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Üben wie die Profis Mit Abwechslung in die Wiederholung

Wiederholung ermüdet. Im Alltag und am Instrument. Doch um ein Musikstück gut spielen zu können, ist sie unerlässlich. Cellist Sebastian Klinger empfielt: Üben mit Variationen, also jede Wiederhloung neu gestalten.

Sebastian Klinger | Bildquelle: Astrid Ackermann

Bildquelle: Astrid Ackermann

"Gerade wenn man viel Zeit hat, dann wiederholt man nur noch und weiß aber vor der nächsten Wiederholung gar nicht, was man eigentlich verändern will", warnt der Cellist Sebastian Klinger. Er empfiehlt: Jede Wiederholung neu gestalten. Sonst "schleichen sich auch Sachen ein musikalisch, die man vielleicht gar nicht will", erklärt Klinger. Maßstab ist für ihn dabei die musikalische Aussage. Was will ich eigentlich ausdrücken? Eine Möglichkeit, die sich gerade für Anfänger und Fortgeschrittene anbietet, ist das Prinzip der rotierenden Aufmerksamkeit, meint Sebastian Klinger. "Dann muss man die Aufmerksamkeit eben mal der Artikulation widmen, mal der Phrasierung, mal der Farbe, mal der Dynamik und so. Um nicht alles gleichzeitig auf einmal machen zu müssen. Das lernt man aber, dass man das dann immer mehr effizienzsteigernd übt", erklärt er.

Mehrere Dinge gleichzeitig? Kann das Gehirn gar nicht

Bei jeder Wiederholung den Fokus auf etwas anderes zu legen, ist sehr effektiv und empfehlenswert, sagt auch der Neurologe und Musikermediziner Eckart Altenmüller. "Dieses Üben mit rotierender Aufmerksamkeit ist primär eine gute Sache, weil wir tatsächlich selbst als Hochprofis in der Regel nicht auf zwei Dinge gleichzeitig wirklich gut und präzise achten können." Das liege daran, dass das Gehirn entgegen der allgemeinen Meinung kein Parallelverarbeiter ist. Es schaltet vielmehr immer von dem einen Aufmerksamkeitsfokus auf den anderen zurück. "Die Musikerinnen und Musiker, die wissen das und die sind nur sehr sehr schnell im Umswitchen", sagt Altenmüller.

Routinen durchbrechen erfrischt auch den Alltag

Auch das Üben mit Varianten ist aus Sicht der Hirnforschung sinnvoll, sagt Altenmüller. Also schnelle Läufe ruhig auch mal punktiert üben. Dadurch wird das Geübte besser im Gehirn abgespeichert. Außerdem motivieren Varianten beim Üben. Und die wechselnde Beanspruchung der Muskulatur beugt auch Überlastungen vor. Üben mit Varianten gibt es übrigens auch im Sport. Da trainieren die Sportler beispielsweise mit anderen Schrittlängen, um sich Unterschiede bewusst zu machen und letztlich in ihrer Leistungsfähigkeit über eine breitere Basis zu verfügen, sagt der Coach und Sportpsychologe Thomas Ritthaler.

Im Alltag ist das für uns alle schlau, wenn wir Routinen unterbrechen, indem wir Dinge machen, die wir nicht gewohnt sind.
Thomas Ritthaler

Ein Prinzip, das man ruhig auch mal im Alltag anwenden könnte. Etwa wenn man eine Alltagstätigkeit mal mit der anderen Hand mache. Wenn man dann zurückwechselt, fühlt sich die Tätigkeit viel sicherer an. "Im Alltag ist das mit dem Älterwerden für uns alle total schlau, wenn wir Routinen unterbrechen, indem wir mal Dinge machen, die wir nicht gewohnt sind, das hat was mit Musterunterbrechung zu tun, mit anderen Lösungen, mit anderen Ansätzen", sagt Ritthaler. Das kann erfrischend sein. Alternativen und Varianten ausprobieren - ob beim Üben am Instrument, beim Einkauf im Supermarkt oder wenn es darum geht, mal anders zu reagieren, wenn Ihnen der Arbeitskollege eine unliebsame Zusatzaufgabe aufhalst.

Übung macht den Meister

15 Übe-Strategien für das heimische Musizieren finden Sie hier.

Sendung: "Allegro" am 24. Januar 2024 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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