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5. Juli 1965 – Maria Callas' letzter Opernauftritt Noch einmal ein Triumph als Tosca

Die Karriere von Maria Callas dauerte nur 13 Jahre. Der renommierte Dirigent Tullio Serafin hatte die 23-Jährige in New York bei einem Vorsingen gehört und sie vom Fleck weg für die Oper "La Gioconda" von Amilcare Ponchielli in Verona engagiert: ihr Durchbruch. Es folgten gewaltige Auftritte. Und die Ausstrahlung der Callas wirkte weit über die Opernwelt hinaus. Nie zuvor hatte eine Sängerin mit ihrer Stimme die Menschen so fasziniert und gerührt. Die Callas war ein Phänomen - und auch ihr letzter Opernauftritt wurde zum Ereignis.

Maria Callas mit Renaot Cioni, Tosca, Royal Covent Garden, 5. Juli 1965 | Bildquelle: picture alliance / AP Images

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Für die Karriere von Maria Callas war Italien ein wichtiges Land. Dort lernte sie den älteren Industriellen Giovanni Battista Meneghini kennen, der ihr Agent und Manager und drei Jahre später auch ihr Ehemann wurde. Und in Italien wurde sie auch über Nacht zum Star: 1949 sprang sie in Venedig für eine erkrankte Kollegin ein. In nur sechs Tagen lernte sie damals die Hauptrolle der Elvira in Bellinis Oper "I Puritani". Mit diesem Rollendebüt hatte die Callas sich den Weg in ihr Stimmfach geebnet: den Belcanto.

Projektionsfläche für Sehnsüchte

Maria Callas revolutionierte den Operngesang, stimmlich und darstellerisch und setzte damit neue Standards. Sie lebte ihre Figuren ohne Schamgrenze, entblößte sich bis zur Identifikation, bis ins Private. Was sie nicht trennte, vermischte auch ihr Publikum. Die Callas wurde zur Projektionsfläche der eigenen Sehnsüchte. Und zur öffentlichen Figur: Diät, Stimmkrise, Scheidung.

Letzter Auftritt als Tosca

Maria Callas mit Tito Gobbi (2. von links) und Renato Cioni (rechts), Tosca, 5. Juli 1965, London, Covent Garden | Bildquelle: picture alliance / AP Images Maria Callas mit Tito Gobbi (2. von links) und Renato Cioni (rechts), am 5. Juli 1965 | Bildquelle: picture alliance / AP Images Insgesamt 51 mal ist sie als Tosca aufgetreten. 22 Jahre lag ihr Athener Rollendebüt zurück, als die berühmte Londoner Produktion von Franco Zeffirelli herauskam. Die siebente und letzte Aufführung der Serie war 1964 sogar im Fernsehen übertragen worden. Im Jahr darauf sang die Callas die Tosca noch neun Mal an der Pariser Opéra - und zweimal an der MET in New York, bevor es zu ihrem ultimativ letzten Opernauftritt kam: als Tosca in London. Der Franzose Georges Prêtre stand wieder am Pult, wie zuvor in Paris. Und natürlich war Tito Gobbi erneut der bewährte Partner der Callas, als Polizeichef Scarpia. Wie meinte der Bariton doch nach dem Ableben der Primadonna assoluta des 20. Jahrhunderts:

Ich glaubte immer, dass sie unsterblich sei – und sie ist es!
Tito Gobbi über Maria Callas nach ihrem Tod

Einmalige Intensität und enorme Expressivität

Ein Callas-Afficionado wie der Autor und Musikwissenschaftler Attila Csampai bezeichnet das musikalische Timing seines Idols als "absolut archaisch", und sieht es "aus altem matriarchalischen Urwissen gespeist". Cecilia Sophia Anna Maria Kalogeropoulos (wie die Callas mit bürgerlichem Namen hieß), die als Tochter griechischer Eltern in New York zur Welt kam, verstand es auch und gerade nach diversen Lebens- und Stimmkrisen, einen magisch emphatischen Leidensdruck zu suggerieren, der für eine einmalige Intensität sorgte.

Zum Markenzeichen der Callas wurde ihre enorme Expressivität, klar und geradlinig entwickelt im Einklang mit der Musik und aus ihr heraus. Gerade wenn es um Tosca ging, die Sängerin im Rom des Jahres 1800, erreichte die Callas eine schwindelerregende Unbedingtheit des Ausdrucks. Im Kostüm dieser Bühnenfigur lieferte sie veritable Klanggebärden, als Resultat eines großen Gespürs für das dramatisch "richtige" Singen.

Maria Callas singt Puccini: "Vissi d'arte" aus Tosca, Covent Garden 1964

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