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26. Juni 1923 - Puccini kauft ein Rennboot Techniknarr mit Liebe zu schnellen Fahrzeugen

"Die Musik ist ein geordnetes und gelehrtes Geräusch. Nur leider in der ekelhaften gegenwärtigen Welt ist sie eine nutzlose Sache, wie die Poesie nutzlos ist. Nützlich sind Bargeld und Banknoten." - Puccini ist Mitte 60, steckt in seiner Oper Turandot fest und kommt sich vor wie ein Mann der Vergangenheit.

Giacomo Puccini | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Weg aus der Krise

Vielleicht kann dem Komponisten Professor Steinach helfen, dessen sensationsumwitterte Verjüngungskuren die Pubertätsdrüse neu zu beleben versuchen. Immerhin, ein paar Entschädigungen hält das Leben bereit. Gerade hat er sich seine dritte Villa bauen lassen. Sie verfügt über ein hochmodernes Radio, einen fernbedienten elektrischen Türöffner und eine automatische Berieselungsanlage für den Garten. Puccini liebt es, bei schönstem Sonnenschein mit dem Schirm im künstlichen Regen zu spazieren.

Ich habe vorgestern in Varezze ein Motorboot erworben, das über 40 Kilometer in der Stunde macht. Es ist dasselbe, das bei dem Rennen in Monte Carlo gesiegt hat.
Giacomo Puccini

Schon immer hat Puccini schnelle Fahrzeuge geliebt. Gerade erst hat er sich für 90.000 Lire einen Lancia Trikappa gekauft, acht Zylinder. Schon ein Jahr später wird er durch einen Lancia Lambda ersetzt, selbsttragende Karosserie, hydraulische Stoßdämpfer, Höchstgeschwindigkeit 115 km/h.

Puccini - der Techniknarr

Die illustrierten Zeitungen berichten über seinen spektakulären Autounfall. Man findet ihn auf Flugschauen, im Seitenwagen seiner Harley-Davidson, auf Deck seiner hochseetauglichen Motoryacht namens Cio-Cio-San: 20 Passagiere, Bordklavier, 100 PS und 30 km/h. Um zu einem abgelegen Landgut zu gelangen, kauft er 1919 einen amerikanischen Jeep. Das hätte das Finanzamt misstrauisch machen müssen, denn für dieses Jahr gibt er als Steuereinkommen lächerliche 11.508 Lire an, 3 % seiner tatsächlichen Tantiemen. Schon damals ließ die Steuermoral in Italien Wünsche offen.

Macht all das glücklich?

Im März 1923 schreibt Puccini, nur für sich selbst, ein Gedicht:
"Ich habe keinen Freund
Ich fühle mich allein
auch die Musik
ekelt mich an.
Schnell vergeht die Jugend
und das Auge erforscht
die Ewigkeit."

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