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Bayreuther Festspiele Stabilität durch den neuen "General Manager"?

Auf dem Grünen Hügel soll ein neuer Geschäftsführer mit umfassender Budget-Verantwortung installiert werden – an der Seite der künstlerischen Leiterin Katharina Wagner. Ein Führungsmodell, das in den USA und Großbritannien üblich ist, hierzulande aber noch nicht ausprobiert wurde.

Richard-Wagner-Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth | Bildquelle: picture alliance / Zoonar | mije-shots

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Das Sprachbild ist zwar einleuchtend, aber ob es auch die Realität abbildet, das sei dahingestellt: Ein "General Manager", der sei so etwas wie der Stamm, wenn man sich einen Theaterbetrieb als Baum vorstelle, so die Erklärung auf einer englischsprachigen Seite im Netz. Begründung: Der Geldgeber, also der Produzent, sorge für den Setzling, er habe die zugrunde liegende Idee, alle anderen Führungskräfte seien mit Ästen vergleichbar. Der "General Manager" müsste das Ganze stabil halten und verlässlich sein, was wohl auch darauf abzielt, dass es am Theater häufig gilt, Stürme auszuhalten.

Volle Konzentration auf die Verwaltung der Bayreuther Festspiele

Allerdings heuert der "General Manager" in den USA und Großbritannien auch den Regisseur an, kümmert sich also um die wichtigsten Künstler einer Produktion, was bei den Bayreuther Festspielen gerade nicht der Fall sein soll. Dort ist jetzt angedacht, einen "General Manager" auszuschreiben, der ausschließlich für die Verwaltung zuständig sein soll und beim künstlerischen Budget nichts zu melden haben soll. Ob das funktioniert? Ausprobiert hat es hierzulande bisher niemand.  

Grund für die Reform: Fast an allen Theatern gibt es permanente Reibereien zwischen Geschäftsführern und Intendanten, wenn beide Funktionen nicht zufällig in einer Hand liegen. Intendanten wollen große und möglichst spektakuläre Kunst machen, Geschäftsführer achten auf das Budget und regen sich gern über zu geringe Auslastung auf. Sie scheuen wohlweislich das Risiko, vor allem, wenn es teuer werden könnte. Massive, öffentlich gewordene Kräche löste Holger von Berg aus, früher Geschäftsführer in Bayreuth, später am Staatstheater Wiesbaden. Aber auch mit dem jetzigen Geschäftsführer Ulrich Jagels harmoniert Katharina Wagner nicht sonderlich. Es wurde vor allem um Versäumnisse beim Kartenvertrieb gestritten

Im Hintergrund lauert die unübersichtliche Eigentümerstruktur

Kann ein "General Manager" das alles beheben? Nach bisher bekannter Lesart soll sich diese Person in Bayreuth um die Kosten für die laufende Gebäudesanierung kümmern, aber auch um das Marketing, das sehr im Argen liegt, um einen modernen Kartenvertrieb, sowie um die Verwaltung sämtlicher technischer und finanzieller Belange abseits der Bühnenkunst. Was nicht so deutlich gesagt, aber mitgedacht wird: Der "General Manager" wird sich mit der unübersichtlichen Eigentümerstruktur herumärgern müssen, denn auf dem Grünen Hügel reden viele mit, vom Bund über den Freistaat und der Familie Wagner bis hin zum Freundeskreis, dem Bezirk und der Stadt. 

Katharina Wagner herrscht über den Bayreuther Spielplan

Bayerns Kunstminister Markus Blume (l.), Festspielleiterin Katharina Wagner (Mitte) und Kulturstaatsministerin Claudia Roth (r.) im Münchner Kunstministerium. | Bildquelle: Axel König, Bay. Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst Kunstminister Markus Blume, Katharina Wagner und Kulturstaatsministerin Claudia Roth bei der Vertragsverlängerung von Katharina Wagner | Bildquelle: Axel König, Bay. Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst Dadurch ist der Job mäßig attraktiv, denn anders als der "General Manager" der Metropolitan Opera in New York, wo Peter Gelb als eine Art "Sonnenkönig" mehr oder weniger unumschränkt herrscht und sehr geschickt mit den Sponsoren kokettiert, wird der Chefverwalter in Bayreuth zumindest auf dem Papier keinen Einfluss auf den Spielplan haben. Katharina Wagner betonte nach ihrer Vertragsverlängerung sehr, dass sie sich diesbezüglich auf ihre neue "Unabhängigkeit" freue und Künstlerverträge nicht mehr – wie bisher – von ihr und dem Geschäftsführer, also doppelt, unterzeichnet werden müssten, sondern nur noch von ihr.  

 Wieviel visionärer Spielraum bleibt dem "General Manager"?

Es scheint, dass Bund und Freistaat den "General Manager" mit Blick auf mögliche international erfahrene Bewerber ausschreiben wollen, ohne sich darüber klar zu sein, was darunter im Ausland genau verstanden wird. Ein "Generalverwalter" ohne jeglichen Zugriff auf die künstlerische Seite gewiss nicht, denn dann wäre er trotz seines hochtrabenden Titels weniger einflussreich als ein normaler Geschäftsführer.  

Es stimmt schon, die "Allgemeine Verwaltung" gilt in vielen deutschen Großunternehmen als vornehme Umschreibung für eine erweiterte Hausmeisterei, insbesondere zuständig für Immobilien, Poststelle, Archiv, Druckerei und Reinigungsaufgaben. An strategischer Unternehmensführung ist sie gewöhnlich nicht beteiligt. Vom "General Manager" wird jedoch üblicherweise visionäres Handeln und Durchsetzungsfähigkeit erwartet. Ob das in Bayreuth alle richtig verstanden haben? 

 Sendung: "Leporello" am Mittwoch, 15. Mai ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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