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Tschaikowsky Der Wille zum Glück

BR-KLASSIK setzt seine erfolgreiche Reihe mit Hörbiografien großer Komponisten fort: Die neue Produktion, die in den beiden ersten Adventswochen 2017 erstmals ausgestrahlt wird und auch als CD-Box erscheint, gilt Peter Tschaikowsky. In neun Kapiteln vergegenwärtigt Jörg Handstein dessen Lebensgeschichte, die bis heute ein Politikum ist: Während das offizielle Russland die nationale Ikone vom vermeintlichen Makel der Homosexualität "rein" halten will, ist Tschaikowsky für viele schwule Künstler eine Identifikationsfigur.

Komponist Peter Tschaikowsky | Bildquelle: picture alliance/akg-images

Bildquelle: picture alliance/akg-images

Zahlreiche Mythen haben Tschaikowskys Bild überlagert. Die neue Hörbiografie hält sich, wie gewohnt, streng an die Originalquellen und den historischen Kontext. Oft verschwiegene Briefstellen ermöglichen einen unverstellten Blick auf den Menschen Tschaikowsky. Dargestellt wird das Leben eines Künstlers, der gegen die gesellschaftlichen Zwänge sein Glück zu finden versuchte. Eng verwoben damit ist das Werk eines Komponisten, der im Spannungsfeld zwischen Russland und Westeuropa seinen eigenen Weg fand - und dabei einzigartige, viele Menschen beglückende Musik schuf. Diese Geschichte ist auch ohne Spekulationen mehr als spannend.

Chronik

Porzellankind
1840 Geburt am 25. April in Wotkinsk, 1000 km östlich von Moskau. Vater Ilja Petrowitsch ist Bergbauingenieur.
1844 Unterricht bei der französischen Gouvernante Fanny Durbach.
1845 Erster Klavierunterricht.
1850 Eintritt in die Kaiserliche Juristenschule in Petersburg.
1854 Tod der Mutter durch Cholera. Erster überlieferter Kompositionsversuch.
1856 Schwärmerische Liebe zu einem jüngeren Schüler.
1859 Wird Beamter am Justizministerium.
1862 Beginnt Studium am neu eröffneten Petersburger Konservatorium. Kompositionsunterricht bei Anton Rubinstein.

Symphonische Träume
1866 Wird Theorielehrer am Moskauer Konservatorium unter Nikolai Rubinstein. Arbeit an der Ersten Symphonie bewirkt Nervenkrise.
1868 Nikolai Rubinstein dirigiert erfolgreiche Uraufführung der Ersten Symphonie. Erfolgloser Versuch, öffentlich zu dirigieren. Heiratspläne mit der Sängerin Desirée Artôt.
1869 Premiere der ersten Oper: "Der Wojewode". Komponiert "Romeo und Julia". Verliebt sich in seinen Schüler Eduard Sack.
1870 Erste längere Reise durch Westeuropa: Paris, Deutschland, Schweiz, Wien.

Genie und Handwerk
1872 Beendet die Oper "Der Opritschnik". Während Sommerurlaub Arbeit an der Zweiten Symphonie. Beginnt Nebentätigkeit als Musikjournalist.
1873 Erste Italienreise. Orchesterfantasie "Der Sturm". Freitod von Eduard Sack.

"Ich schrieb es mit Liebe"
1874 Uraufführung des "Opritschnik". Komponiert die Oper "Wakula, der Schmied".
1875 Beginnt sein erstes Ballett: "Schwanensee". Uraufführung des von Nikolai Rubinstein abgelehnten Ersten Klavierkonzerts durch Hans von Bülow in Boston.
1876 Kur in Vichy. Berichtet von den ersten Bayreuther Festspielen. Beginn des Briefwechsels mit Nadeschda von Meck.

Das verflixte Jahr 77
1877 Beziehung zu dem Geiger Jossif Kotek. Vierte Symphonie. Beginnt "Eugen Onegin". Heiratet im Juli Antonina Miljukowa. Im Oktober Flucht vor seiner Frau in die Schweiz. Nadeschda zahlt eine jährliche Unterstützung: finanzielle Unabhängigkeit.

Nomadenleben
1878 bis 1880 Lange Aufenthalte in Italien und der Schweiz. Violinkonzert. "Liturgie des hl. Johannes Chrysostomus". Orchestersuite Nr. 1. Kündigt seine Stelle am Moskauer Konservatorium.
1880 Tod des Vaters. Rückkehr nach Russland. Serenade für Streichorchester. Ouvertüre 1812.
1881 Tod von Nikolai Rubinstein. Klaviertrio a-Moll.

Die eigenen vier Wände
1883 Krönungsmarsch für den neuen Zaren Alexander III. Orchestersuite Nr. 2.
1884 Orchestersuite Nr. 3. Glanzvolle Petersburger Erstaufführung des "Onegin". Besuch beim todkranken Jossif Kotek in Davos.
1885 Mietet ein Haus in dem Dörfchen Maidanowo bei Klin. Komponiert die Programmsymphonie "Manfred".

Unterwegs mit dem Taktstock
1887 Dirigiert seine Oper "Die Pantöffelchen". Reise nach Tiflis. Orchestersuite Nr. 4 (Mozartiana). Besucht todkranken Freund Nikolai Kondratjew in Aachen.
1888 Erste Tournee als Dirigent eigener Werke: Hamburg, Berlin, Prag, Paris, London. Der Zar gewährt eine lebenslange Rente. Fünfte Symphonie.
1889 Zweite Europatournee. Beendet sein zweites Ballett: "Dornröschen".

Für alle ein Rätsel
1890 Komponiert in Florenz die Oper "Pique Dame". Nadeschda von Meck beendet Brieffreundschaft. Symphonische Ballade "Der Wojewode".
1891 Konzertreise in die USA, vor allem New York. Tod seiner Schwester Alexandra. Komponiert die Kurzoper "Iolanta" und das Ballett "Der Nussknacker".
1892 Deutsche Erstaufführung des "Onegin" durch Gustav Mahler. Bezieht großes Haus in Klin. Arbeit an einer Symphonie in Es-Dur. Besucht Fanny Durbach.
1893 Verwirft Es-Dur-Symphonie. Komponiert Sechste Symphonie in h-Moll ("Pathétique"). Plant weitere Werke. Uraufführung der "Pathétique" am 16. Oktober. Stirbt am 25. Oktober in Petersburg an den Folgen der Cholera.

Die Datumsangaben folgen dem damals in Russland üblichen Julianischen Kalender, der gegenüber dem unsrigen um zwölf Tage "vorgeht".

Tschaikowskys Leben in Bildern

Radio-Tipp

Die neue Hörbiografie "Tschaikowsky - Der Wille zum Glück" von Jörg Handstein umfasst insgesamt neun Folgen, gesendet werden diese werktäglich ab dem 4. Dezember jeweils um 18.05 Uhr auf BR-KLASSIK. Die kompletten Folgen stehen hier auch auch zum Nachhören bereit. Erzähler der Hörbiografie ist Udo Wachtveitl, außerdem sind Stefan Wilkening (Tschaikowsky), Moritz Zehner (Tschaikowsky als Kind), Shenja Lacher (Modest Tschaikowsky), Viola von der Burg (Nadescha von Meck) und Laura Maire (Antonina Tschaikowskaja) sowie als Zitatoren Thomas Albus, Christian Baumann, Andreas Neumann, Katja Schild und Benedikt Schregle zu hören.

Sendetermine und Nachhören

Stationen seines Lebens

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