Venedig, 06. Mai 1854. La Traviata von Giuseppe Verdi wird zum zweiten Mal aufgeführt – diesmal erfolgreich.
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Nein, das erste Mal war es nichts, damals, ein Jahr vorher. Ein Fiasko. Allein schon die Geschichte: eine Femme fatale aus der Pariser Halbwelt als Titelfigur einer Oper? Eine "Escort Lady", wie man sie heute nennen würde, eine Kurtisane? Die leidet, sich opfert und stirbt, und das alles nur, damit sie der italienischen feinen Gesellschaft den Spiegel vorhalten kann, also die eigene provinzielle Doppelmoral?
Und dann der Tenor, der den Liebhaber Alfredo singt – langweilig sei er, richtig eintönig. Und wacklig im Ton. Und die Hauptfigur Violetta, die an der Schwindsucht zugrunde geht. Gut, sie singe ganz schön, aber sei viel zu dick für die Rolle. So jemand soll an Schwindsucht sterben? Die Leute lachen bei der Premiere. Bodyshaming pur.
Giuseppe Verdi ist konsterniert. Da hat er sich mit vollem Elan an die Arbeit gemacht, um die tragische Geschichte der Kameliendame zu vertonen, die er bei Alexandre Dumas gelesen hatte. Eineinhalb Monate nur brauchte er für die Komposition! Und diebisch gefreut hatte er sich, seine vielleicht beste Musik für eine provokative Story zu erfinden. Begeistert war er gewesen: "Das ist ein Stoff unserer Zeit", sagte er. "Ein anderer hätte es vielleicht nicht gemacht, wegen der Sitten, der Zeit oder sonst welchen törichter Skrupel. Mir hat die Arbeit unglaublich Spaß gemacht." Und jetzt lacht das Publikum das Publikum bei der Premiere!
Also zurück auf null, ein paar Änderungen in der Partitur und vor allem: eine andere Besetzung. Und? Jawoll! Jetzt sind sie doch überwältigt von der Musik! Und jetzt sind sie auch gefangen von Violettas Liebes- und Leidensgeschichte! So steht, denkt sich Verdi, der Traviata nichts mehr im Wege, eine seiner berühmtesten Opern zu werden. Und so kam es!
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La Traviata: “Libiamo, ne’ lieti calici”
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Sendung: "Allegro" am 06. Mai 2025 ab 06:05 Uhr auf BR-KLASSIK
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