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Was heute geschah - 16. Dezember 1965 Erstmals Livemusik im Weltraum

Vor 50 Jahren erlaubten sich die Astronauten Walter Schirra und Tom Stafford einen Scherz. Mit Mundharmonika und Schellenband im Gepäck sorgten sie für die erste Livemusik-Performance im All.

Die Astronauten Thomas Stafford (l) und Walter Schirra (r) | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Weihnachtsüberraschung im Weltall

Es ist ein Flug voller Premieren. Ursprünglich sollte sich die Raumkapsel Gemini 6 mit einem unbemannten Satelliten treffen. Dieser explodiert aber beim Start , weshalb man auf die Idee kommt, stattdessen ein Rendezvous zwischen zwei bemannten Raumkapseln auszurichten. Eine kühne Idee, denn bisher waren noch nie zwei Raumschiffe zugleich in einer Erdumlaufbahn gewesen. Die technischen Probleme sind enorm, aber durchaus lösbar.

Blick aus der Luke der Gemini 6-Kapsel auf die Gemini 7- Kapsel während eines Rendezvous-Manövers im All  | Bildquelle: picture-alliance/dpa Blick aus der Luke der Gemini 6-Kapsel auf die Gemini 7- Kapsel während eines Rendezvous-Manövers im All | Bildquelle: picture-alliance/dpa Gemini 7 startet zuerst, Gemini 6 folgt elf Tage später, dort mit an Bord die Astronauten Walter Schirra und Tom Stafford. Die beiden schaffen es, in der Schwerelosigkeit der Erdumlaufbahn Gemini 6 mit kurzen Düsenzündungen an die Schwesterkapsel heranzumanövrieren. Dicht an dicht fliegen sie nebeneinander her, teilweise sogar mit nur 30 Zentimetern Abstand, so dass die Astronauten sich einander durch die Bullaugen zuwinken können. Nach diesem Erfolg geht Gemini 7 wieder auf ein paar Meter Abstand von Gemini 6 - doch da kommt von Gemini 6 eine unerwartete Durchsage:

Wir haben hier ein Objekt. Sieht aus wie ein Satellit, der von Norden nach Süden über den Pol fliegt.

Die NASA ist besorgt. Einen Satelliten in so niedriger Höhe über dem Nordpol gibt es nicht. Gemini 6 täuscht vor, die Situation klären zu wollen. Ein perfektes Ablenkungsmanöver. Während die Besatzung von Gemini 7 rätselt, wer oder was da über den Pol fliegt (vielleicht der Weihnachtsmann?), zücken Schirra und Stafford eine Mundharmonika und ein Armband mit Schellenglöckchen - an Bord geschmuggelt vor dem Start. An Bord von Gemini 6 wird jetzt musiziert, und über den Funk ertönt "Jingle Bells". Die Überraschung für die Astronauten in der anderen Kapsel ist gelungen.
Später erzählt Schirra, dass er lediglich acht verschiedene Töne auf der Mundharmonika spielen könne, was gerade für "Jingle Bells" reiche.

Heute kann man Mundharmonika und Glöckchen als die ersten Musikinstrumente, die im Weltraum gespielt worden sind, im "Smithsonian Air and Space Museum" in Washington besichtigen.

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