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Was heute geschah - 9. September 1951 Leonard Bernstein heiratet

Boston, 9. September 1951. Leonard Bernstein heiratet die Bühnen- und Filmschauspielerin Felicia Montealegre – in einem maßgeschneiderten weißen Anzug, den ihm der kürzlich verstorbene Dirigent Serge Koussevitzky vermacht hat. Seltsam sieht der Bräutigam darin aus, weder Hose noch Jacke sitzen richtig. Aber vielleicht passt das ja gerade…

Leonard Bernstein und seine Frau Felicia Montealegre im Jahr 1959 | Bildquelle: New York Philharmonic Archives

Bildquelle: New York Philharmonic Archives

Denn Bernstein hat es sich nicht leicht gemacht mit der Entscheidung. Obwohl Felicia der einzige Mensch ist, mit dem er sich ein Zusammenleben vorstellen kann. Schon auf der Party des chilenischen Pianisten Claudio Arrau vor fünf Jahren hatte ihn die zarte intelligente Frau sofort fasziniert: schön, humorvoll, warmherzig, als Pianistin ebenso begabt wie als Schauspielerin. Trotzdem wurde die erste Verlobung ein Reinfall: zu viele Reisen, zu groß der Reiz eines alternativen homosexuellen Lebensstils, zu wichtig die Karriere. Jetzt will es Bernstein noch einmal wagen: "Ich liebe sie, trotz all der Blockaden, die meinen Liebesmechanismus ständig behinderten", bekennt er. "Der kleine Dämon sticht mich zwar immer noch, wenn der Augenblick günstig für ihn ist…doch die alte Bereitwilligkeit, ihm zu folgen - das ist vorbei."

Bernsteins "kleiner Dämon"

Und es sieht gut aus. Laut Klatschpresse jedenfalls: drei Kinder, ein offenes Haus, gemeinsame Produktionen – so übernahm Felicia den Sprecherpart in Bernsteins 3. Symphonie "Kaddish". Doch im Innern brodeln noch immer dieselben Probleme. 1976 kommt es zum Bruch. Der "kleine Dämon" Bernstein zieht mit seinem Studenten Thomas Cothran zusammen und entschließt sich vor einer Aufführung der 14. Symphonie von Schostakowitsch sogar zu einem unverhüllten Coming-out: "Als ich dieses Werk einstudierte, erkannte ich, dass ein Künstler, wenn der Tod sich nähert, alles eliminieren muss, was ihn daran hindert, in völliger Freiheit kreativ zu sein. Ich habe das für mich selbst auch so beschlossen, damit ich den Rest meines Lebens so leben kann, wie ich es möchte."

Rückkehr und Ende

Vier Monate lebt er ohne Felicia. Dann kehrt er zurück. Voller Schuldgefühle und allein mit der Frage: "Kann erlittenes Leid ein Grund für Krebs sein?" Wenig später erliegt seine Frau der Krankheit. Bernstein wird ihren Tod nie ganz verwinden und in den folgenden zwölf Jahren seines Lebens immer wieder betonen: "Dass es keine Minute gibt, in der ich nicht an sie denke! Sie war eine wundervolle Frau, ein Engel. Oft kommt ein weißer Schmetterling zu mir. Ich weiß, es ist Felicia."

Was heute geschah

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