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Zum 75. Geburtstag der Sopranistin Kiri Te Kanawa Grande Dame aus Neuseeland

Kiri Te Kanawa war die erste Maori, die Weltkarriere machte. Mit ihrem dunkel getönten, lyrischen Sopran avancierte sie zu einer der großen Diven der internationalen Opernbühne. Zu Beginn ihrer Laufbahn arbeitete sie mit Herbert von Karajan zusammen. Georg Solti schenkte ihr als Zeichen der Bewunderung einen weißen Nerz. Für Leonard Bernstein sang sie die Maria in dessen eigener Interpretation der "West Side Story". Heute feiert die begnadete Sopranistin ihren 75. Geburtstag.

Kiri Te Kanawa | Bildquelle: kiritekanawa.org

Bildquelle: kiritekanawa.org

Kiri Te Kanawa zum 75. Geburtstag

Das Porträt zum Anhören

Kurz vor Heiligabend 2018 bekommt die neuseeländische Opernsängerin Kiri Te Kanawa in London ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk: Für ihre Leistung als Sängerin wird sie von Prinz Charles in Buckingham-Palace zur "Companion of Honour" ernannt. Den Titel "Dame" trägt sie bereits seit 1982. Für Kiri Te Kanawas Karriere spielen London und die Royals eine besondere Rolle, 1971 debütierte sie am Royal Opera House als Gräfin Almaviva: "Ich studierte damals am Royal Opera Center", erinnert sich die Sängerin. "Und als ich 27 oder 28 Jahre alt war, bekam ich in Covent Garden eine der großen Rollen: die Gräfin Almaviva, was absolut einzigartig ist. Sie gingen ein enormes Risiko ein mit mir." Es wird ein Triumph!

Sie gingen ein enormes Risiko ein mit mir.
Kiri Te Kanawa über ihre erste Rolle am Royal Opera House

Die Schwarzkopf als Vorbild

Geboren wird Kiri in Neuseeland. Ihr Vater gehört zu den Ureinwohnern, die Familie ihrer Mutter stammt aus Irland. Nach der Geburt wird sie von ihren Eltern zur Adoption freigeben und sieht sie nie wieder. Kiri wächst bei den Te Kanawas auf. Der Adoptiv-Vater ist ebenfalls Maori. 1963 besucht Elisabeth Schwarzkopf, die Königin der großen Mozart- und Strauss-Partien Neuseeland, gibt eine Meisterklasse. "Sie brachte in jedes Wort, das sie sang, großartige Farbe und Ausdruck", sagt Te Kanawa. "Ihre Stimme beeinflusste nicht nur mich, sondern viele große Sopranistinnen der Zeit. Sie wusste genau, was sie wollte, und sie war eine harte Lehrerin und ziemlich furchterregend."

Die große Bühne gewohnt

Kiri Te Kanawa als Donna Elvira in Joseph Loseys "Don Giovanni"-Verfilmung, mit Ruggero Raimondi in der Titelrolle | Bildquelle: picture alliance/Everett Collection Kiri Te Kanawa als Donna Elvira in Joseph Loseys "Don Giovanni"-Verfilmung, mit Ruggero Raimondi in der Titelrolle | Bildquelle: picture alliance/Everett Collection Kiri Te Kanawa fängt Feuer und wird zum ersten neuseeländischen Weltstar der klassischen Musik. Als junge Frau kommt sie ins London der 60er Jahre und nach ihren Erfolgen am Royal Opera House Covent Garden, geht es in den 70er Jahren weiter nach Paris, Mailand, an die New Yorker Met und alle anderen bekannten Opernhäuser der Welt. Endgültig befördert wird ihre Karriere 1981 durch die Hochzeit von Charles und Diana. 750 Millionen Menschen weltweit an den Fernsehern lernen erstmals die Sopranistin kennen. Sie ist da längst die große Bühne gewohnt, aber so ein großes Publikum hat sie bis dahin noch nie und auch später nie wieder. Königlichen Anlässen bleibt sie treu: 20 Jahre später erfreut sie die Queen im Hydepark zum goldenen Thron-Jubiläum. Von den vielen erstklassigen Dirigenten, mit denen sie zusammengearbeitet hat, nimmt Sir Georg Solti einen besonderen Platz ein. Gemeinsam gründen sie ihre Nachwuchsakademie. Die berufliche Partnerschaft dauert fast 30 Jahre.

Gastrolle in "Downton Abbey"

Immer mal wieder wechselt die Sängerin das Fach. Anfangs verdient sie in Country-Clubs. Später macht sie Pop und tritt mit Maori-Liedern auf. Einmal singt sie – ganz große Ehre für eine Neuseeländerin – die Hymne zur Rugby-WM. Als Paul McCartney ein "Liverpool Oratorium" schreibt, wirkt sie wie selbstverständlich bei der Uraufführung mit. Im britischen TV-Erfolg "Downton Abbey" hat sie in der vierten Staffel eine Gastrolle: die der australischen Sopranistin Nellie Melba.

Neigung zum leichten Fach

Markant: Ihr dunkel getönter lyrischer Sopran mit seinen leuchtenden Höhen. Manchem Kritiker singt sie zu schön und nicht dramatisch genug, doch alle großen Häuser reißen sich um sie. Zu ihren favorisierten Rollen zählen die der großen Dame, ob bei Mozart, Verdi, Puccini oder Strauss. Sie sang Pamina, Donna Anna, Desdemoma. Und in Joseph Loseys "Don Giovanni"-Verfilmung (1979) ist sie eine grandiose Donna Elvira. Außerdem trägt ihr ihre Neigung zum leichten Fach die Liebe eines breiten Publikums ein.

Pädagogische Arbeit mit jungen Talenten

Kiri Te Kanawa | Bildquelle: picture alliance / Photoshot Kiri Te Kanawa mit dem Order of the Companions of Honor, der ihr 2018 verliehen wurde, am Buckingham Palace | Bildquelle: picture alliance / Photoshot Mit 65 verkündet Kiri Te Kanawa 2009 das baldige Ende ihrer Karriere, aber der ein oder andere Auftritt folgt dann noch. Doch seit 2016 scheint nun aber tatsächlich Schluss zu sein. Was sie auf den großen Opernbühnen der Welt gelernt hat, gibt sie bis weiter an junge Talente. Seit 2011 ist Kiri Te Kanawa Schirmherrin des BBC Cardiff Singer of the World und sie hält nach wie vor Meisterkurse. Dabei ist ihr bewusst, dass es Ihre Studenten heute sehr viel schwerer haben, vor allem, weil sie von ihren Agenten und Managern gedrängt werden, zu viele Auftritte zu absolvieren: "Diese Agenten schauen mich immer ganz feindselig an, wenn ich ihnen mal wieder ins Gewissen rede und sage: Lasst die jungen Leute auch mal in Ruhe, die sind nicht dazu da, eure Häuser abzubezahlen."

Sendung: "Allegro" am 06. März 2019, 06.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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