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Ludwig van Beethoven Streichquartett f-Moll op. 95

Beethoven war bereits so gut wie völlig taub und mal wieder unglücklich verliebt, als er sein Streichquartett f-Moll op. 95 schrieb. Der Beiname des Quartetts "Quartetto serioso" deutet an, dass es sich hier um ein ernstes Werk handelt.

Stich von Blasius Höfel nach einer Zeichnung von Louis Letronne | Bildquelle: Beethoven-Haus Bonn

Bildquelle: Beethoven-Haus Bonn

Das starke Stück

Beethoven - Streichquartett f-Moll

Es ist eine düstere Angelegenheit, dieses Streichquartett op. 95. Von freundlicher, gar fröhlicher Gesten gegenüber dem Publikum kann überhaupt nicht die Rede sein. Insgesamt 16 Streichquartette hat Ludwig van Beethoven komponiert, in drei unterschiedliche Phasen teilt man sie ein. Aber dieses "Quartetto serioso" springt aus jeder der drei Stil-Schubladen sofort wieder heraus.

Liebeskummer und Verzweiflung?

Gerne legt man der Andersartigkeit eine biographische Ursache zugrunde - immerhin hat der sonst so erfolgreiche Beethoven von seine Angebeteten Therese Malfatti einen Korb erhalten.

Man munkelte also, Beethoven habe sich durch den abgelehnten Heiratsantrag gekränkt gefühlt und hätte, ganz seinem cholerischen Temperament entsprechend, diese Mischung aus Verzweiflung und Wut in die Musik hineingepackt. Deshalb sei es auch in f-Moll geschrieben. Völliger Unsinn, meint Rainer Schmidt vom Salzburger Hagen Quartett.

"Ich glaube, dass solche privaten Erlebnisse, und seien sie auch noch so schicksalshaft, eine Nebenrolle spielen neben dem eigentlichen kompositorischen Prozess, der mit dem Material zu tun hat." (Rainer Schmidt)

Fratzenhaftigkeit durch zerstückelte Themen

Das op. 95 klingt aber nicht nur serioso, ernst, sondern es strotzt vor Fatalismus, es berührt auf tiefsinnige Weise, es macht beim Zuhören sogar ein wenig unruhig und es lässt den Beethovenschen Humor missen. Der herkömmliche Aufbau eines Streichquartettes ist zwar durchaus vorhanden, aber Beethoven hüpft zwischen den Tonarten hin und her, zerstückelt die Themen, mitunter erinnert die Musik im 4. Satz an eine groteske Fratze.

Das Konzept des op. 95, des "Quartetto serioso" lautet also im Grunde ganz einfach: radikal anders sein. Wie ein Miraculix hat sich Beethoven über die Ingredienzien der Musik hergemacht. Eine Prise hiervon, eine Prise davon.

Musik-Info

Ludwig van Beethoven - Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello Nr. 11, f-Moll op. 95

Hagen Quartett
Label: Deutsche Grammophon

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