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11. Juli 1912 - Sergiu Celibidache wird geboren Ein Großer und ein Schwieriger

Rumänischer Staatspräsident hätte er werden sollen, wenn es nach seinem Vater gegangen wäre. Doch der junge Sergiu Celibidache entschied sich stattdessen für die Musik. Sein weltweites Publikum konfrontierte er mit bis dahin noch nie gehörten Klangwelten und erntete dafür sowohl enthusiastische Jubelstürme als auch verständnislose Kritik.

Sergiu Celibidache | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Was heute geschah zum Anhören

Es dauerte ungewöhnlich lange, bis das Kind sprechen lernte. Doch dann erwies es sich als hochbegabt. Der Vater, ein Kavallerieoffizier, setzte sich in den Kopf, dass sein Sohn eine politische Karriere einschlagen sollte. Doch der junge Celibidache studierte stattdessen Mathematik, Philosophie und Musik – in Bukarest, Paris und ab 1935 in Berlin.

Celibidache bei den Berliner Philharmonikern

Dort begeisterte Sergiu Celibidache sich für Wilhelm Furtwänglers Konzerte mit den Berliner Philharmonikern – und für den Zen-Buddhismus. Unmittelbar nach Kriegsende bekam er seine große Chance, Furtwängler hatte Auftrittsverbot. Der Interims-Dirigent der Philharmoniker, Leo Borchardt, wurde aus Versehen von einem Besatzungssoldaten erschossen. Da luden die Berliner Philharmoniker den völlig unbekannten jungen Rumänen ein. Er wurde zum Retter in der Not – und künstlerischer Leiter. Doch als Furtwängler 1955 starb, machten ihn die Berliner nicht zum Nachfolger, wie er gehofft hatte. Stattdessen wählten sie Herbert von Karajan, was Celibidache nie verwinden wird. Erst in den Jahren nach 1979, als er die Münchner Philharmoniker übernahm, entschädigte ihn der späte Ruhm für diese frühe Kränkung.

Eine ganz eigene Philosophie

Mich interessiert, ob das, was ich mache, in Ihnen was hinterlassen hat.
Sergiu Celibidache

Sergiu Celibidache | Bildquelle: picture-alliance/dpa Sergiu Celibidache, 1994 | Bildquelle: picture-alliance/dpa Er wollte, dass die Töne weg von der physikalischen Bedeutung kommen. Das klingt ein wenig rätselhaft. Celi, wie er von Anhängern und Skeptikern genannt wurde, hatte seine eigene Philosophie. Wenn er dann aber mit seinen Münchner Philharmonikern Tschaikowsky oder Bruckner spielte, war das Ergebnis alles andere als nebulös oder weihrauch-verhangen, sondern ganz im Gegenteil von äußerster Klarheit.

Musik aus dem Augenblick

Plattenaufnahmen lehnte Celi strikt ab. Musik musste für ihn stets aus dem Augenblick entstehen. Doch zum Glück für die Nachwelt gibt es Live-Mitschnitte des Bayerischen Rundfunks. Nach seinem Tod 1996 wurden sie veröffentlicht: Da gibt es Sternstunden, aber auch Dokumente, bei denen man respektvoll den Kopf schüttelt. Doch Celis oft zeitlupenhaft langsame Tempi dienten immer der Deutlichkeit. Was konnte man da nicht alles hören! Wo andere nur auf die Melodie achten, legte er die Mittelstimmen frei. Nichts unter den Tisch fallen lassen - das war Celis unvergleichliche Kunst. Ein Großer und ein Schwieriger.

Sergiu Celibidache: "Man will nichts, man lässt es entstehen" (Dokumentarfilm)

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