schnell gezauberten französischen Kaninchen in Rotwein. Leonard Bernstein hat sich aus einem alten Kochbuchklassiker aus dem Jahr 1899 bedient. Der Titel: "La bonne cuisine française" von Emile Dumont.

Unkonventionelle Songs zu Kochrezepten

Der Gourmet fand das Buch zufällig in einem gemieteten Haus in Tanglewood. Was für ein Spaß allein, die sachlichen Kochanweisungen wie Poesie zu rezitieren! Jetzt sind vier davon "eingelegt" in Musik. Das Publikum ist angetan von den unkonventionellen Songs mit dem kleinen ironischen Blick auf die Kunstliedtradition und einem Gruß an die Neue Sachlichkeit: an Milhaud und Eisler, die sogar Anleitungen landwirtschaftlicher Maschinen und Zeitungsausschnitte in Musik gesetzt haben.

Dumont, Émile - Buchseite aus "La bonne cuisine française" | Bildquelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France Dumont, Émile: Buchseite aus "La bonne cuisine française" | Bildquelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France
"Deux cents cinquante grammes de raisins
Deux cents cinquante grammes de raisins de Corinthe
Deux cents cinquante grammes de graisse de rognon de bœuf
Et cent vingte cinq grammes de mie de pain émiéttée."

(Ausschnitt aus dem Rezept für Plumpudding)

Bernstein gibt detaillierte Anweisungen

Für Widmungsträgerin Jennie Tourel, mit der Bernstein seinen Liederzyklus "I hate Music" uraufgeführt hat, hinterlässt Bernstein detaillierte Anweisungen in der Partitur: Mal fordert er absolute Präzision ohne Ausdruck, mal soll sie "matematico, declamando" singen, passend zur rhythmisch monotonen Aufzählung der Zutaten und den beharrlichen Repetitionsphrasen im Klavier. Nur beim auskomponierten Atemholen oder besonders wichtigen Hinweisen für den Koch darf der Tonfall geändert werden. Und: Wenn der Versuch gelingen soll, den Koch mit verführerischem Charme zu dem eher unbekannten Ochsenschwanzrezept zu überreden. Im Kaninchen-Song für überraschend auftauchende Gäste zählt dann wieder jede Sekunde. Eile ist geboten. Noch eine genießerische Pause beim Öffnen des Rotweins! Dann wird serviert.

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